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Demografiegerechte Personalarbeit: Fortschritte, doch Optimierungspotenzial

Eine Schultafel, auf der mit farbiger Kreide geschrieben wurde, im Zentrum
Laut einer aktuellen Studie tun die Unternehmen hierzulande personalpolitisch nicht genug, um die Folgen der demografischen Entwicklung auszugleichen.
Foto: © DOC RABE Media/Fotolia.de

Gegenüber 2015 ziehen die Unternehmen hierzulande mehr Konsequenzen aus der demografischen Entwicklung, allerdings gibt es noch Nachholbedarf. So plant lediglich ein gutes Viertel (28 Prozent) der Firmen den Personalbedarf fünf Jahre oder länger im Voraus. Und nur jeder fünfte Arbeitgeber (19 Prozent) verfügt über ein zielgruppenspezifisches Personalmarketing, zum Beispiel für ältere, weibliche oder ausländische Mitarbeiter. Große Unternehmen sind besser auf den demografischen Wandel vorbereitet als kleine, obwohl letztere bereits intensiver von den Folgen betroffen sind. Das geht aus dem Trendbarometer 2018 der Initiative Demografie Exzellenz e.V. in Kooperation mit der Dualen Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) Lörrach hervor. Dafür wurden 128 deutsche Unternehmen zum Einsatz von demografieorientierten Personalinstrumenten befragt. Die Studienautoren gehen davon aus, dass es zu einer Schrumpfung, Veralterung und Heterogenisierung der Bevölkerung kommt: Die Belegschaften in den Unternehmen würden weniger und dabei älter, bunter und weiblicher, wobei das aktuelle zuwanderungsbedingte Bevölkerungswachstum den Schrumpfungstrend nicht umkehren könne (eine These, die von einigen Kritikern nicht geteilt wird, zumal die Geburtenrate seit fünf Jahren kontinuierlich steigt, vor allem, aber nicht nur wegen der Migration).

Mitarbeiterbindung gewinnt an Bedeutung

Laut Studie erkennen die Unternehmen, dass die Bindung von Mitarbeitern eine wichtige Maßnahme ist, um den demografischen Wandel zu meistern: Mehr als die Hälfte der befragten Firmen betreibt eine lebensphasenorientierte Personalarbeit, um auf die Bedürfnisse der Mitarbeiter in besonderen Lebenssituationen eingehen zu können. 43 Prozent haben ein langfristig ausgerichtetes Mitarbeiterbindungskonzept etabliert.

Noch Nachholbedarf bei der Personalentwicklung

Auch betreiben aktuell mehr Unternehmen ein systematisches Talentmanagement als noch vor drei Jahren: Derzeit ist hier jeder dritte Arbeitgeber aktiv, während es vor drei Jahren erst elf Prozent waren. Knapp die Hälfte der befragten Firmen ermittelt den Qualifikationsbedarf ihrer Mitarbeiter und kennt deren zukünftig benötigte Kompetenzen. Ein ausgearbeitetes Kompetenzmodell als Basis für eine zielgerichtete, strategieintegrierte Personalentwicklung ist allerdings lediglich bei 36 Prozent der Unternehmen vorhanden. Im Vergleich zu 2015 ist das Engagement im Bereich Personalentwicklung sogar zurückgegangen. Auch verfügen lediglich 28 Prozent der Firmen über ein gut funktionierendes Wissensmanagement. In diesem Sinne arbeiten immerhin 61,5 Prozent der Unternehmen mit externen Institutionen zum Demografiemanagement zusammen. Am häufigsten kontaktieren sie Krankenkassen (31 Prozent), Unternehmensberatungen (20 Prozent) und Hochschulen (15 Prozent).

Fortschritte im BGM, doch oft ohne Strategie

Ergonomische Arbeitsbedingungen und Gesundheitsmanagement werden für Arbeitgeber ebenfalls wichtiger. 68 Prozent der befragten Unternehmen gestalten die Bedingungen an den Arbeitsplätzen nach ergonomischen Gesichtspunkten und 46 Prozent berücksichtigen bei der Arbeitsplatzgestaltung die Verschiedenartigkeit der Belegschaft, etwa in Bezug auf Alter, Behinderung und Geschlecht. Inzwischen engagiert sich jede zweite Firma (51 Prozent) in Sachen Gesundheitsförderung, auch wenn es laut Studie oft an einer konkreten BGM-Strategie fehlt: So bieten viele Unternehmen zwar Vorsorgeuntersuchungen, Gesundheitsüberprüfungen und verhaltenspräventive Maßnahmen an, doch nur etwa ein Drittel (36 Prozent) definiert dabei klare Ziele.

Ich sehe vor allem in der Zusammenarbeit im Demografiemanagement, beispielsweise mit Krankenkassen, ein großes Potenzial, um das Feld weiter zu professionalisieren,

sagt Professor Peter Billen, DHBW Lörrach und Mitverfasser der Studie.

Flexible Arbeitszeitmodelle bei zwei Drittel der Firmen etabliert

Um der vermeintlich vor allem von den Generationen Y und Z geforderten Work-Life-Balance nachzukommen, bieten rund zwei Drittel (64 Prozent) der Studienteilnehmer bereits flexible Arbeitszeitmodelle an; 2015 war es erst die Hälfte. Auch für die anderen Unternehmen gewinnt das Thema an Bedeutung, um die Arbeitgeberattraktivität zu sichern.

Die vollständigen Studienergebnisse stehen > hier zum Download bereit.

Ute Wolter ist freie Mitarbeiterin der Personalwirtschaft in Freiburg und verfasst regelmäßig News, Artikel und Interviews für die Webseite.

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