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Gut Ding will Weile haben

Seit diesem Jahr gilt die Frauenquote; Bild: Fiedels/Fotolia.de
Seit diesem Jahr gilt die Frauenquote; Bild: Fiedels/Fotolia.de

Am 6. März 2015 billigte der Deutsche Bundesrat die Frauenquote, drei Wochen später stimmte auch der Bundesrat dem lange umstrittenen Gesetz zu. Für Bundesfrauenministerin Manuela Schwesig (SPD) ging mit diesem Tag eine Debatte zu Ende, die “mehr als 30 Jahre gedauert” habe (siehe auch > Kommentar). Der Beschluss verpflichtet Arbeitgeber seit 2016, das jeweils unterrepräsentierte Geschlecht – in der Regel Frauen – stärker an den Führungspositionen der Wirtschaft zu beteiligen. Die nicht mit Sanktionen bewehrte Vorschrift besteht aus drei Säulen:

(1) Für börsennotierte und voll mitbestimmungspflichtige Unternehmen gilt seit 1. Januar 2016 im Aufsichtsrat eine Quote von 30 Prozent für das unterrepräsentierte Geschlecht. Diese Unternehmen müssen die Quote sukzessive für die neu zu besetzenden Aufsichtsratsposten beachten. Bei Nichterfüllung bleiben die Stühle leer. Von dieser Regelung erfasst sind Stand März 2016 genau 103 Unternehmen.

(2) Börsennotierte oder mitbestimmungspflichtige Unternehmen müssen sich selbst festgelegte Frauenquoten für Vorstand, Aufsichtsrat und das obere und mittlere Management verordnen und über die Fortschritte berichten. Diese Regelung betrifft rund 3.500 Unternehmen.

(3) Auch der Öffentliche Dienst ist verpflichtet, sich konkrete Ziele zur Erhöhung des Frauen- oder Männeranteils zu setzen. Eingegriffen wird allerdings nur, wenn eine strukturelle Benachteiligung vorliegt. Wo der Bund mitbestimmen kann, gilt bei der Besetzung von Aufsichtsratsgremien ab 2016 ebenfalls eine Quote von 30 Prozent. Ab 2018 soll diese Quote auf 50 Prozent steigen.

Die Umsetzung hinkt hinterher

Trotz des langen Vorlaufs ist nicht viel geschehen. Im November 2015 waren erst rund 23 Prozent aller Aufsichtsratsposten in den betroffenen börsennotierten und mitbestimmungspflichtigen Unternehmen (siehe 1) mit einer Frau besetzt. Gegenüber dem Januar des Vorjahres war das ein Plus von 1,78 Prozentpunkten. In den Vorstandsgremien erhöhte sich der Frauenanteil von 4,86 auf 5,46 Prozent. Laut einer im Dezember 2015 veröffentlichten Umfrage des Vereins “Frauen in die Aufsichtsräte” (FidAR) hatten seinerzeit erst 59 Unternehmen – also nur etwas mehr als die Hälfte – konkrete Zielgrößen für den künftigen Frauenanteil in Aufsichtsrat, Vorstand oder der ersten und zweiten Managementebene festgelegt. “Von denen planten nur elf für die Vorstandsebene einen Zuwachs”, heißt es bei FidAR, “23 Unternehmen, die derzeit noch keine Frau auf Vorstandsebene haben, geben als Zielgröße 0 an.”

Unternehmen lehnen Zielgrößen ab

Was die größere Gruppe der börsennotierten oder mitbestimmungspflichtigen Unternehmen (siehe 2) angeht, so zeigt ein älteres FidAR-Stimmungsbarometer vom Juli 2015, dass sich damals längst nicht alle betroffenen Firmen bewusst waren, dass sie diesem Gesetz zu folgen haben. Laut FidAR hatte zu diesem Zeitpunkt nur ein Bruchteil konkrete Zielgrößen verabschiedet oder in Planung. Begründet wird dies meist mit der Schwierigkeit, geeignete Kandidatinnen zu finden. Darüber hinaus wird die staatliche Verpflichtung zu Zielgrößen mehrheitlich abgelehnt. FidAR will in den nächsten Wochen ein aktuelles Stimmungsbild erheben.

Wie weit die Frauenquote im Öffentlichen Dienst (siehe 3) umgesetzt wird, ist nicht bekannt. Doch die vorliegenden Zahlen sind nicht vielversprechend: Laut einer im Januar 2016 vorgelegten Untersuchung der Universität Leipzig etwa ist in Städten und öffentlichen Unternehmen im Durchschnitt nur jede sechste Top-Managementposition mit einer Frau besetzt.

Autorin:
Christine Demmer, freie Journalistin

Lesen Sie > hier auch unseren Kommentar zum Weltfrauentag.