Aktuelle Ausgabe

Newsletter

Abonnieren

Einfach mal um die Ecke denken, etwas wagen – und der Erfolg kommt

Redner auf einer Bühe der Zukukunft Personal
Auf der Bühne stellten Roland Droste, Nico Rose (1. und 2.v.l.) sowie Timo Bularczyk (rechts) ihre Recruiting-Projekte vor. Cliff Lehnen (2.v.r.) moderierte den Gewinner-Talk. Foto: Gordon Falat

Für die meisten Personalchefs ist Recruiting ein, wenn nicht das wichtigste Thema der Personalarbeit. Denn der Arbeitsmarkt steht gut da, Fachkräfte sind rar. Die drei Gewinner des DPP 2018 in der Kategorie Recruiting wissen das – und haben sich ganz besondere Ideen für die Personalsuche einfallen lassen. Auf der Zukunft Personal Europe stellten sie ihre Maßnahmen vor.

Für Arvato SCM Solutions, einer Bertelsmann-Tochter im Logistik-Bereich, ist der Fach- und Führungskräftemangel schon seit längerem ein Thema. Besonders in einer speziellen Branche wie der Logistik. Beim Recruiting arbeitet man daher schon seit längerem stark KPI-orientiert, nutzt also Daten und Korrelationen für die Bedarfs- und Personalplanung. “Aber eine potenzielle Bewerber-Zielgruppe war da nicht enthalten: unsere ehemaligen Mitarbeiter”, sagt Roland Droste, Director HR bei Arvato SCM Solutions. Dabei haben diese einen riesigen Fundus an Wissen und sammeln bei neuen Arbeitgebern weitere brauchbare Erfahrungen.

Roland Droste beschrieb das Projekt einer Ehemaligen-App, über die bereits erste Conversions zurück in das Unternehmen geglückt sind.
Roland Droste beschrieb das Projekt einer Ehemaligen-App, über die bereits erste Conversions zurück in das Unternehmen geglückt sind.

Daher die Idee: Für den “Leaver”, also den ausscheidenden Mitarbeiter, eine neue Kultur entwickeln. Ergebnis ist eine Web App speziell für die Ehemaligen. “Beim Austrittsgespräch laden wir sie ein, diese App zu nutzen, wenn sie in Kontakt mit uns bleiben wollen oder später den Kontakt wieder suchen”, so Droste. Mancher möchte und kann sich nicht so einfach von den lieb gewonnenen Kollegen trennen, will vielleicht auch etwas über neue Entwicklungen beim ehemaligen Arbeitgeber erfahren oder gar Jobangebote im Blick behalten. All das fließt in die Anwendung ein. Droste: “Die App ist seit kurzem am Start und wir haben über sie auch den ersten Ehemaligen zurückgewinnen können. Doch wir hoffen natürlich auf mehr, sind da auch erst am Anfang.”

Auch Big Player müssen sich pfiffige Ideen für das Recruiting überlegen

Beim Mutterkonzern und Zweitplatzierten Bertelsmann ist die Lage nicht viel anders, trotz der Größe und Bekanntheit. Es wird schwerer, an Personal insbesondere für Führungspositionen zu kommen. Denn der Konzern gehört zu einer Branche, in der nicht so viele Juristen, BWLer oder Ingenieure tätig sind, die klassischerweise für eine Führungskarriere infrage kämen.
Die vorhandene, vermutlich größte Anzahl an Akademikern hatte man jedoch lange Zeit nicht auf dem Schirm für leitende Jobs: Die Geisteswissenschaftler. “Das Problem: Es gibt schlicht keine Managementprogramme für sie. Also haben wir eins entwickelt, samt der Diagnostik, um die herauszufiltern, die sich eine Karriere vorstellen können”, berichtet Dr. Nico Rose, Vice President Employer Branding & Talent Acquisition.
Doch das reichte noch nicht, um die vielen Geisteswissenschaftler, die man bereits hatte und eventuell neu gewinnen wollte, abzuholen. Viele ahnen einfach nicht, dass auch sie mehr werden können als Denker, Schreiber, Lektor. “Wir haben daher eine große begleitende Kampagne aufgebaut, in der wir zunächst die typischen Vorurteile aufgreifen, aber am Schluss klarstellen: Wir wollen Euch Geisteswissenschaftler wegen Euch – und nicht trotz Euch. Und: Wir erkennen Euer Potenzial und möchten es heben”, erklärt Rose.

Denk Dich in die Zielgruppe hinein, dann gewinnst Du

Beim Erstplatzierten in der Kategorie Recruiting ist man einen heiklen, aber sehr erfolgreichen Weg gegangen, um ebenfalls eine sehr spitze Bewerbergruppe anzusprechen und schließlich zu gewinnen. Daimler – ein Riesenname und Anlaufpunkt für Ingenieure. Doch IT-Cracks? Wofür braucht man die? Timo Bularczyk, HR Digitalization Officer, erklärt: “Es steckt schon jetzt und zukünftig noch viel mehr schlaue, KI-getriebene Technik in den Fahrzeugen und in der Produktion. Daher brauchen auch wir die Coder und Programmierer.”
Allein, die Zielgruppe interessiert sich mehr für die Googles und Apples dieser Welt. Daher die Idee: Wir sprechen diese Geegs nicht auf typischen Karrieremessen an, sondern bei einer absoluten Teckie-Fachmesse. Plumpe Ansprache wird aber nicht funktionieren, so viel war klar. Daher wurde ein vielschichtiger Plott entwickelt, um die ITler aufmerksam zu machen: Sie werden in einen künstlichen Hack verwickelt, eine fremde Person chattet sie an, um sie für einen Programmierjob zu gewinnen. Ziel: Alle Smarts in Lissabon über die gebaute Software zu hacken, um sie ineinander crashen zu lassen. Denn: Nur so setze man ein echtes Zeichen gegen diese Übermacht der Konzerne.
Ein smartes, ausgeklügeltes Serious Game war geschaffen mit Namen transmission.vin. Erst ganz am Schluss, als diejenigen, die das Spiel geschafft haben, wieder an den ominösen Stand auf der Messe kamen, erfuhren sie, dass Daimler dahintersteckt. Und ob sie sich für einen Job bei dem Autobauer interessierten. “Das vorzubereiten und mitzuerleben, hat absolut Spaß gemacht. Und wir konnten 600 Kandidaten in unseren Pool aufnehmen”, resümiert Bularczyk.
Aber er und seine Kollegen hatten vorab ein echtes Problem: “Das hat einen echten internen Shitstorm ausgelöst. Die Marketer sagten: ‚Das könnt ihr nicht bringen, unsere Autos hacken zu lassen und dann auch noch den Anschein erwecken, dass sie sich gegenseitig crashen. Das schadet unserem Image‘”. Der Erfolg gab dem Team aber recht: nicht nur durch die Vielzahl an Neueinstellungen und Interessenten, sondern auch durch den Gewinn des DPP haben Bularczyk und sein Team neues Budget bekommen – für ein weiteres Game auf einer ITler-Messe in Barcelona.

+++ Studienaufruf: Sie haben auch Probleme beim Recruiting ganz bestimmter Zielgruppen? Und Sie tun schon einiges mehr für diese Kandidaten als für andere? Dann machen Sie mit bei unserer Studie, die genau Ihr Recruiting von Engpass-Talenten untersuchen möchte. › Hier können Sie teilnehmen. Es dauert nur wenige Minuten.

+++ Mehr über die anderen Kategoriensieger und den Gesamtsieger des
Deutschen Personalwirtschaftspreises lesen Sie › hier. Außerdem haben
wir eine schöne › Bilderstrecke von der Verleihung der Preise vom 10.
September erstellt. +++