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Beamtenbund: Im öffentlichen Dienst fehlen 360.000 Beschäftigte

Auf rund 360.000 Beschäftigte beziffert der Deutsche Beamtenbund (DBB) den Fachkräftemangel im öffentlichen Dienst. Die Zahl nannte der DBB-Vorsitzende Ulrich Silberbach im Interview mit der F.A.Z. Er beruft sich dabei auf die Einschätzung der 40 Gewerkschaften, die dem DBB angehören. „Die Zahlen basieren auf der Realität vor Ort und sind keine Wunschliste“, sagt Silberbach.

Die Aufschlüsselung der Zahlen, die der DBB inzwischen auf seiner Webseite veröffentlicht hat, zeigen, dass insbesondere auf der kommunalen Ebene Beschäftigte fehlen. 165.400 offene Stellen werden dort eingeordnet, wobei alleine rund 70.000 auf Kitas entfallen. Weitere große Lücken gibt es bei Bundes- und Landespolizeien (jeweils über 25.000 fehlende Beschäftigte), in der Steuerverwaltung (30.000), in Schulen (42.000) sowie in der Kranken- und Altenpflege (47.000).

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Silberbach spricht im Interview zudem darüber, dass in den kommenden Jahren die Zahl aufgrund der Pensionierung der Babyboomer-Jahrgänge „noch viel größer“ werden dürfte. Darauf hatten auch die auf die öffentliche Hand spezialisierten PwC-Berater Volker Halsch und Rainer Bernnat wiederholt hingewiesen und vor einer Fachkräftelücke von mehr als einer Million Beschäftigten in wenigen Jahren gewarnt – zuletzt in einer Studie in diesem Sommer. „Rahmenbedingungen müssen verbessert werden, die Digitalisierung forciert, alles“, sagte Bernnat seinerzeit im Gespräch mit der Personalwirtschaft, und nannte dort sowie in der Studie weitere Schritte, die die öffentliche Hand unternehmen müsse, um die Lücke zu schließen.

Personalplanung, Anreize, Weiterbildung als Lösungen

Auch Silberbach nennt im F.A.Z.-Interview konkrete Vorschläge: „Zum einen brauchen wir endlich eine langfristige Personalplanung in der Verwaltung, die den demographischen Wandel berücksichtigt.“ Man müsse schon jetzt Stellen schaffen, um kommende Generationen auf die anstehenden Aufgaben vorzubereiten. „Zum anderen müssen wir den öffentlichen Dienst durch Anreizsysteme attraktiver machen.“ Aufgrund der fehlenden Möglichkeit, finanziell mit der Privatwirtschaft mitzuhalten, müsse der öffentliche Dienst sich insbesondere als „besonders moderner und familienfreundlicher Arbeitgeber“ präsentieren.

Ein weiterer Punkt sei die Forcierung von Weiterbildungen. „Wer sich weiterbildet, soll mehr bekommen“, fasst es der DBB-Vorsitzende zusammen. Das gehe auch im öffentlichen Dienst, wo eine leistungsgerechte Bezahlung meist daran scheitere, dass Vorgesetzte die Verantwortung scheuen, die eine entsprechende Beurteilung mit sich bringt. „Es herrscht das Gießkannenprinzip“, sagt Silberbach.

Ist Chef vom Dienst der Personalwirtschaft Online und kümmert sich unter anderem um die Themenplanung der Webseite. Texte schreibt er vor allem über Themen aus den Bereichen Arbeitsrecht, Digitalisierung und dem Mittelstand.