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Frauen im Management – Lücke zwischen Anspruch und Realität

Im Topmanagement ist zwischen 2011 und 2015 wenig in Bewegung, was den Frauenanteil betrifft: 2015 wurden 11,5 Prozent der Topmanagementpositionen in deutschen Unternehmen von Frauen besetzt. Damit stieg ihr Anteil von 10,8 Prozent im Jahr 2011 bis heute nur um 0,7 Prozent. Im mittleren Management nahm die Anzahl von Frauen von 28,6 Prozent im Jahr 2011 auf 30,3 Prozent in 2014 zu. In diesem Jahr wurde keine Zunahme verzeichnet. Das sind Ergebnisse der aktuellen Studie “Frauen im Management (FIM 2015)” von Bisnode Deutschland in Kooperation mit dem “Kompetenzzentrum Frauen im Management” (Kompetenz-FiM) der Hochschule Osnabrück.

In großen Unternehmen haben Frauen weniger Chancen im Topmanagement

Der Anteil von Frauen im Topmanagement variiert erheblich nach Unternehmensgröße. Zu Beginn dieses Jahres lag ihr Anteil in den kleinen Unternehmen bei 12,7 Prozent, in den mittleren bei 10,6  und bei den großen Unternehmen bei rund 6,9 Prozent. Dabei blieb der Abstand zwischen den großen und mittleren Unternehmen von 2006 bis 2015 konstant. Der Abstand zu den kleinen Unternehmen verringerte sich um 0,9 Prozent. Kleine und mittlere Unternehmen bieten Frauen also höhere Chancen, das Top- oder Mittelmanagement zu erreichen. In großen Unternehmen scheinen Strukturen mit vielfältigen Hierarchiestufen den Weg von Frauen an die Spitze schwieriger zu gestalten, so die Studie.

Potenzial an weiblichem Nachwuchs ist da, es fehlt an Förderung

Die Studie geht nicht konform mit den Aussagen von Unternehmensvorständen und Beratern, die sagen, es gebe kein ausreichendes Potenzial, um Vorstandssitze mit Frauen zu besetzen und höhere Anteile von Frauen bräuchten noch viel Zeit. Stattdessen verweisen die Autoren auf die formalen Qualifikationen der vorhandenen Vorstände und kommt zu dem Schluss, dass es seit Jahren ein ausreichendes Potenzial an Frauen für Führungsaufgaben der ersten und auch zweiten Ebene gebe. Auch was die Hard und Soft Skills sowie die Internationalität betreffe, gebe es keine konkreten Hinweise darauf, dass Frauen diese Qualifikationen nicht erfüllen könnten. Vielmehr erfolge keine ausreichend wirksame firmen- und brancheninterne Förderung des weiblichen Nachwuchses. Außerdem führt die Studie an, dass Frauen in inhabergeführten Unternehmen noch geringere Chancen haben als in Firmen ohne Inhabereinfluss.

Ausländische Vorstandsmitglieder eher integrierbar als Frauen?

Zwar haben im Rahmen einer anderen Untersuchung zu den Prioritäten der Diversity-Dimensionen 19 antwortende Firmen geantwortet, der Faktor Dimension Geschlecht/Gender stehe in ihren Unternehmen an erster Stelle. Doch in der Praxis kommen sie einem anderen Diversity-Aspekt eher nach: Der Anteil ausländischer Vorstandsmitglieder im DAX betrug im Jahr 2013 28,5 Prozent. “Es scheint somit eher möglich, Vorstandsmitglieder aus anderen Ländern und Herkunftskulturen in Vorstände zu integrieren als weibliche Vorstandsmitglieder”, so die aktuelle Studie.

Karriereorientierung weiblicher Mitarbeiter stärken und Machtstrategien schulen

Die wesentlichen Elemente, die für eine stärkere Karriereorientierung von Frauen sorgen, sind laut Studie eine gezielte Karriereförderung für Frauen, eine gezielte Förderung des Familienengagements für männliche Mitarbeiter, eine Entwicklung von Karrieren in vollzeitnaher Teilzeit für beide Geschlechter sowie die Würdigung und Vernetzung von Familienaufgaben und beruflichem Engagement in den möglichen Karrierewegen für beide Geschlechter.

Dabei haben große Unternehmen nach Ansicht der Forschenden wesentlich mehr Möglichkeiten dazu, Maßnahmen anzubieten und umzusetzen, die den Pool des weiblichen Nachwuchses erhöhen. Sie könnten Frauen, die für Führungsaufgaben vorgesehen sind, etwa schulen, was Taktiken und strategische Vorgehensweisen betreffe, sich eine Machtposition aufzubauen und zu erhalten. In mittelständischen Unternehmen könne zum Beispiel ein Mentoring sinnvoll sein.

Die Studie “Frauen im Management (FIM 2015)” beschreibt die Entwicklung des Anteils der Frauen und Männer im oberen und mittleren Management von etwa 225.000 Unternehmen in Deutschland mit rund 736.000 Managern, davon 42.100 Frauen im Topmanagement und rund 112.600 Frauen im Mittelmanagement. Außerdem zeigt die Untersuchung weitere Handlungsansätze auf.

Weitere Informationen über die Studie gibt es hier als Download.