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Jobsuche im Corona-Jahr

Junge Frau mit Smartphone auf Sofa im Wohnzimmer
2020 hat sich die Jobsuche via Smartphone vom Morgen auf den Abend verlagert.
Foto: © GalakticDreamer-stock.adobe.com

Das Interesse an einem Jobwechsel ist generell zum Jahresbeginn am größten und so war auch 2020 der Januar der Monat mit den meisten Suchanfragen auf > Stepstone. Nach Beginn der Pandemie brach das Interesse deutlich ein; im April sank die Zahl der Stellensuchenden kurzzeitig um gut ein Drittel. Nach dem ersten Lockdown nahm die Zahl der Suchanfragen seit dem Sommer wieder stetig zu und erreichte im September den Höchststand. Im November gab es soviele Jobinteressierte wie im Vorjahresmonat. Laut dem “Corona-Report” von Stepstone hatte jeder dritte Arbeitnehmer seine Pläne für einen Jobwechsel im Juni aufgeschoben. Allerdings haben ebenso viele die Suche nach einer neuen Stelle gerade wegen Corona verstärkt.

Das Jahr 2020 war für viele Berufstätige eine Achterbahnfahrt. Wohl noch nie haben sich so viele Menschen mit der Frage beschäftigt, ob ihr Job eigentlich der richtige ist,

sagt Dr. Tobias Zimmermann, Arbeitsmarktexperte bei Stepstone.

Mehr Suchanfragen nach Jobs als Verkäufer, Altenpfleger und nach Minijobs

Die Analyse der gesuchten Tätigkeiten zeigt, dass Jobinteressierte dieses Jahr etwa doppelt so häufig nach “Verkäufer”, “Altenpfleger” und “Minijob” suchten wie 2019. Dem stand auch eine deutliche Zunahme an entsprechenden Stellenangeboten gegenüber: Für Personal im Einzelhandel gab es einen Anstieg von 45 Prozent, für Versandmitarbeiter nahm die Zahl der Inserate um 22 Prozent und für Krankenpfleger um acht Prozent zu. Bei Jobsuchenden waren auch Tätigkeiten mit wenig bis geringen Vorkenntnissen gefragt: Die Suche nach Jobs als Auslieferungsfahrer stieg zwischenzeitlich um mehr als 137 Prozent, die Suchanfragen nach Stellen für Lageristen nahmen um mehr als die Hälfte zu und die Jobsuchen im Bereich Produktionsarbeit haben sich sogar verdreifacht.

Jobinteressierte weiten Suchkriterien aus

Auffällig ist, dass Jobinteressierte dieses Jahr ihre Suchkriterien erweitert haben und sich flexibler zeigten als vorher. So suchten sie häufiger nach bestimmten Kenntnissen und Fähigkeiten als nach starren Jobtiteln. Der Begriff “Quereinsteiger” schaffte es 2020 erstmals in die 20 meistgesuchten Begriffe. Auch der Corona-Report bestätigt diesen Trend: Danach gab mehr als jeder zweite Jobsuchende an, seine Suchkriterien auf neue Branchen und Bereiche ausgeweitet zu haben. Die aktuelle Auswertung zeigt außerdem, dass Jobinteressierte besonders häufig nach technischen Kompetenzen suchten und vermehrt Keywords eingaben wie Java, Python, C#, C++ und Machine Learning.

Homeoffice war 2020 gefragter

2020 interessierten sich mehr Jobsuchende als bisher für Stellen mit Option für die Arbeit im Homeoffice; solche Anfragen nahmen gegenüber 2019 um ein Fünftel zu. Erstmals rangierte der Begriff “Homeoffice” unter den Top-25-Suchbegriffen. Was die Stellenangebote betrifft, so führte jedoch weniger als jedes zehnte Inserat die Möglichkeit an, von zuhause aus arbeiten zu können.

Mobile Jobsuche verlagert sich vom Morgen auf den Abend

Am aktivsten waren die Jobsuchenden dieses Jahr – wie sonst auch – an Montagen. Wer am Desktop suchte, war montags um elf Uhr am aktivsten – auch hier gab es keine Änderung der Gewohnheiten. Nur bei der mobilen Suche wurden Unterschiede verzeichnet: Während die Zugriffszahlen per Handy in den letzten Jahren immer morgens um acht Uhr am höchsten waren, verlagerte sich dieser Zeitpunkt dieses Jahr auf 21 Uhr abends.

Ute Wolter ist freie Mitarbeiterin der Personalwirtschaft in Freiburg und verfasst regelmäßig News, Artikel und Interviews für die Webseite.