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Ich will so bleiben, wie ich bin

Zukunftssorgen? Das dürfte für die selbstständigen IT-Experten eher ein Fremdwort sein. Für sie geht es in punkto Auftrags- und Umsatzentwicklung aktuell in eine klare Richtung: bergauf. Zumindest wenn einige wichtige Voraussetzungen erfüllt sind.

Laut aktueller Studie gehört dazu vor allem der persönliche Kontaktaufbau zum nächsten Auftraggeber. Knapp 83 Prozent der befragten IT-Freelancer aus der IT-Freiberuflerstudie 2017 gaben an, ihre Projekte aus ihrem individuellen Netzwerk heraus zu erhalten. Dicht gefolgt von Aufträgen, die als Anschluss- Beauftragung von bereits bekannten Einsatzunternehmen gekennzeichnet werden können. Hat ein Externer einmal einen guten Job gemacht, behält ihn die Firma für das nächste passende Projekt im Hinterkopf. Social-Media- Netzwerke stellen für die IT-Experten, entgegen vieler Vermutungen, allerdings nicht die erste Wahl dar, wenn es um neue Aufträge geht. Nicht einmal die Hälfte gelangt darüber an zusätzlichen Umsatz. Geht es allerdings um die Vernetzung mit wichtigen Kontakten im Allgemeinen, messen rund 56 Prozent dieser Art der Akquise eine große Bedeutung bei.

Online-Portale werden in der Rekrutierung von IT-Fachkräften zunehmend wichtiger werden. / Quelle. BITKOM
Online-Portale werden in der Rekrutierung von IT-Fachkräften zunehmend wichtiger werden. / Quelle. BITKOM

Direkte Kontakte versprechen gutes Einkommen

Dass direkte Kontakte und Beziehungen zu den richtigen Entscheidern im Unternehmen Gold wert sind, bestätigt die Honorarentwicklung bei den Selbstständigen. Demnach lag der Stundensatz für einen erfahrenen Freiberufler im arithmetischen Mittel 2016 bei rund 84 Euro. Umgerechnet auf den Jahresverdienst bedeutet das: die Hälfte aller befragten Freiberufler hat im Vorjahr 120 000 Euro eingenommen. Für das laufende Jahr 2017 rechnen die IT-Spezialisten sogar noch mit einem Zuwachs von weiteren fünf Prozent auf den Stundensatz. Diese Einkommensperspektiven dürfen allerdings nicht darüber hinweg täuschen, dass die Freiberufler auf der anderen Seite diverse Herausforderungen haben, die sie in ihre Honorarsituation jederzeit einkalkulieren müssen.

Gesetzliche Regelungen hemmen das Freiberuflertum

Knapp 70 Prozent der Freiberufler geben an, dass sie mit gesetzlichen Bestimmungen und Regelungen zu kämpfen haben, wenn es um den Einkauf ihrer Leistungen geht – etwa bei Verdacht auf Scheinselbständigkeit. Ein Grund, warum Firmen eher Abstand von der Beauftragung eines Freiberuflers nehmen. Weiterhin gaben knapp 50 Prozent der Freiberufler an, sich schwer damit zu tun, über das Jahr verteilt eine gewisse Planbarkeit ihrer Aufträge zu gewährleisten.

Vor dem Hintergrund immer vielfältiger und komplexer werdender Projektaufträge im gesamten IT- Umfeld, wird sich dieser Zustand aber wohl nicht so schnell ändern. Damit zusammen hängt sicherlich die Tatsache, dass beispielsweise ein IT-Security Spezialist immer weniger Einfluss darauf hat, wo und wie lange sein Know-how gerade gebraucht wird. Je schneller Unternehmen auf Marktveränderungen reagieren müssen, desto schlechter können die eingesetzten IT-Fachkräfte planen. Mitunter geht damit ein hoher Reiseaufwand seitens der Freiberufler einher, den 35 Prozent ebenfalls als Hindernis einstufen.

Das Preis-Leistungs-Verhältnis der Personaldienstleister muss stimmen. / Quelle: BITKOM
Das Preis-Leistungs-Verhältnis der Personaldienstleister muss stimmen. / Quelle: BITKOM

Festanstellung ist kein Thema

Trotz dieser finanziellen und rechtlichen Unwägbarkeiten, sprechen sich 32 Prozent der IT-Freiberufler klar gegen eine Festanstellung aus, und für knapp 70 Prozent kommt die Alternative Arbeitnehmerüberlassung überhaupt nicht in Frage. Allerdings muss man zu diesen Aussagen einräumen, dass sie sowohl von der jeweiligen persönlichen Lebenssituation als auch von der eigentlichen Projektaufgabe abhängen. Man kann jedoch festhalten: Je höher Berufserfahrung und Jahreseinkommen sind, desto geringer ist die Bereitschaft, sich in neue Strukturen einzufinden.

In der Akquise spielen persönliche Kontakte eine entscheidende Rolle. / Quelle: BITKOM
In der Akquise spielen persönliche Kontakte eine entscheidende Rolle. / Quelle: BITKOM

Freiberufler stellen hohen Consultingbedarf fest

Bei der Frage nach den Projektkategorien lassen sich aus Sicht der IT-Freiberufler eindeutige Trends ableiten. Die meisten sehen das größte Potenzial bei Beratungs- und Consultingprojekten, gefolgt von Softwareentwicklungen und Programmierleistungen. Auch bei der Projektkoordination und -leitung sowie beim Arbeiten entlang agilen Entwicklungsmethoden vermuten die Befragten großen externen Unterstützungsbedarf.

Hingegen werden die Themen Hardwareprojekte oder Administration sowie Support in Zukunft ihrer Meinung nach keine große Rolle mehr spielen, wenn es um externe Hilfe geht. Interessant war die Antwort der Befragten in Bezug auf IT-nahe Ingenieursleistungen im Fertigungsumfeld. Während die vernetzten Prozesse medial bedingungslos hochgejubelt werden, scheint die Umsetzungspraxis noch lange nicht soweit zu sein. Nach Einschätzung der Freiberufler, gingen diese Anfragen gegenüber dem Vorjahr sogar leicht zurück. Was langfristig nicht heißt, das eigene Angebotsportfolio nicht im Hinblick auf Anfragen aus den Bereichen Internet der Dinge oder Industrie 4.0 zu erweitern. Allerdings kann von einem flächendeckenden Bedarf noch keine Rede sein.

IT-Security ist Nachfrage-Dauerbrenner

Mit Blick auf die IT-Produktkategorien ist IT-Security unangefochtener Dauerbrenner bei den Anfragen aus den Einsatzunternehmen. Und genau hier liegt auch ein Problem. Denn nur jeder siebte Freiberufler hat angegeben, auf IT-Security spezialisiert zu sein. Hier wird es also zu weiteren Engpässen kommen. Auch in den Bereichen Mobility sowie Business Intelligence und Analytics wird von den IT-Fachkräften einiges erwartet. Das ist auf den starken Einsatz mobiler Endgeräte in den Unternehmen zurückzuführen, für die in Zukunft immer mehr digitale Services entwickelt werden müssen. Dieses spezielle Knowhow können Unternehmen nur selbst vorhalten, wenn Mobility Teil des Kerngeschäfts ist. Alle übrigen müssen es zukaufen.

Auf diese Situation müssen sich auch die Vermittler einstellen, und den Freiberuflern – laut deren Aussage – einen reibungslosen und zuverlässigen Ablauf garantieren. Hier haben die IT-Freiberufler in der Vergangenheit nicht immer gute Erfahrungen gemacht. Daher wünschen sie sich für die Zukunft einen Vermittlungspartner, der möglichst geräuschlos, offen und transparent für lohnenswerte Anschlussprojekte sorgen kann.

Porträt von Alborz Simon

Autor:
Simon Alborz, Bereichsleitung Hays, Hamburg, simon.alborz@hays.de

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