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Onboarding von Fachkräften optimierungsfähig

Ein jüngerer Mitarbeiter mit Broschüre und Kopfhörer im Büro, dreht sich zufrieden lächelnd um
Nicht jeder neue Mitarbeiter wird gut empfangen und erhält gleich zu Beginn alle wichtigen Informationen über seinen Job.
Foto (CCO): pexels.com

Nur jede zweite Fachkraft wird an ihrem ersten Arbeitstag bei einem neuen Unternehmen vom Vorgesetzten persönlich begrüßt. Jeder Sechste erlebt, dass noch nicht einmal das Team über den Arbeitsbeginn des neuen Kollegen informiert wurde. Mehr als ein Drittel der Fachkräfte hat es schon erfahren, dass am ersten Arbeitstag weder ein einsatzbereites Telefon noch ein eingerichteter Computer zur Verfügung standen. Das sind Ergebnisse der Studie “Onboarding im Fokus” von Stepstone. Dafür wurden rund 13 000 Fach- und Führungskräfte über ihre Erfahrungen beim Start im neuen Job befragt.

Jeder fünfte Jobanfänger bekommt keine wichtigen Informationen

Die Studie zeigt, dass Unternehmen ihre Bemühungen gegenüber neuen Mitarbeitern bereits ganz zu Beginn verstärken könnten: Weniger als die Hälfte (45 Prozent) der frisch rekrutierten Mitarbeiter bekommt die Chance, Fragen vorab mit dem zukünftigen Vorgesetzten zu klären. Mit der Personalabteilung können lediglich 41 Prozent Fragen klären. Nur gut Drittel der Befragten (35 Prozent) erhielt vorab Informationen zum Ablauf des ersten Tages. Jeder Dritte (33 Prozent) bekam Informationen zum Arbeitsplatz (etwa ein Infopaket zum Büro oder Infos über Angebote für Mitarbeiter und Sportprogramme). Lediglich 18 Prozent erhielten Informationen zum Ablauf der vorgesehenen Einführungsschulung. Ein Fünftel (21 Prozent) bekam gar keine nennenswerten Informationen.

Nur jeder Dritte erhält eine strukturierte fachliche Einarbeitung

Häufig ist eine neue Arbeitsstelle mit neuen Aufgaben und Verantwortlichkeiten verbunden. Fast jedem dritten neuen Mitarbeiter (31 Prozent) wird spätestens nach vier Wochen Verantwortung für eigene Projekte übertragen, so die Studienergebnisse. Eine Einführungsschulung, die bei der inhaltlichen Einarbeitung unterstützt, erhalten allerdings nicht mehr als 37 Prozent der Fachkräfte. Bei Young Professionals liegt der Anteil mit 41 Prozent etwas höher.

Um langfristig erfolgreich zu sein, müssen Unternehmen nicht nur schnell die richtigen Mitarbeiter finden, sondern diese auch schnell in die Lage versetzen, ihre Fähigkeiten im Sinne der Unternehmensziele einzubringen,

kommentiert Stepstone-Geschäftsführer Dr. Sebastian Dettmers die Studienergebnisse.

Trotz Mängeln im Onboarding beurteilen viele Fachkräfte die ersten zwei Wochen positiv

Auch wenn der Anfang im neuen Job nicht optimal verläuft, erleben Fachkräfte die ersten zwei Wochen bei neuen Arbeitgebern durchaus positiv: So hatten 84 Prozent der Young Professionals und 80 Prozent der berufserfahrenen Fachkräfte jederzeit die Möglichkeit, Fragen zu stellen. 83 Prozent der Berufsanfänger und 75 Prozent der erfahrenen Mitarbeiter erhielten Unterstützung von ihren Kollegen. 72 Prozent der ersten und 73 Prozent der zweiten Gruppe bekamen zu ihrer Position passende Aufgaben übertragen. Immerhin 62 Prozent der Young Professionals und 60 Prozent der berufserfahrenen Jobwechsler gaben sogar an, dass die Stelle genau ihren Erwartungen entsprach.

Viele Mitarbeiter wollen während der Probezeit Feedback, nur jeder zweite erhält es

Obwohl die ersten zwei Wochen im neuen Job überwiegend positiv bewertet werden, gab rund jede dritte Fachkraft an, schon einmal während der ersten zwölf Monate oder während der Probezeit eine Stelle aufgegeben zu haben. Die ersten Wochen als Phase des Kennenlernens seien entscheidend, so die Studienautoren. Ein möglicher Grund für das frühe Aufgeben sei eine Diskrepanz zwischen Stellenbeschreibung und erlebter Arbeitsrealität. Für rund ein Drittel der Befragten stimmten die vorher kommunizierten Aufgaben nicht mit dem tatsächlichen Stellenprofil überein. Als weitere potenzielle Ursache macht die Studie den mangelhaften Austausch zwischen Mitarbeitern und Vorgesetzten aus: Lediglich jeder zweite Befragte hatte während seiner Probezeit ein Feedbackgespräch; 70 Prozent der Studienteilnehmer halten so eine Rückmeldung jedoch für hilfreich.

Ute Wolter ist freie Mitarbeiterin der Personalwirtschaft in Freiburg und verfasst regelmäßig News, Artikel und Interviews für die Webseite.