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Frauenfreundliche Unternehmen – Fortschritte mit Luft nach oben

Schwarze Männersymbole und ein rotes Frauensymbol, auf das eine weibliche Hand zeigt
Zwar hat sich die Chancengleichheit für Frauen in deutschen Unternehmen verbessert, doch Top-Managerinnen findet man weiterhin selten.
Foto: © eyetronic-stock.adobe.com

Gemeinsam mit der Personalmarketing-Agentur Territory Embrace rief die “Brigitte” in Deutschland Arbeitgeber auf, an der Studie teilzunehmen. Die Unternehmen waren aufgefordert, Fragebögen ausfüllen und damit Auskunft über vier Kriterien zu geben: die Vereinbarkeit von Beruf und Familie, die Flexibilität der Arbeit, Maßnahmen zur Karriereförderung sowie den Stellenwert von Transparenz und Gleichstellung im Unternehmen. Außerdem flossen der Frauenanteil in Führungspositionen und die selbst auferlegten Frauen-Quoten der Arbeitgeber in die Bewertung ein. Der Fragebogen wurde von fünf Expertinnen mitentwickelt, der Aufsichtsrätin und Beraterin Janina Kugel, der Ökonomin Katharina Wrohlich vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung, der Fair Pay-Expertin Henrike von Platen, Ana-Cristina Grohnert von der Arbeitgeberinitiative “Charta der Vielfalt” und Susanne Hüsemann, Geschäftsführerin von Queb, dem Bundesverband für Employer Branding, Personalmarketing und Recruiting. Dieses Jahr nahmen 257 Unternehmen an der Studie teil – 50 Prozent mehr als 2019. 182 der befragten Arbeitgeber erzielten Bestwertungen.

Firmen in Sachen Flexibilität gut aufgestellt, Teilzeit-Führung bleibt Nischenthema

Die Untersuchung kam zu dem Ergebnis, dass die teilnehmenden Unternehmen hinsichtlich der Flexibilität der Arbeit besonders gut aufgestellt sind. Zum Beispiel bieten mit 93 Prozent fast alle Firmen ihren Mitarbeitern an, im Homeoffice zu arbeiten; damit liegen sie laut Studie auch unabhängig vom coronabedingten Trend zu Telearbeit über dem Durchschnitt. Was die Möglichkeiten betrifft, in Teilzeit zu führen, sieht es jedoch offenbar nicht so gut aus: Je nach Unternehmensgröße arbeiten lediglich neun bis 18 Prozent der Führungskräfte in den befragten Unternehmen mit reduzierter Stundenzahl. Studienbeirätin Katharina Wrohlich sieht darin ein wichtiges Hindernis für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie und damit auch für die Chancengleichheit von Frauen.

Die Firmen müssen eine Kultur bieten, in der Teilzeitphasen oder kürzere Auszeiten aus familiären Gründen nicht zum Karrierekiller werden,

fordert Wrohlich.

Transparenz über Gehaltsstrukturen – ja, aber…

Beim Kriterium Transparenz schneiden die Studienteilnehmer recht gut ab. Bei mehr als der Hälfte der Unternehmen gibt es feste Vergütungsrahmen und ähnlich viele Firmen analysieren regelmäßig ihre Gehaltsstrukturen. Obwohl diese Maßnahmen dazu betragen können, den Gender Pay Gap zu schließen, so die Studie, teilt jedoch nur jedes vierte dieser Unternehmen seinen Mitarbeitern die Ergebnisse der Analysen mit.

Immer noch wenig Managerinnen in den obersten Führungsebenen

Hinsichtlich des Frauenanteils in Führungspositionen ermittelt die Studie vergleichsweise wenig Fortschritte. So ist der Anteil von Frauen in der ersten und zweiten Managementebene in fast allen teilnehmenden Firmen deutlich geringer als im Unternehmen insgesamt. Bei manchen Arbeitgebern ist sogar keine weibliche Managerin im obersten Führungsgremium vertreten. Studienbeirätin Susanne Hüsemann ist davon überzeugt, es fehle der Wille, Frauen wirklich nach oben zu lassen.

Eine Übersicht der 182 Betriebe mit Spitzenbewertungen sowie weitere Informationen zur Studie sind in Ausgabe 21/2020 der “Brigitte” veröffentlicht.

Am 27. Oktober 2020 veranstaltet das Magazin zusammen mit der Brigitte Academy den interaktiven Online-Talk. “Frauen an die Spitze – so klappt’s: Was muss passieren, damit Frauen im Job bessere Chancen haben?” Ab 18 Uhr 30 diskutieren Studienbeirätin Janina Kugel und Katy Roewer, Personalvorständin beim Versandhändler Otto, mit Brigitte-Redakteurin Kristina Maroldt und dem Publikum über dieses Thema und Ergebnisse der Studie. Die Teilnahme an der Gesprächsrunde ist kostenlos, mehr Infos gibt es > hier.

Ute Wolter ist freie Mitarbeiterin der Personalwirtschaft in Freiburg und verfasst regelmäßig News, Artikel und Interviews für die Webseite.