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Mehr Arbeitslose in Städten als auf dem Land trotz mehr Jobs

Mann in Anzug mit Aktenmappe auf grüner Wiese schaut auf Stadtsilhouette
In der Stadt findet sich leichter ein auf den Einzelnen zugeschnittenen Job als auf dem Land, dennoch gibt es mehr Arbeitslose. Foto: © Coloures-Pic/StockAdobe

Die Arbeitsmarktforscher Dr. Peter Haller, bis Januar 2010 wissenschaftlicher Mitarbeiter im Forschungsbereich “Regionale Arbeitsmärkte” des IAB, und Daniel F. Heuermann, Professor für Wirtschafts- wissenschaften an der University of Applied Sciences Europe in Berlin, haben in einer Studie untersucht, warum es für Jobsuchende in Städten trotz des vergleichsweise besseren Arbeitsmarkts schwieriger ist, eine Stelle zu finden. Im Interview mit Martin Schludi vom IAB-Forum erklären sie die Hintergründe.

“Versicherungseffekt” in Städten wird durch mehr Wettbewerb unter Jobsuchenden aufgehoben

Laut Heuermann finden Arbeitgeber in Städten leichter und schneller neue Mitarbeiter. Jobsuchende haben ihrerseits eine größere Auswahl an Stellen, die zu ihren Qualifikationen und ihren Vorlieben passen. Die Tatsache, dass rein zahlenmäßig mehr potenzielle Arbeitsplätze zur Verfügung stehen, werde auch als “Versicherungseffekt” von Städten bezeichnet. Personen, die arbeitslos werden, müssten dort also im Prinzip schneller wieder einen Job finden als auf dem Land, so der Arbeitsmarktforscher. Die Studie kommt jedoch zu einem anderen Ergebnis: Sowohl die Arbeitslosenquote als auch die Dauer der Arbeitslosigkeit sind in der Stadt höher als auf dem Land. Der Grund sei, dass stärkere Konkurrenz unter den Jobsuchenden die positiven Effekte der höheren Arbeitsplatzdichte in der Stadt überwiegt. Der “Versicherungseffekt” werde also mehr als aufgewogen. Da Menschen in Städten im Schnitt jünger und formal besser qualifiziert seien, habe man in Städten und ländlichen Regionen vergleichbare Gruppen untersucht, um valide Aussagen zu erhalten, so Haller.

Städte bieten trotz höherer Konkurrenz mehr individuell auf Bewerber zugeschnittene Stellen

Trotz der stärkeren Wettbewerbssituation bei Jobsuchenden liege der Vorteil von Städten aber nach wie vor darin, dass es dort einfacher sein, eine auf den jeweiligen Arbeitsuchenden zugeschnittene Stelle zu finden, ergänzt Heuermann. Auf dem Land gebe es für bestimmte Berufe nur wenige oder auch gar keine passenden Jobs. Daher hätten Arbeitslose in der Stadt trotz der Konkurrenz die Möglichkeit, ihre individuellen Stärken und Qualifikationen auszuspielen und sich auf solche Stellen zu bewerben, die am besten mit ihren Erfahrungen und ihrem Lebenslauf harmonieren. Jobsuchende im ländlichen Raum könnten vielleicht schneller einen Arbeitsplatz finden, aber nicht unbedingt einen, der auf sie zugeschnitten ist.

Mehr Informationen zur Studie gibt es > hier.

Ute Wolter ist freie Mitarbeiterin der Personalwirtschaft in Freiburg und verfasst regelmäßig News, Artikel und Interviews für die Webseite.