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Insgesamt positive Zwischenbilanz

Bei der Integration von Flüchtlingen sieht die Mehrheit der deutschen Unternehmen keine unüberwindbaren Hindernisse.
Foto: © Daniel Ernst/Fotolia.de
Bei der Integration von Flüchtlingen sieht die Mehrheit der deutschen Unternehmen keine unüberwindbaren Hindernisse.
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In den vergangenen zwei Jahren verzeichnete das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) mehr als 1,2 Millionen Asylanträge. Der Zugang zum Arbeitsmarkt ist ein wesentlicher Faktor dafür, dass die Integration der Geflüchteten gelingt. Die Herausforderung sehen die Unternehmen hierzulande weitgehend positiv, auch rechnet sich die berufliche Eingliederung nach kurzer Zeit.

Insgesamt sehen die Unternehmen in Deutschland bei der Beschäftigung von Geflüchteten keine unüberwindbaren Hindernisse. Für rund 75 Prozent der Betriebe sind mangelnde Vorkenntnisse eine geringe oder zu bewältigende Herausforderung. Darüber hinaus stellen der Zugang zu Geflüchteten sowie die kulturellen Unterschiede für knapp 90 Prozent der Firmen keine unüberwindbaren Hürden dar. Je mehr Erfahrungen die Arbeitgeber mit der Beschäftigung von Flüchtlingen machen, umso positiver betrachten sie diese Herausforderungen.

Sprachbarriere gehört zu den größten Hindernissen

Dennoch gibt es drei Herausforderungen, die Unternehmen als besonders kritisch einschätzen. Dabei gehört die Sprachbarriere für etwa 40 Prozent zu den größten Hindernissen. So entsprechen die Sprachkenntnisse oft nicht dem zertifizierten Niveau, auch fehlt es am nötigen Fachvokabular. Interessant ist, dass kleinere Betriebe Sprachprobleme, aber auch kulturelle Unterschiede, als weniger hinderlich empfinden als große Unternehmen. In einer Arbeitsumgebung, die von persönlichem und familiärem Umgang geprägt ist, gelingt Integration offenbar schneller und besser. Insgesamt hängt die berufliche Integration von Geflüchteten jedoch nicht von der Anzahl der Mitarbeiter ab.

Neben Sprachproblemen empfinden ebenfalls rund 40 Prozent der Unternehmen komplizierte Verfahren und die hohe Unsicherheit bezüglich einer möglichen Abschiebung als sehr hinderlich. Das sind Ergebnisse der Studie “Integrationskraft Arbeit” von The Boston Consulting Group (BCG). Dafür wurden von Oktober bis November letzten Jahres 300 Unternehmen verschiedener Branchen und Größen aus dem “Netzwerk Unternehmen integrieren Flüchtlinge” (NUiF) zu ihren Erfahrungen mit der Integration von Geflüchteten befragt.

Von den wenigen Festangestellten arbeiten die meisten als Hilfsarbeiter

Die Studie untersuchte auch die Art der Arbeitsverhältnisse von Flüchtlingen. Aktuell beschäftigten etwa drei Viertel der befragten Firmen Flüchtlinge – insgesamt rund 2500. Mit 87 Prozent befindet sich die Mehrheit der Geflüchteten in einer qualifizierenden Beschäftigung, etwa einer Ausbildung, einer Einstiegsqualifizierung oder einem Praktikum. Festanstellungen sind hingegen selten: So sind derzeit nur 13 Prozent der Geflüchteten festangestellt, die meisten von ihnen (86 Prozent) als ungelernte Hilfsarbeiter. Lediglich zwölf Prozent arbeiten als Fachkräfte und nur zwei Prozent in Führungspositionen.

Viele Firmen planen, dieses Jahr ihr Engagement bei qualifizierenden Maßnahmen fortzusetzen oder auszubauen: 70 Prozent der Betriebe wollen mehr oder gleich viele Praktika anbieten, etwa 50 Prozent beabsichtigen, mehr oder gleich viele Einstiegsqualifizierungen zu vergeben und rund 60 Prozent beabsichtigen, mehr oder gleich viele Ausbildungsplätze mit Geflüchteten zu besetzen. Nur zwischen fünf und sieben Prozent der Unternehmen wollen weniger qualifizierende Beschäftigungen anbieten.

Berufliche Integration rechnet sich für Unternehmen schnell

Die befragten Firmen investieren im Schnitt 7500 Euro für Betreuung, Qualifizierung und Sprachunterricht, um einen Geflüchteten im Unternehmen zu integrieren. Insbesondere dort, wo Personalknappheit herrscht, amortisieren sich die angefallenen Kosten nach rund zwölf Monaten, teilweise auch früher.

Betriebliche Investitionen belaufen sich auf einen Bruchteil der gesellschaftlichen Gesamtkosten, die bei Nicht-Integration von Geflüchteten anfallen, und lohnen sich vor allem in Mangelberufen,

sagt Heinrich Rentmeister, Partner bei BCG und einer der Studienautoren. Die Ergebnisse zeigten zudem, dass die berufliche Integration von Geflüchteten in allen Branchen und Unternehmen unterschiedlichster Größe möglich sei. Ein wesentlicher Faktor für den Erfolg sei die individuelle Betreuung durch Paten. Nach Erfahrung der befragten Unternehmen liegt der Aufwand für eine Patenschaft im ersten Jahr bei etwa sechs Stunden pro Monat.

Rahmenbedingungen verbesserungswürdig

Damit die berufliche Integration von Geflüchteten gelingt, müssen Unternehmen und staatliche Akteure nach Ansicht von Rentmeister weiterhin handeln. So zeigen die Erfahrungen der Firmen, dass Berufsqualifikationen von Geflüchteten besser validiert werden müssen, häufig fehle es an aussagekräftigen oder vergleichbaren Nachweisen. Es bedürfe eines standardisierten und anerkannten Verfahrens zur Feststellung von vorhandenen Kompetenzen und beruflichen Erfahrungen. Die befragten Firmen fordern zudem, zusätzlich zu den staatlichen Integrationskursen die berufsspezifische Sprachförderung weiter auszubauen. Auch fehlt es nach wie vor an Transparenz über rechtliche Rahmenbedingungen, oft sorgen Ausnahmeregelungen in einzelnen Bundesländern für Planungsunsicherheit.

Die vollständigen Studienergebnisse stehen zum > Download bereit.

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