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Soziales Engagement von Arbeitgebern wird Mitarbeitern wichtiger


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Unternehmen, die sich gesellschaftlich engagieren, sind bei Mitarbeitern besser angesehen. Foto: © onephoto-stock.adobe.com

Bereits seit einigen Jahren legen Mitarbeiter laut verschiedenen Befragungen immer mehr Wert darauf, dass sich ihr Arbeitgeber durch verantwortliches unternehmerisches Handeln auszeichnet. Im Zuge der Corona-Krise hat die Bedeutung von Corporate Social Responsibilty (CSR) noch mehr zugenommen, wie eine aktuelle Studie zeigt.

Für diese hat > Qualtrics 500 Arbeitnehmer in Deutschland dazu befragt, wie sie die CSR-Aktivitäten ihres Arbeitgebers bewerten, darunter auch die Maßnahmen während der bisherigen Corona-Zeit. Die Antworten wurden mit einer Umfrage vom Februar 2020 verglichen, als die Krise hierzulande noch nicht begonnen hatte.

CSR ist inzwischen ein wichtiger Aspekt der Employee Experience

Die Ergebnisse zeigen, dass gesellschaftliche, soziale und ökonomische Verantwortung des Arbeitgebers für die Employee Experience der Mitarbeiter eine wichtige Rolle spielt. An erster Stelle der Kriterien für die Mitarbeitererfahrung steht die Verbesserung des Arbeitsumfelds; drei von zehn Befragten (29 Prozent) geben dies an.

Gleich darauf folgen klassische CSR-Themen: Für 18 Prozent sind sozial und ökologisch verantwortungsbewusste Investitionen des Unternehmens von Bedeutung. 16 Prozent legen Wert darauf, dass ihr Arbeitgeber das Ziel verfolgt, den CO2-Fußabdruck zu verringern. Weiterhin spielen für jeweils elf Prozent der Studienteilnehmer gemeinnützige Spenden und eine umweltfreundliche Unternehmenspolitik eine wichtige Rolle.

Erwartungen von Mitarbeitern an Unternehmen in Corona-Krise gestiegen

Immer mehr Mitarbeiter erwarten auch explizit von Unternehmen, dass sie sich sozial oder ökologisch engagieren: Vor einem Jahr war bereits mehr als die Hälfte der Befragten (56 Prozent) der Ansicht, dass ihr Arbeitgeber in CSR-Maßnahmen oder gemeinnützige Initiativen investieren sollte. Inzwischen ist dieser Anteil um acht Prozent auf fast zwei Drittel (64 Prozent) gestiegen. Interessant ist, dass Arbeitnehmer über 50 Jahre solche Erwartungen häufiger hegen als die jüngsten Arbeitsmarktgenerationen, denen derartige Forderungen oft zugesprochen werden. Bei den Älteren hat sich der Anteil derer, die sich gesellschaftliches Engagement ihrer Firma wünschen, sogar um 15 Prozent erhöht.

Corporate Social Responsibility stärkt die Bindung der Beschäftigten

Das gesellschaftliche Engagement der Unternehmen wirkt sich auch direkt auf das Mitarbeiterengagement aus. Fast sechs von zehn Befragten (57 Prozent) sagen heute, dass sie sich eher im Job einsetzen, wenn sich ihr Arbeitgeber an CSR-Aktionen oder gemeinnützigen Initiativen beteiligt. Im Februar des letzten Jahres waren es erst 46 Prozent. Unternehmen, die in Sachen CSR aktiv sind, tragen auch zur Mitarbeiterbindung bei. Mitarbeiter, die den gesellschaftlichen Beitrag ihres Arbeitgebers negativ beurteilen, haben doppelt so häufig die Absicht, ihrem Unternehmen innerhalb der nächsten zwei Jahre den Rücken zuzukehren.

Arbeitnehmer wollen in CSR-Maßnahmen eingebunden werden

Mitarbeiter wollen aber nicht nur, dass ihr Arbeitgeber seine Corporate Social Responsibility ernst nimmt, sie hätten auch gern ein Mitspracherecht und möchten ihren eigenen Beitrag leisten. Mehr als jedem Zweiten (54 Prozent) ist es wichtig oder sehr wichtig, dass der Arbeitgeber nach ihrer Meinung fragt. Das ist jedoch längst nicht immer gängige Praxis. Viele Führungskräfte verzichten darauf, ihre Belegschaft in CSR-Maßnahmen einzubeziehen. Lediglich ein Viertel der Umfrageteilnehmer (25 Prozent) konnte bestätigen, im letzten Jahr vor der Durchführung von CSR-Maßnahmen angesprochen worden zu sein. Hier lassen sich Unternehmen möglicherweise wichtige Chancen entgehen, die die Identifizierung der Belegschaft mit dem Arbeitgeber erhöhen: Ganze 84 Prozent der Mitarbeiter, die in CSR-Entscheidungen eingebunden wurden, waren stolz darauf, für diesen Arbeitgeber tätig zu sein. Bei den Beschäftigten, die nicht angesprochen wurden, lag der Anteil mit 47 Prozent deutlich niedriger. Darüber hinaus schätzte ein Drittel der Mitarbeiter, die nicht einbezogen wurden, die Effektivität der umgesetzten CSR-Maßnahmen niedriger ein.

2020 stand CSR vor allem in Zusammenhang mit Corona

Was die konkreten CSR-Maßnahmen in 2020 betrifft, so hatten diejenigen Aktivitäten höchste Priorität, die Mitarbeiter, Kunden und die Gemeinschaft vor Corona und den Folgen schützen sollten. Nach Aussage der Befragten riefen vier von zehn Unternehmen (39 Prozent) derartige Initiativen ins Leben. Jeder fünfte Arbeitgeber (20 Prozent) ermöglichte seiner Belegschaft finanzielle Sicherheit. 13 Prozent förderten die psychische Gesundheit der Arbeitnehmer, zehn Prozent stellten Gesichtsmasken und persönliche Schutzausrüstung her.70 Prozent der Mitarbeiter bewerteten diese Maßnahmen als effektiv, allerdings waren nur 60 Prozent mit der Auswahl dieser Maßnahmen durch den  Arbeitgeber persönlich zufrieden.

Insgesamt zeigen die Studienergebnisse, dass sich CSR-Maßnahmen positiv auf die Beziehung zwischen Mitarbeitern und Arbeitgebern und auf den Zusammenhalt im Unternehmen auswirken, vor allem in Zeiten wie diesen.

Ute Wolter ist freie Mitarbeiterin der Personalwirtschaft in Freiburg und verfasst regelmäßig News, Artikel und Interviews für die Webseite.