Aktuelle Ausgabe

Newsletter

Abonnieren

Industrie 4.0 wird bei der Mitarbeitersuche noch ausgeblendet

Damit vertun sie Chancen, in punkto Arbeitgeberattraktivität zu punkten.

Für das Schlagwort “Industrie 4.0” erhält man im Internet rund 15,5 Millionen Suchergebnisse. Industrie 4.0 ist ein Zukunftsprojekt, für das viele Unternehmen derzeit wegweisende Technologien entwickeln oder ihre Prozesse umstellen. Doch in Jobinseraten zum Maschinenbau-Umfeld erwähnen Recruiting- und Personalmarketingverantwortliche bisher nicht, ob sie in diesem Bereich aktiv sind, wie eine aktuelle Studie zeigt.

Smart Factories sorgen für Wandel der Arbeit

Wenn sich Produktionsstätten zu “Smart Factories” entwickeln, verändern sich die Aufgaben und Arbeitsweisen in der Fertigung und der Logistik tiefgreifend, doch auch andere Disziplinen entlang der Wertschöpfungskette sind von diesem Wandel betroffen. Zum Verantwortungsbereich der derzeit gesuchten F&E-Mitarbeiter gehören neben Entwicklungs- und Konstruktionsaufgaben besonders häufig auch Tätigkeiten in der Dokumentation (37,6 Prozent) und Qualitätssicherung (28 Prozent). Jeder zweite Mitarbeiter für die Produktion baut bei seinem künftigen Arbeitgeber Maschinen auf oder nimmt sie in Betrieb. Bewerber für eine Sales-Position benötigen ein gutes technisches Verständnis, zumal sie häufig technische Dokumentationen anlegen oder Produkte beschreiben sollen (37,6 Prozent).

Marketingpotenzial von Industrie 4.0 noch nicht erkannt

Auf den Begriff Industrie 4.0 finden sich in den Aufgabenprofilen jedoch nur vereinzelte Hinweise. Das geht aus dem aktuellen Arbeitsmarkt-Report 2015 der Dekra Akademie hervor. Die Analyse berücksichtigt vor allem Informationen aus Inseraten für die Bereiche Forschung und Entwicklung (F&E), Produktion und Sales. Offensichtlich, so der Report, haben Personalmarketingverantwortliche das Marketingpotenzial noch nicht erkannt, vor allem technische Fachkräfte von der Attraktivität einer Position zu überzeugen, indem sie Aufgaben in einem solchen Umfeld erwähnen.

Hard Skills: CAD- und Office-Kenntnisse am wichtigsten

Für mehr als die Hälfte der ausgewerteten Positionen ist ein Studium erforderlich, bei F&E-Positionen geben dies sogar rund 70 Prozent der Firmen an. Bei mehr als jedem zweiten Stellenangebot haben nur Fachkräfte mit Berufserfahrung eine Chance und bei gut einem weiteren Viertel wird sie zumindest als wünschenswert genannt. Neben Angaben zur formalen Qualifikation enthält etwas mehr als jedes zweite Anforderungsprofil weitere Kenntnisse, die Kandidaten vorweisen sollten. Am häufigsten nennen sie Anwendungskenntnisse von CAD-Tools. Über die fachspezifischen IT-Kenntnisse hinaus müssen die künftigen Stelleninhaber die MS Office-Programme beherrschen. Für mehr als jede vierte F&E-Position sind außerdem Projektmanagement-Erfahrungen von Vorteil.

Teamgeist und Selbstständigkeit werden noch relevanter

Bei Mitarbeitern für die Produktion legen Personaler großen Wert auf Teamfähigkeit, 58,7 Prozent nennen dieses Kriterium. Auch bei Jobs in F&E erwarten dies 52,2 Prozent der Arbeitgeber. Wenn in Zukunft Prozesse abteilungs- und unternehmensübergreifend noch stärker vernetzt sind, dürfte diese Eigenschaft weiter an Bedeutung gewinnen, so der Report. Darüber hinaus sollten es Bewerber gewohnt sein, selbstständig zu arbeiten. Motivation und Eigeninitiative als Anforderung findet sich hingegen nur bei F&E-Mitarbeitern unter den ersten fünf der gewünschten Soft Skills. Bei Sales-Kandidaten achten Arbeitgeber vor allem auf persönliche Eigenschaften, die für den erfolgreichen Vertrieb von Produkten nötig sind: Beste Chancen haben hier kommunikations- und durchsetzungsstarke Bewerber mit serviceorientierter Einstellung.

Dass die Unternehmen im Kontext von Industrie 4.0 nicht nach speziellen Kompetenzen der Bewerber fragen, ist nach Ansicht von Dr. Peter Littig, bildungspolitischer Berater der Geschäftsführung der Dekra Akademie, erstaunlich. Seiner Meinung nach dürfte sich das aber schnell ändern:

Mittlerweile fragen erste Arbeitgeber Bewerber danach, ob sie die Prinzipien einer digital vernetzten Produktion kennen.

Darüber hinaus würden bestimmte Soft Skills wichtiger, so Littig, denn lernfähige und kreative Mitarbeiter würden mehr denn je zu einem Wettbewerbsfaktor.

Für den Dekra Arbeitsmarkt-Report 2015 wurden im Februar 352 Stellenanzeigen in elf deutschen Tageszeitungen, drei Online-Jobbörsen und einem sozialen Netzwerk daraufhin untersucht, ob die Kandidaten später Aufgaben übernehmen und Kompetenzen benötigen, die in Zusammenhang mit der Entwicklung hin zu einer digital vernetzten Produktion stehen.

Interessenten können den Dekra Arbeitsmarkt-Report 2015 kostenfrei per E-Mail unter
service.akademie@dekra.com anfordern.