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Gesetzlicher Handlungsbedarf unbegründet

Nicht einmal 2,5 Prozent der Unternehmen in der verarbeitenden Industrie nutzten einen Werkvertrag für eine Leistung, die im Betrieb des Auftraggebers erbracht wurde, zum Kernbereich seines Wertschöpfungsprozesses gezählt wurde, auf Dauer angelegt war und von Beschäftigten des Auftragnehmers ausgeübt wurde. Gerade diese Form der Werkvertragsnutzung wird aber als Instrument betrachtet, mit dem Unternehmen tarifvertragliche oder rechtliche Standards umgehen könnten. Eine Studie im Auftrag der Hans-Böckler-Stiftung kam auf Basis einer Befragung unter mehreren hundert Unternehmen im Verarbeitenden Gewerbe zu dem Ergebnis, dass nur jedes zwölfte Unternehmen auf Werkverträge zurückgreift.  

Deutschland ist EU-weit im hinteren Feld

Auch die Zahlen des European Company Survey aus dem Jahr 2013 lassen Zweifel aufkommen, ob ein zusätzlicher Regulierungsbedarf in Sachen Werkverträge besteht. Die repräsentative Erhebung ergab: Deutsche Unternehmen lagern Kernfunktionen (Teile oder komplett) seltener aus als Unternehmen in den anderen Mitgliedstaaten der Europäischen Union. Bei der Entwicklung neuer Produkte und Dienstleistungen vertrauen lediglich 13,4 Prozent der hiesigen Betriebe auf die Expertise anderer Betriebe.
Bei der eigentlichen Leistungserstellung, also der Fertigung von Erzeugnissen oder der Bereitstellung von Dienstleistungen, sind es hierzulande 22,1 Prozent, in der Europäischen Union knapp 30 Prozent der Betriebe. Aufgaben im Bereich Vertrieb und Marketing, zu dem letztlich auch die Logistik gehört, sind nur in jedem achten Betrieb ausgelagert, im EU-28-Durchschnitt sind es gut 23 Prozent.

Daher, so argumentiert das › IW Köln, existiere auch im internationalen Vergleich kein Anhaltspunkt dafür, dass Unternehmen am Standort Deutschland Outsourcing beziehungsweise Werkverträge in einem Umfang nutzen, der Anlass für weitreichende Regulierungsvorschriften durch den Gesetzgeber gäbe. Der Gesetzgeber habe bis heute keinen Beweis vorgelegt, dass ein vermeintlich flächendeckender oder zumindest weit verbreiteter Missbrauch von Werkverträgen vorliegt.