Aktuelle Ausgabe

Newsletter

Abonnieren

Fachkräftemangel so groß wie nie, Arbeitslosenquote sinkt auf Rekordtief

Knapp die Hälfte aller Unternehmen in Deutschland hatte im Juli dieses Jahres Probleme damit, Fachkräfte zu finden. Das geht aus der aktuellen Konjunkturumfrage des ifo Instituts hervor. Demnach waren so viele Unternehmen wie noch nie seit dem Start der Erhebung im Jahr 2009 vom Fachkräftemangel beeinträchtigt.

Gleichzeitig sinkt die Zahl der Arbeitslosen, und damit die Zahl der Menschen, die zu Fachkräften weitergebildet werden könnten, weiterhin stark. Laut des Statistikamts Eurostat liegt die Arbeitslosenquote in der Eurozone derzeit bei 6,6 Prozent. Auch sie erreicht in diesem Jahr einen Rekordstand. Seit der Einführung des Euros 1999 war sie noch nie so niedrig. Allein von 2021 auf 2022 sank sie um 1,3 Prozent. In Deutschland ist der Anteil der Arbeitslosen an der Bevölkerung noch geringer als in den meisten anderen Ländern der Eurozone. Denn die Arbeitslosenquote liegt in der Bundesrepublik laut Berechnungen von Eurostat bei nur 2,8 Prozent. Um die Lücke an Fachkräften zu schließen, müsste also eher auf Menschen zugegriffen werden, die nicht offiziell arbeitslos gemeldet sind, sowie auf ausländische Arbeitskräfte. Oder Unternehmen müssten strukturell etwas im Arbeitsalltag der Mitarbeitenden ändern – wie etwa verlängerte Arbeitszeiten.

Dienstleistungsbranche besonders betroffen

Der nur noch recht geringe Pool an Arbeitslosen wird vor allem die Dienstleistungsbranche beunruhigen, denn sie ist der Wirtschaftssektor, in dem der Fachkräftemangel laut des ifo Instituts momentan am stärksten ausgeprägt ist. Besonders schwer haben es derzeit Beherbergungsbetriebe und die Veranstaltungsbranche, neue Mitarbeitende zu finden. Jeweils 64 Prozent von ihnen geben an, vom Fachkräftemangel beeinträchtigt zu sein. Demgegenüber steht das verarbeitende Gewerbe, in dem rund 45 Prozent der Unternehmen Probleme haben, Fachkräfte zu finden. Im Einzelhandel sind etwa 42 Prozent der Arbeitgeber vom Fachkräftemangel betroffen.

Das hat sowohl negative Folgen für die jeweiligen Organisationen als auch für die Wirtschaft an sich. „Immer mehr Unternehmen müssen ihre Geschäfte einschränken, weil sie einfach nicht genug Personal finden“, sagt Stefan Sauer, Arbeitsmarktexperte am ifo Institut. Für die Zukunft sieht er keine Besserung in Sicht – im Gegenteil: „Mittel- und langfristig dürfte dieses Problem noch schwerwiegender werden.“

Ist Redakteurin der Personalwirtschaft. Ihre inhaltlichen Schwerpunkte sind die Themen Diversity, Gleichberechtigung und Work-Life-Balance.