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Kanzleien wieder beliebter

Immer mehr angehende Juristen, vor allem Frauen, zieht es als Anwälte in Kanzleien.
Foto: © Gina Sanders/Fotolia.de
Immer mehr angehende Juristen, vor allem Frauen, zieht es als Anwälte in Kanzleien.
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Am liebsten würden die Nachwuchsjuristen hierzulande im öffentlichen Sektor arbeiten. Wunscharbeitgeber Nummer eins bleibt das Auswärtige Amt. Die Europäische Kommission belegt Rang drei und das Bundeskriminalamt folgt auf dem vierten Platz. Auf den zweiten Rang schaffte es Freshfields Bruckhaus Deringer nach langem Abwärtstrend als einzige Kanzlei.

Die großen Kanzleien, die seit Jahren an Attraktivität eingebüßt hatten, sind in der Gunst der Kandidaten gegenüber dem Vorjahr um zehn Prozent gestiegen. Hengeler Mueller belegt den fünften Rang, CMS Hasche Sigle den sechsten. Wirtschaftsunternehmen sind für die Nachwuchsjuristen weniger attraktiv geworden. Die bestplatzierten Firmen sind BMW und AUDI auf den Plätzen sieben und acht. Rang neun acht belegen gemeinsam die Kanzleien Clifford Chance und Linklaters. Das sind Ergebnisse des aktuellen Trendence Graduate Barometers. Für die Studie hat das Trendence Institut von Mai bis Juni 2016 über 2000 Studierende und Referendare der Rechtswissenschaften sowie Volljuristen (High Potentials) befragt.

Immer mehr Frauen wollen Anwältin werden

Dass die Wirtschaftsunternehmen Bewerber mit juristischem Abschluss verlieren, liegt laut Studie zum einen daran, dass sich inzwischen deutlich mehr Frauen für eine Anwaltskarriere interessieren. Bei Juristinnen sind Kanzleien als Arbeitgeber so beliebt wie seit fünf Jahren nicht mehr. Neben Freshfields Bruckhaus Deringer überzeugen auch Hengeler Müller und CMS Hasche Sigle in diesem Jahr deutlich mehr Frauen davon, sich bei ihnen zu bewerben. Außerdem investieren Kanzleien, auch die kleineren, wieder stärker in die Nachwuchsgewinnung. Laut Trendence-Geschäftsführer Holger Koch haben die Kanzleien in den letzten Jahren erkannt, dass sie im Wettbewerb mit den Wirtschaftsunternehmen aktiv werden müssen und dass ein großes Potenzial im Recruiting speziell von Frauen liegt.

Brexit schafft erhöhte Nachfrage nach Wirtschaftsrechtlern

Auch der Austritt Großbritanniens aus der EU wirkt sich auf die Nachfrage nach Juristen aus. Durch den Brexit steige der Bedarf an Top-Juristen, die sich auf internationales Handels- und Kartellrecht spezialisiert haben, so Koch. Für Nachwuchsjuristen bedeute dies viele spannende Aufgaben in den großen Kanzleien für Wirtschaftsrecht – ein wichtiges Kriterium bei der Arbeitgeberwahl für 96 Prozent der Nachwuchsjuristen – und sie könnten sich mit der entsprechenden Spezialisierung den Arbeitgeber aussuchen.

Gender Pay Gap wird wieder kleiner

In diesem Jahr verlangen die Nachwuchsjuristen 9,3 Prozent mehr Gehalt als im vergangenen Jahr. Ihre Wunschgehälter sind von 66.500 Euro brutto auf 72.700 Euro gestiegen und liegen damit erstmals über 70.000 Euro. Ein Grund dafür ist der höhere Anstieg der Gehaltsforderungen der Frauen. Seit 2003 hatte sich der Gender Pay Gap vergrößert, in den vergangenen vier Jahren lag das Wunschgehalt der Nachwuchsjuristinnen immer 20 Prozent unter dem Wunschgehalt der Männer. In diesem Jahr nun erhöhten die Frauen ihre Forderungen um 7.900 Euro auf 67.400 Euro. Damit liegt ihr Wunschgehalt jetzt 13 Prozent unter dem der Männer und die Gehaltslücke hat wieder den Stand von 2003 erreicht.

Eine Übersicht über das komplette Ranking der beliebtesten hundert Arbeitgeber gibt es > hier.