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Auftragsschwankungen abfedern

Dr. Rupert Felder ist Personalleiter der Heidelberger Druckmaschinen AG.
Dr. Rupert Felder ist Personalleiter der Heidelberger Druckmaschinen AG.

Personalwirtschaft: Herr Dr. Felder, über die Arbeitnehmerüberlassung setzen Sie überwiegend gewerbliche Kräfte ein, die in der Montagetätig sind. Welche Rolle spielt die Zeitarbeit für Sie?
Rupert Felder: Aus meiner Sicht eignet sich die Zeit-arbeit nicht allein als Rekrutierungsinstrument. Sie ist auch notwendig, um Beschäftigung zu erhalten und flexibel bleiben zu können. In der Diskussion etwa mit dem Betriebsrat ist es uns wichtig, dass Zeitarbeit in dieser Funktion anerkannt wird. Ein Zeichen für die zunehmende Versachlichung der Diskussion sind Kontingentklauseln, auf die sich Betriebspartner zunehmend einigen.

Was erwarten Sie von den Dienstleistern?

Anlass, die Kooperation zwischen Unternehmen und Zeitarbeitsfirmen zu optimieren, ist zum einen die hohe Fluktuation. Kunden wollen sich nicht dauernd auf neue Gesprächspartner einstellen. Dem entspricht das Key-Account-Modell, das für deutlichhöhere Professionalität steht. Verlässlichkeit und Lieferfähigkeit sowie das Verständnis für die betrieblichen Umstände des Auftraggebers sind wichtiger als die schnelle Präsentation von Kandidaten.

Gibt es weitere Kritikpunkte?

Weiteres Optimierungspotenzial liegt in der Darstellung von Profilen. Es reicht nicht aus, Prospekte zu gestalten. Vielmehr dreht sich alles ums Matching: Stimmen präsentierte Profile tatsächlich mit den vom Kunden präzisierten spezifischen Anforderungsprofilen überein? Auch bei der Ansprache von potenziellen Kandidaten gibt es bei zahlreichen Dienstleistern noch Verbesserungsmöglichkeit.

Wo setzen Sie Schwerpunkte in der Zeitarbeit?
Bedingt durch die anhaltend angespannte Beschäftigungslage favorisiere ich in der Kooperation mit der Zeitarbeit eine regionale Spezialisierung sowie zunehmend auch eine fachliche Spezialisierung. Ich kann mir den Personaldienstleister auch als Rekrutierungskanal vorstellen, wenn er die Suche nach von uns präzise definierten Anforderungs- und Kandidatenprofilen für Fach- und Führungskräfte übernimmt.

Erkennen Sie hier einen steigenden Bedarf?

Zweifelsfrei. Höher qualifizierte Fachkräfte sind zunehmend ein Markt für Personaldienstleister. Dafür muss ich als Auftraggeber in der Ausschreibung dem Partner genau erklären, wen ich suche, statt lediglich Zahlen vorzugeben. HR stellt demzufolge höhere Ansprüche an die Partner.

In der öffentlichen Diskussion tut sich die Zeitarbeit ziemlich schwer. Welchen Standpunkt vertreten Sie?
Ich sehe die Zeitarbeit definitiv als wichtiges Flexibilisierungsinstrument. Gerade in volatilen Arbeitsmärkten, wo Beschäftigungsschwankungen an der Tagesordnung sind, besteht eine hohe Notwendigkeit. Sicherlich wird es auch für die Zeitarbeitsbranchesehr schwer, sich in einem enger werdenden Facharbeitermarkt zu behaupten.

Wie beurteilen Sie den vorliegenden Gesetzesentwurf im Hinblick auf den Einsatz von Zeitarbeit?
Die Arbeitnehmerüberlassung ist eigentlich geregelt, lediglich der Begriff “vorübergehend” lässt Raum für Interpretationen. 18 Monate oder unbegrenzt: Noch ist nicht absehbar, was der Gesetzgeber tatsächlich will. Auch die Anforderung an Equal Pay sollte praxistauglich formuliert sein.