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Irgendwas mit Design

DT “creates impact” und führt zu “designed solutions” für “complex challenges”. Mit David Kelley gibt’s einen Stanford-Professor als DT-Guru; zudem ein unscharfes Konzept, damit alles möglich ist – und eine fast spirituelle Begeisterung. Vor allem: Große Unternehmen machen das! Da fühlt man sich beim Nachmachen sicher.

Nachdem HR in der Vergangenheit unter anderem von Neuroforschern ,Betriebswirten und Psychologen heimgesucht wurde, kommen nun die Designer. Wir lernen, zu denken und zu handeln wie die. Der sensationelle, innovative Ansatz der Designer: Mit Kunden reden! Ziel sind Produkte und Dienstleistungen, die der Kunde wirklich braucht. Das ist für Großunternehmen wahrlich eine Revolution. Wer jemals der Beschwerdehotline der Bahn mitteilen wollte, was schlecht läuft, wurde gemocht wie Fußpilz. Heute macht auch die Bahn auf Design Thinking. Für HR geht’s um interne Kunden. Also Mitarbeiter. Mit denen kann man auch sprechen! Die haben auch eine Meinung und können sagen, was im Unternehmen falsch läuft und wie man es besser machen könnte. Das ist ein für HR zentraler Erkenntnisgewinn nach erfolgreicher Weiterbildung zum “Design Thinker”. Mit dem Abschluss kann man die sechs Schritte des DT anwenden (ohne Abschluss bitte nie mit Kunden oder Mitarbeitern sprechen). In Schritt eins muss man den Kunden verstehen. In Schritt zwei darf man ihn beobachten; dann werden in Schritt drei die gesammelten Erkenntnisse verdichtet zu einer 360-Grad-Ansicht der Zielgruppe. Ab da ist es einfach: Nur noch “Ideen finden” (Schritt vier), einen “Prototyp von Produkt/Dienstleistung entwickeln”(Schritt fünf) und diesen dann an der Zielgruppe testen (Schritt sechs). Schritt fünf und sechs so lange wiederholen, bis die Mehrzahl der Kunden einverstanden ist – oder genervt sagt: “Ist gut jetzt.”

Wer mit Handwerkern über DT spricht, wird verdutzt angeschaut: Die sprechen doch tatsächlich seit Jahren mit ihren Kunden; sonst hätten sie auch keine mehr. Das ist in Großunternehmen traditionell anders. Daher braucht man den DT-Trend. Hätte man das “Kundenwünsche erfassen und berücksichtigen” genannt, würde das keinen vom Hocker reißen. Daher freuen wir uns mit den DAX-30-Unternehmen, von denen ganz, ganz viele auf der DT-Welle surfen. Denn DT verändert die Kultur und macht alles so Start-up-mäßig toll. Der Trend schafft und sichert Arbeitsplätze: bei HR, bei Beratern, bei Trainern; alle machen jetzt “irgendwas mit Design”. Auch diese Design-Glosse ist Teil des Design-Trends.

HR sollte voll einsteigen: mit Personalentwicklung und einem Gespräch von HR mit Führungskräften und Mitarbeitern der Linienabteilungen – um zu verstehen, was die wollen. Dann würde man als Business Partner, oder wenigstens als Design-Partner, voll anerkannt.

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