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Eignet sich die Dating-App Bumble als Recruiting-Tool?

Wie können Recruiterinnen und Recruiter ohne großes Budget die junge Zielgruppe erreichen? Diese Frage war der Auslöser dafür, dass Recruiting- und Employer-Branding-Expertin Johanna Geisler sich den Business-Bereich der als Dating-App bekannten Plattform Bumble genauer angeschaut hat. Nach einer vierwöchigen Test-Phase steht für die Senior Manager Talent Acquisition & International Employer Branding bei der Digitalagentur Macaw fest: Als Haupt-Recruiting-Tool taugt Bumble Bizz nicht, aber zum Netzwerken und fürs Employer Branding bietet es einen Mehrwert.

Denn Bumble biete sich vor allem als erster Kontaktpunkt mit Talenten an. An sich gilt bei der App – wie auch bei jedem anderen Active-Sourcing-Hilfsmittel, das auf einem Personenprofil basiert: Recruiterinnen und Recruiter dürfen kein Problem damit haben, zunächst als eigenständige Person, die für ein Unternehmen tätig ist, sichtbar zu werden. Trotzdem sollte laut Geisler natürlich die berufliche Rolle im Vordergrund stehen. Danach gelte es auch sein Profil zu erstellen; berufliche Rolle und Intention sollten klar genannt werden. Und Geisler hält noch ein paar weitere Tipps bereit: „Das Profil sollte kurz und prägnant das Wichtigste wiedergeben und nicht länger als eine Handyseite sein. Die Leute haben keine Zeit zum Lesen.“ Essenziell sei es auch, ganz oben im Profil direkt einen Call-to-Action einzubauen – etwa in Form von Kontaktdaten wie einer Handynummer und dem Verweis, einen auf Linkedin anzuschreiben.

Bei Geisler sah das wie folgt aus:

Das Bumble-Profil von Johanna Geisler. (Foto: Johanne Geisler/Bumble)

Wie üblich bei Dating-Apps ging es für die Recruiting-Expertin dann ans Swipen. In Bumble Bizz werden einem basierend auf einem Algorithmus andere berufliche Profile von Menschen vorgeschlagen. Swipt man nach rechts, gibt man an, sich mit dieser Person vernetzen zu möchten, wischt der Finger nach links kommuniziert man, nicht an einem Austausch interessiert zu sein. Geisler hat sich in ihrer vierwöchigen Testphase eigenen Aussagen nach circa 30 Minuten pro Tag Zeit genommen, um vorgeschlagene Profile in Augenschein zu nehmen. Diese Zeit müssten Recruiter und Recruiterinnen auf jeden Fall investieren. Denn wer nicht jeden Tag für mindestens ein paar Minuten online ist, werde vom Algorithmus bestraft – wodurch das eigene Profil nicht so häufig bei anderen Nutzerinnen und Nutzern auf dem Handybildschirm erscheint.

Marketing-, Finance- und IT-Fachkräfte sind Hauptnutzer

Beim Swipen treffe man bei Bumble Bizz nicht nur auf die sehr jungen Talente, sondern auch auf erfahrenere Fachkräfte. Wie viele Menschen derzeit Bumble Bizz verwenden, ist unklar. Der Anbieter selbst wollte auf eine entsprechende Anfrage der Personalwirtschaft nicht antworten. Geisler selbst seien verstärkt Profile von Menschen aus dem Marketing, der Krypto-Szene, IT-Fachkräfte, Freelancer und HRler angezeigt worden. Geisler hatte 83 Matches und ist mit 12 von ihnen in den Austausch gegangen. Zum Chatten sei es allerdings nur gekommen, wenn sie selbst den ersten Schritt machte. „Ich musste proaktiv sein und habe oftmals auch direkt eine Sprachnachricht geschickt, statt etwas zu schreiben“, sagt Geisler. „Das ist persönlicher und erzielt eine höhere Antwortquote.“ Die restlichen Matches hätten sich nicht zurückgemeldet oder das Match aufgelöst.

In einen Austausch sei sie vor allem mit anderen Recuiterinnen, aber auch potenziellen Werkstudenten für den Social-Media-Bereich sowie einem deutschsprachigen Developer gekommen. Eingestellt hat sie keinen von ihnen. „Das lag aber daran, dass wir die Werkstudenten-Stellen anderweitig besetzt haben und unser Profil für den Developer sehr spezifisch ist“, sagt Geisler. Sie habe aber von anderen Recruiterinnen und Recruitern gehört, dass sie sich derzeit in Bewerbungsprozessen mit Menschen befinden, die sie über Bumble kennengelernt haben.

Netzwerken, netzwerken, netzwerken

Obwohl Geisler kein Talent für Macaw gewann, konnte sie ihr Netzwerk erweitern und ihrem Arbeitgeber gleichzeitig mehr Sichtbarkeit verleihen. „Mir ging es vor allem auch darum, Beziehungsmanagement zu betreiben und einen Austausch mit der Zielgruppe zu ermöglichen“, sagt die Recruiting-Expertin. „Ich wollte mich mit der Generation noch mehr auseinandersetzen und ein Sprachrohr zu ihnen sein.“ In den Chats habe sie deshalb auch immer wieder gefragt, was ihrem virtuellen Gegenüber wichtig ist und welche Fragen sie oder er an den zukünftigen Arbeitgeber hat. Bei der Kommunikation sei es wichtig, eine entspannte Atmosphäre zu generieren und dem Nutzer oder der Nutzerin das Gefühl zu geben, wir sind als Unternehmen da, wo du bist und interessieren uns für dich und sehen uns auf Augenhöhe zu dir.

Diese Art der Beziehungspflege braucht Zeit. Wer die als Personalerin oder Personaler nicht habe, könne aber auch eine Werkstudentin oder einen Werkstudenten für die Aufgabe einsetzen. Recruiting via Bumble erfordert laut Geisler auch, Methoden aus dem klassischen Recruiting bewusst hinter sich zu lassen und sich in neue Gewässer zu begeben. „Nur weil Bumble als Dating-App bekannt ist, kann die Suche nach Bewerbenden dort professionell sein“, sagt sie. Angst davor haben, dass man als Bumble-User von Menschen nach Dates gefragt wird, müsse man nicht haben. Geisler hat keine solchen Nachrichten erhalten.

Auf sich aufmerksam machen

Trotz der positiven Erfahrungen sieht die Recruiting-Expertin Bumble Bizz nicht als das neue Nummer-Eins-Tool, um Talente zu gewinnen. „Bumble ist meiner Meinung nach eher als Awareness-Kampagne zu sehen, um auf andere Plattformen wie Linkedin zu verweisen“, sagt Geisler. Im Optimalfall würden User, die in der App unterwegs sind, überrascht davon sein, dass ein Arbeitgeber auf Bumble ist und sich so das Unternehmen als „hippe“ Organisation merken. Geisler selbst möchte deshalb die App als Employer-Branding-Tool weiterverwenden.

Info

Ist Redakteurin der Personalwirtschaft. Ihre inhaltlichen Schwerpunkte sind die Themen Diversity, Gleichberechtigung und Work-Life-Balance.