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Pflegefachkräfte – gesucht, aber nicht umworben

Spielfiguren: ratkiser Pfleger in der Mitte, jeweils zwei pflegebedürftige Menschen rechts und links neben ihm
In Deutschland wird Pflegepersonal händeringend gesucht. Foto: © frittipix/StockAdobe

Wenn es einen Bereich gibt, in dem in Deutschland wirklich ein Fachkräfte- mangel herrscht, so ist es der Pflegebereich. Die Nachfrage nach Pflege- personal ist in den letzten Jahren immens ange- stiegen. In keiner anderen Berufsgruppe führt eine Bewerbung häufiger zu einem Vertragsangebot des Arbeitgebers.

Anfang dieses Jahres ist das Pflegepersonal-Stärkungsgesetz in Kraft getreten. 70 Millionen Euro der deutschen Krankenkassen sollen für die Gesundheitsförderung in Kliniken und Pflegeheime fließen. Ob diese Investition ausreicht, um den Pflegenotstand zu beheben, ist stark umstritten.

Nachfrage nach Pflegepersonal in fünf Jahren um 158 Prozent gestiegen

Derzeit wird keine Berufsgruppe so dringend gesucht wie Fachkräfte in der Pflege. In den vergangenen fünf Jahren ist die Nachfrage nach Pflegepersonal um 158 Prozent angewachsen. Besonders intensiv gesucht werden Mitarbeiter für die Gesundheits-, Kranken- und Altenpflege sowie leitendes Personal für die Pflegedienst- und Heimleitung. Das geht aus dem Fachkräfteatlas von > Stepstone hervor, für den die Online-Jobplattform Stellenanzeigen auf allen relevanten Print- und Online-Plattformen in Deutschland analysiert hat.

Bewerbermangel führt schnell zu Vertragsangeboten

Wie dringend Arbeitgeber aus der Pflegebranche qualifizierte Fachkräfte benötigen, zeigt auch die durchschnittliche Einstellungsquote. Gemessen an der Anzahl der Bewerbungen erhalten Alten- und Krankenpfleger mit Abstand die meisten Vertragsangebote: Bei 16 Prozent der Bewerbungen wurde den Kandidaten ein Arbeitsvertrag angeboten. Zum Vergleich: Bei Marketing-Experten führen lediglich zwei Prozent der Bewerbungen zu einem Vertragsangebot. Das zeigt eine Befragung von Stepstone unter 100 000 Bewerbern, die zwischen Juli 2016 und Oktober 2018 durchgeführt wurde.

Die überdurchschnittlich hohe Nachfrage führt laut Studie dazu, dass Pflegefachkräfte bei der Auswahl ihres Jobs wählerisch sind. So haben sich bereits 59 Prozent aller Fachkräfte im Gesundheitswesen schon einmal gegen eine Bewerbung entschieden, weil sie die Kommunikation des Arbeitgebers nicht als glaubhaft empfunden hatten.

Trotz des Pflegenotstands werden gesuchte Fachkräfte schlecht bezahlt

Dass bisweilen Bewerber fehlen oder auf eine angebotene Stelle verzichten, liegt auch an der vergleichsweise schlechten Bezahlung von Pflegekräften. In den meisten Berufsgruppen bringt ein eklatanter Mangel an Fachkräften zumeist auch höhere Durchschnittsgehälter mit sich – nicht so in dieser Branche; Pflegefachkräfte profitieren in dieser Hinsicht bisher kaum vom Nachfrageboom. Laut dem Stepstone Gehaltsreport 2019 liegt das Bruttogehalt einer Pflegekraft in Vollzeit bei durchschnittlich 39 196 Euro im Jahr – das sind knapp 19 000 Euro weniger als das Durchschnittsgehalt aller Fach- und Führungskräfte.

Mit einem attraktiven Gehalt können Krankenhäuser und soziale Einrichtungen qualifizierte Pflegekräfte in der Regel nicht locken. Umso wichtiger ist es daher, ihnen andere Vorteile wie flexible Arbeitszeiten oder familienfreundliches Arbeiten aufzuzeigen,

sagt Stepstone-Geschäftsführer Dr. Sebastian Dettmers. Besonders Arbeitgeber aus dieser Branche müssten bereits in der Stellenausschreibung aufzeigen, welche Vorteile sie Mitarbeiter bieten, so Dettmers.

Ute Wolter ist freie Mitarbeiterin der Personalwirtschaft in Freiburg und verfasst regelmäßig News, Artikel und Interviews für die Webseite.