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Jobs in Horrorbranchen: Das Image macht’s

Vom Inkassoeintreiber bis zur Müllabfuhr: Unternehmen aus unattraktiv scheinenden Branchen haben große Schwierigkeiten, Auszubildende und Mitarbeiter zu finden. Schuld sind sie nicht allein.

Büroräume reinigen Bohnermaschine
Bild: Chopard Photography/Fotolia.de

Metzger, Leichenbestatter, Kanalreiniger, Reinigungskraft, Gefängniswärter, Schuldeneintreiber: All diese Berufe haben eine Gemeinsamkeit. Kaum einer will sie machen. Fragt man Kinder, was sie später werden wollen, stehen diese Berufe quasi nie auf der Liste der Traumberufe. Und auch wenn die Kinder zu Jugendlichen heranwachsen, schaffen es viele dieser Berufe meist immer noch nicht auf die Wunschliste.

Doch warum eigentlich? “Das liegt vor allen Dingen am Bild, das die Jugendlichen von ihnen haben”, sagt Stephanie Matthes, Referentin im Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB). Beim Metzger sei dieses Bild nun einmal sehr blutig, als Kanalreiniger oder Müllmann sehr dreckig, als Hotelier sehr stressig und als Bäcker, da seien sich viele Jugendliche einig, müsse man früh aufstehen. Hat sich so ein Bild einmal festgesetzt, ist es schwierig junge Arbeitnehmer vom Gegenteil zu überzeugen. “Jugendliche entscheiden oft nicht danach, was sie interessiert, sondern danach, wie die Gesellschaft einen Beruf sieht”, erklärt Matthes. “Ihnen geht es also mehr um soziale Anerkennung, als um den Job an sich.”

Gilt ein Beruf allgemein als zu anstrengend, zu unsicher oder zu schlecht bezahlt, rutscht er rasch in der Beliebtheitsskala der Jugendlichen ab. Dass die Behandlung im Betrieb oder auch die Arbeitszeiten in den betreffenden Branchen tatsächlich oft schlecht sind, kommt erschwerend hinzu. Für viele Auszubildende ist deswegen von Beginn an klar: Das ist kein Job für mich.

Vermeintliche Horrorbranchen kämpfen mit Nachwuchsproblemen

Den Unternehmen macht genau diese Einstellung sichtlich zu schaffen. Für sie wird es von Jahr zu Jahr schwieriger, geeignetes Personal zu finden. Matthes vom BIBB sagt, dass zurzeit knapp 80.000 Ausbildungssuchende keinen Platz finden würden. Das liege nicht daran, dass es keine Lehrstellen geben würde, sondern daran, dass Angebot und Nachfrage nicht übereinstimmen würden. Matthes nennt das “Passungsprobleme”. Zum einen gebe es regionale Unterschiede zwischen Angebot und Nachfrage. Zum anderen würden viele Jugendliche lieber auf einen Ausbildungsplatz warten, als eine Lehre oder Ausbildung in einem vermeintlich unbeliebten Berufsfeld zu beginnen.

Plastisch wird das Problem, wenn man sich die leer gebliebenen Ausbildungsstellen in den vergangenen Jahren anschaut. Einer Studie des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB) zufolge blieben im Schnitt 7,5 Prozent aller Ausbildungsstellen unbesetzt. In den eher unbeliebten Berufen liegt diese Zahl deutlich höher. Auf Rang eins des unrühmlichen Rankings landet der Restaurantfachmann. Nicht einmal jede Dritte Stelle konnte dort besetzt werden. Knapp darauf folgen der Fleischer (35 Prozent unbesetzter Ausbildungsstellen) und der Fachverkäufer für Lebensmittel (33 Prozent). Plätze vier, fünf und sechs belegen der Klempner mit 30 Prozent, der Fachmann in der Systemgastronomie mit 29 Prozent und schlussendlich der Bäcker mit noch immer 27 Prozent unbesetzter Ausbildungsstellen.

Einen Job als Inkasso-Eintreiber machen?

Iwona Słomska, Vorstandsmitglied bei Kruk, einem europaweit agierenden Inkassounternehmen kennt die Probleme ebenso wie Volker Hofmann, Pokurist der Security-Firma Kötter. Denn viele Jugendliche wählen ihren späteren Beruf nun einmal nach dem Image der Branche aus. Und das sei vor allem eins: schlecht (mehr zu Kruk lesen Sie › hier und mehr zum Job als Security- und Reinigungs-Mitarbeiter › hier).

Viele Branchenverbände kämpfen deshalb für ein besseres Image. Ein gutes Beispiel: das Bäckerhandwerk. Der zuständige Verband hat in den vergangenen Jahren eine groß angelegte Kampagne gefahren. “Back dir deine Zukunft”, wie die Kampagne hieß, erreichte mehr als 150.000 Gefällt-Mir-Klicks auf Facebook – ein voller Erfolg.

Ähnlich auffällig war auch die Kampagne des Deutschen Handwerkskammertags. Die blau-pinken Poster mit Sprüchen wie: “Am Anfang waren Himmel und Erde. Den Rest haben wir gemacht.” oder: “Such dir deine Lehrstelle. Bevor es deine Eltern tun”, sorgten für Aufmerksamkeit in den deutschen Innenstädten. Die erklärten Ziele der Kampagne: Das Image des Handwerks verbessern. Oftmals haben Jugendliche hier Vorurteile. Mit Informationen zum Beruf sollen sie dazu bewegt werden, über eine Lehrstelle nachzudenken.

Für Heiner Barz, Professor an der Universität Düsseldorf und Experte für Bildungsforschung, sind solche Kampagnen wichtig im Kampf um Auszubildende und auch Mitarbeiter. “Die Verbände sind als erste gefragt, wenn es darum geht, das Image der Branchen aufzubessern”, sagt er. Die Botschaft müsse aber sowohl über klassische Wege, als auch über digitale Kanäle kommuniziert werden – gerade für Auszubildende. Nur so würden neue Mitarbeiter aufmerksam.

Unternehmen müssen das Arbeitsumfeld attraktiver machen

An schlechten Arbeitsbedingungen und miesem Gehalt ändert aber auch eine Imagekampagne nicht. Hier seien die Unternehmen gefragt, den Arbeitnehmern ein attraktiveres Umfeld zu bieten. “Wenn ich schon einen Knochenjob mache, will ich immerhin gut bezahlt werden”, erklärt Experte Barz. Bei Maurern habe ein höheres Ausbildungsgehalt in nur wenigen Jahren geholfen, den Beruf gerade für junge Menschen wieder attraktiv zu machen, sagt der Bildungsforscher.

Neben geldwerten Leistungen könnten auch bessere Arbeitsbedingungen und das Arbeitsklima neue Mitarbeiter und Auszubildende anziehen, erklärt er. Ähnlich sieht das Bildungsforscherin Matthes vom BIBB und bringt noch einen dritten Akteur ins Spiel: die Politik. Bereits an den Schulen solle diese eine Berufsorientierung fördern, die sich stärker auf Ausbildungsberufe fokussiert und damit das Image wieder nach oben schraubt. Damit die Maßnahme erfolgreich wird, dürfe man sich nicht nur auf Gesamt- oder Realschulen konzentrieren. “Nach dem Gymnasium muss nicht und sollte nicht immer zwangsweise eine universitäre Ausbildung folgen”, sagt Matthes. Stattdessen sollten die Schüler bereits vorzeitig über Vorteile und Aufstiegschancen in Ausbildungsberufen aufgeklärt werden.

Von: Nils Wischmeyer, freier Journalist

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