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Familienunternehmen werden als Arbeitgeber beliebter

Familienunternehmen
Familienunternehmen könnten Ihr Image als Arbeitgeber vor allem bei der jüngeren Generation noch etwas aufpolieren.
Foto: © potstock-stock.adobe.com

Insgesamt genießen Familienunternehmen hierzulande ein gutes Image. Sie könnten allerdings mehr für ihre Qualitäten werben, vor allem, um potenzielle jüngere Kandidaten anzusprechen, so das Fazit der Studie “Das Image deutscher Familienunternehmen 2021” der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC Deutschland, für die 1.000 Bürger befragt wurden.

Familienbetriebe punkten vor allem mit traditionellen Werten

In Deutschland sind 90 Prozent aller Arbeitgeber Familienunternehmen. Sie stellen laut Stiftung Familienunternehmen knapp 60 Prozent der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnisse. Familienbetriebe haben insgesamt einen guten Ruf. 80 Prozent der Befragten halten sie für das Rückgrat der deutschen Wirtschaft – von den 18- bis 29-Jährigen geben dies nur 61 Prozent an. Altersübergreifend denken 71 Prozent, dass Familienunternehmen der Innovationsmotor der deutschen Wirtschaft sind. Auch hier sind die Jungen mit einem Anteil von 54 Prozent skeptischer. Insgesamt bringen die Bundesbürger Familienunternehmen vor allem mit traditionell-konservativen Werten in Verbindung, etwa regionale Verwurzelung und Wertschätzung. Beim Thema Werteorientierung, Fairness und Engagement erzielen Betriebe in Familienhand gute Werte, bei Nachhaltigkeitsthemen nehmen sie sogar den ersten Platz ein und in Sachen Thema Umweltschutz liegen sie gleichauf mit Nichtregierungsorganisationen. Wenn es um die Digitalisierung und Technologie geht, sind nur acht Prozent der Studienteilnehmer der Meinung, die Familienbetriebe seien gut aufgestellt, während dies 40 Prozent den Konzernen zuschreiben.

Konzerne bieten bessere Gehälter und Karrierechancen

Was die konkreten Qualitäten von Unternehmen als Arbeitgeber geht, sehen die Befragten Konzerne zum Teil deutlich im Vorteil. So finden 46 Prozent, dass diese gute Gehälter versprechen, während dies nur zehn Prozent bei Familienbetrieben so sehen. Bei Karrieremöglichkeiten sieht die Relation mit 47 versus zehn Prozent fast identisch aus (zum Vergleich: Start-ups erzielten 13 Prozent, die Öffentliche Hand sieben Prozent). Ähnlich sieht es bei Weiterbildungsmöglichkeiten aus. Internationale Karriere- oder Einsatzchancen sind nach Ansicht von 54 Prozent der Teilnehmer in Konzernen gegeben und nur sieben Prozent erwarten diese von Familienunternehmen.

Familienbetriebe als Arbeitgeber dennoch deutlich beliebter

Dennoch sind Familienunternehmen als Arbeitgeber bei 89 Prozent der Befragten beliebt. 30 Prozent geben an, dass sie einen solchen Betrieb wählen würden – nur die öffentliche Hand liegt mit 31 Prozent ganz knapp davor. Start-ups erzielen 14 und Konzerne nur 13 Prozent. In der Gruppe der 18- bis 29-Jährigen liegen Familienunternehmen (29 Prozent) noch vor der öffentlichen Hand (27 Prozent). Im Vergleich zu 2019 konnten Familienunternehmen zwei Prozent dazugewinnen, während Konzerne fünf Prozent verloren haben.

In diesem Ergebnis spiegeln sich offenbar die Verunsicherung und die schnellen Veränderungen in unserer Welt wider,

kommentiert Uwe Rittmann, Leiter Familienunternehmen und Mittelstand und Mitglied der Geschäftsführung bei PwC Deutschland, das Ergebnis. In einem volatilen Umfeld setzten die Arbeitnehmer auf Sicherheit und langfristige Planung, wie sie Familienunternehmen und öffentliche Hand bieten, so Rittmann.

Attribute der modernen Arbeitswelt wenig relevant für Kandidaten

Dazu passt, dass Schlagwörter der neuen Arbeitswelt wie Agilität oder Digitalisierung und Innovation, die besonders stark mit Konzernen in Verbindung gebracht werden, für die meisten Befragten nur eine geringe Priorität haben. Digitalisierung und Technologie zum Beispiel ist nur für insgesamt 13 Prozent von hoher Bedeutung. Bei den 18- bis 29-Jährigen ist der Anteil zwar deutlich höher, beträgt aber auch nur knapp ein Viertel (23 Prozent).

Die Studie empfiehlt, dass Familienunternehmen ihr Eigenmarketing deutlich verbessern sollten, um ihre Stärken herauszustellen, insbesondere für die jüngste Arbeitsmarktgeneration. Schließlich bräuchten die Betriebe die Digital Natives, “damit ihnen die permanente Transformation bei den Themen Digitalisierung und Nachhaltigkeit gelingt”, so Rittmann. Familienbetriebe sollten zeigen, dass sie mit Konzernen durch gute Gehälter, Karriere- und Weiterbildungsmöglichkeiten mithalten können.

Die vollständige Studie steht > hier zum Download zur Verfügung.

Ute Wolter ist freie Mitarbeiterin der Personalwirtschaft in Freiburg und verfasst regelmäßig News, Artikel und Interviews für die Webseite.