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Quereinsteiger helfen Denkmuster aufzubrechen

Portrait: Christine Gramshammer
Christine Gramshammer; Foto: Deutsche Bahn

Lokführer, Elektrotechniker und Servicefachkräfte gibt es nicht wie Sand am Meer. Die Deutsche Bahn mit deutschlandweit rund 200 000 Mitarbeitern ist in diesen Berufen seit langem für Quereinsteiger offen – insgesamt liegt deren Anteil an der Belegschaft mittlerweile im deutlich zweistelligen Prozentbereich. Gemeinsam mit den DB-Geschäftsfeldern wurden interne, zielgruppenspezifische Ausbildungen konzipiert. Die in der Regel neunmonatige Funktionsausbildung des Lokführers beinhaltet etwa neben Eisenbahntheorie unter anderem Simulatorfahren, Fahrten mit einem Lehrlokführer und eine Abschlussprüfung. Auch Entwicklungsperspektiven werden eröffnet: So kann zum Beispiel der Zugbegleiter nach erfolgreichem Quereinstieg Erste-Klasse-Steward, Restaurantleiter oder sogar Zugchef werden.

Persönlichkeit in den Mittelpunkt stellen

Bei der Rekrutierung geht das Verkehrsunternehmen bewusst nicht den Weg des Standard-Auswahlverfahrens mit Matching-Tools, die vorwiegend fachliche Kriterien berücksichtigen. “Wenn wir Menschen gewinnen wollen, die über den Tellerrand schauen und sich bewusst etwas Neues zutrauen, dann müssen wir sie neben unserer Karriereseite und den einschlägigen Jobbörsen dort ansprechen, wo sich die Zielgruppe gerade befindet: in ihrer gewohnten Umgebung, am richtigen Punkt der jeweiligen Karriere- und Lebensplanung, mit den geeigneten Kommunikations-Kanälen und der richtigen Tonlage”, sagt Christine Gramshammer, die die Personalgewinnung der DB in Bayern leitet.

Wichtig hierbei: Die fachlichen Voraussetzungen nicht zu hoch zu schrauben, sondern die Persönlichkeit in den Mittelpunkt zu stellen. So sollte der Lokführer zwar möglichst im Vorfeld eine technische Ausbildung, zum Beispiel als Elektriker oder Mechatroniker, absolviert haben. Mindestens genauso wichtig sei jedoch ein ausgeprägtes Verantwortungs- und Sicherheitsbewusstsein. Auch der Erste-Klasse-Steward im Fernverkehr muss nicht zwingend aus der Hotellerie kommen. Gramshammer: “Es kann auch ein Bäcker sein, der serviceorientiert ist und gerne mit Menschen interagiert.” Auch Handwerker, Studienabbrecher oder Akademiker, die etwas Bodenständiges machen wollen, haben grundsätzlich gute Chancen für einen Quereinstieg.

Nicht nur auf den Output von Stellenanzeigen hoffen

Im Personalmarketing allein auf die Stellenanzeige zu setzen, ist schon lange nicht mehr ausreichend. “Wir spielen die komplette Personalmarketing-Klaviatur, sprechen die Zielgruppe über regionale Zeitungen und digitale Medien individualisiert an und versuchen, schnell in den persönlichen Austausch zu kommen.” Der ICE wird zum Beispiel für Bewerbungsinterviews genutzt; potenzielle Zugbegleiter können auf diese Weise ihr Bewerbungsgespräch in der zukünftigen Arbeitsumgebung führen. So wird das Interview zum spannenden Erlebnis und der Funke für den Beruf und das Unternehmen kann während der Bewerbungsphase leichter überspringen.

Um neue Bewerbergruppen anzusprechen, setzt die Bahn auch auf ihre eigenen Mitarbeiter als Testimonials: Sowohl Azubis als auch Quereinsteiger berichten im Rahmen von Recruiting-Aktionstagen an unterschiedlichen Orten über ihren Beruf. Gramshammer hat die Erfahrung gemacht: “Als Botschafter können sie einen authentischen Einblick in ihr Berufsfeld geben.” Auch über soziale Medien im digitalen Bereich und analog über Vereine und Events lassen sich für den Quereinstieg geeignete Bewerbergruppen über themenspezifische Inhalte ansprechen. Auf diese Weise bekommt man etwa Zugang zu technik-affinen Menschen, die zu speziellen Events ins Unternehmen eingeladen werden können. “Wir haben zum Beispiel Kontakt zu lokalen Motorrad-Clubs geknüpft und zu einem Themenabend mit Führungskräften eingeladen, die ebenfalls Motorrad-Fans sind. Über diesen Weg haben wir bereits neue Mitarbeiter gewonnen.”

Für HR bedeutet das: Es braucht Mut und den Willen, auch Branchenfremde ins Unternehmen zu holen und dadurch einen Kulturwandel einzuleiten. Doch es lohnt sich, so Gramshammer: “Quereinsteiger mit ihrer hohen Lernbereitschaft und Flexibilität sind unglaublich befruchtend und tragen dazu bei, alte Denkmuster aufzubrechen und den Wandel mitzugestalten. Dass wir sie verstärkt in den Konzern holen, ist heute Regelbetrieb.”

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