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Heterogenes Bildungsniveau

Viele Gefüchtete wollen hierzulande einen Schul- oder Berufsabschluss machen.
Foto: © Frank Gärtner/Fotolia.de
Viele Gefüchtete wollen hierzulande einen Schul- oder Berufsabschluss machen.
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Die häufigste Fluchtursache ist Angst vor gewaltsamen Konflikten und Krieg.

Der Anteil an Flüchtlingen in Deutschland, die einen Berufs- und Hochschulabschluss haben, ist eher gering. 58 Prozent der erwachsenen Geflüchteten haben in ihren Herkunftsländern zehn Jahre und mehr in Schule, Ausbildung und Studium verbracht. Zum Vergleich: Bei der deutschen Wohnbevölkerung sind es 88 Prozent. 37 Prozent der Geflüchteten besuchten eine weiterführende Schule, 31 Prozent eine Mittelschule, zehn Prozent nur eine Grundschule und neun Prozent gar keine Schule. 31 Prozent waren auf Hochschulen oder beruflichen Bildungseinrichtungen, 19 Prozent erreichten einen Abschluss.

Drei Viertel der Flüchtlinge waren berufstätig

Rund drei Viertel (73 Prozent) der Geflüchteten waren vor dem Zuzug nach Deutschland erwerbstätig, im Durchschnitt 6,4 Jahre lang. Das sind Ergebnisse einer Studie, die gemeinsam vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), dem Forschungszentrum des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF-FZ) und dem Sozioökonomischen Panel (SOEP) am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) durchgeführt wurde. Für die Studie wurden von Juni bis Oktober dieses Jahres 2349 Geflüchtete über 18 Jahren, die vom 1. Januar 2013 bis zum 31. Januar 2016 nach Deutschland eingereist sind, repräsentativ befragt.

Zwei Drittel wollen einen deutschen Berufsabschluss machen

Geflüchtete haben hohe Bildungsambitionen: Fast die Hälfte (46 Prozent) der erwachsenen Geflüchteten strebt hierzulande noch einen allgemeinbildenden Schulabschluss an, 66 Prozent wollen einen beruflichen Abschluss machen. In welchem Umfang die Geflüchteten dies allerdings tatsächlich umsetzen, ist laut Studie nicht vorhersehbar, zumal viele der Migranten zunächst arbeiten wollen und erst später in Bildung und Ausbildung investieren.

Die große Mehrheit befürwortet die Demokratie

Die Studienergebnisse zeigen, dass die Geflüchteten in ihren Wertvorstellungen viele Gemeinsamkeiten mit der deutschen Bevölkerung aufweisen. So unterstützen 96 Prozent der Befragten die Aussage, dass “man ein demokratisches System haben sollte”. 92 Prozent sagen, dass gleiche Rechte von Männern und Frauen ein Bestandteil von Demokratien sind. Bei der Aussage “wenn eine Frau mehr Geld verdient als ihr Partner, führt dies zwangsläufig zu Problemen” zeigen sich jedoch Unterschiede: Während 29 Prozent der Geflüchteten zustimmen, sind es bei der deutschen Vergleichsgruppe lediglich 18 Prozent.

Gewaltsame Konflikte und Krieg vertreiben die meisten Menschen

Als Fluchtursache nannten mit 70 Prozent die meisten Studienteilnehmer die Angst vor gewaltsamen Konflikten und Krieg. Andere wichtige politische Motive sind Verfolgung mit 44 Prozent, Diskriminierung mit 38 Prozent und Zwangsrekrutierung mit 36 Prozent. Außerdem gaben 39 Prozent schlechte persönliche Lebensbedingungen an und 32 Prozent die wirtschaftliche Situation im Herkunftsland. Geflüchtete aus Syrien, Afghanistan, dem Irak und Iran nennen besonders häufig Krieg und Verfolgung als Fluchtursachen, Flüchtlinge aus Eritrea gaben oft Zwangsrekrutierung an. Demgegenüber berichten Geflüchtete aus den Westbalkan-Staaten vielfach von prekären persönlichen Lebensbedingungen, der schlechten wirtschaftlichen Situation in den Herkunftsländern und Diskriminierung.

Ein ausführlicher Bericht zur Studie ist > hier abrufbar.