Aktuelle Ausgabe

Newsletter

Abonnieren

Krise dämpft Einstellungsaktivitäten der Unternehmen


Offene Stelle
Neubesetzung oder nicht? Wegen der Corona-Krise sind Unternehmen bei Einstellungen zurückhaltend. Foto: © archimede-stock.adobe.com

Mit seiner regelmäßigen Erhebung untersucht das IAB, eine Forschungseinrichtung der Bundesagentur für Arbeit, das gesamte Stellenangebot in Deutschland, auch jene Jobs, die den Arbeitsagenturen nicht gemeldet werden. Im ersten Quartal 2021 lagen Antworten von rund 13.700 Arbeitgebern aller Wirtschaftsbereiche vor.

Für die ersten drei Monate dieses Jahres verzeichnet die IAB-Auswertung bundesweit 1,13 Millionen offene Stellen. Das sind 56.000 weniger Vakanzen als im vierten Quartal 2020. Gegenüber dem ersten Quartal des vergangenen Jahres stieg die Zahl der unbesetzten Jobs um 42.000, das entspricht einem Plus von rund vier Prozent. In Westdeutschland waren im ersten Quartal des aktuellen Jahres 874.000 offene Stellen zu besetzen, in Ostdeutschland gab es 253.000 Vakanzen. Insgesamt lassen die Zahlen nicht auf eine dramatische Entwicklung schließen, ein näherer Blick zeigt jedoch, dass die Arbeitgeber zögerlicher geworden sind, was die Umsetzung ihrer Rekrutierungspläne betrifft.

Jeder dritte Betrieb plant, offene Stellen erst später zu besetzen

Im Rahmen der Erhebung gaben die befragten Unternehmen sowohl die Zahl der Stellen an, die sie sofort besetzen wollten, als auch jene, die später besetzt werden sollen. Hier zeigt die Bestandsaufnahme, dass die Betriebe planten, ein Drittel (33 Prozent) der offenen Jobs erst später zu besetzen. Im vierten Quartal 2020 betrug dieser Anteil noch 18 Prozent – fast die Hälfte weniger als aktuell. Und auch im ersten Quartal des Vorjahres lag der Wert mit etwa 26 Prozent noch deutlich niedriger. Für IAB-Arbeitsmarktforscher Alexander Kubis wird hier sichtbar, dass sich die Unternehmen derzeit trotz vorhandener Einstellungswünsche zurückhalten: Betriebe, die vom Lockdown besonders stark betroffen sind, wissen, dass sie Personal benötigen, können den Einstellungszeitpunkt aber nicht genau planen und schweben in der Unsicherheit. Besonders trifft das beispielsweise auf Betriebe im Gastgewerbe zu, so Kubis.

Betriebe, die vom Lockdown besonders stark betroffen sind, wissen, dass
sie Personal benötigen, können den Einstellungszeitpunkt aber nicht
genau planen und schweben in der Unsicherheit.

Weniger Jobs im Handel, mehr im verarbeitenden Gewerbe

Neben dem Gastgewerbe ist der Einzelhandel weiterhin in hohem Maße von der Krise und den Lockdowns stark betroffen. Der Handel bot laut IAB im ersten Quartal dieses Jahres gemeinsam mit dem Bereich KFZ-Reparatur mit insgesamt 115.000 offenen Stellen fast ein Viertel (23 Prozent) weniger Jobs an als im Vorjahresquartal. Im Vergleich zum letzten Quartal 2020 ging das Jobangebot um ein Sechstel (16 Prozent) zurück. Die Folgen des wirtschaftlichen Einbruchs innerhalb eines Jahres auf den Arbeitsmarkt sind damit nicht zu übersehen. Es gab jedoch mit dem verarbeitenden Gewerbe sowie dem Bereich Verkehr und Lagerei auch Sektoren, die Anfang dieses Jahres etwas mehr Personal benötigten als im ersten und vierten Quartal 2020. Allerdings sei auch hier das Vorkrisenniveau noch nicht erreicht, stellt Kubis fest.

2020 kürzere Besetzungsdauer als in den beiden Vorjahren

Aus den Zeitreihen zu den offenen Stellen von 2010 bis zum vierten Quartal 2020 geht hervor, dass die Schwankungen des Jobangebots im Westen stets deutlicher ausfielen als im Osten. Auch wird ersichtlich, dass sich die Besetzungsdauer im letzten Jahr verkürzt hat, nachdem sie sich zuletzt in 2018 und 2019 verlängert hatte. 2019 lag die geplante Dauer zwischen Mitarbeitersuche und Arbeitsbeginn bei 60 Tagen, tatsächlich dauerte der Prozess jedoch 92 Tage. 2020 hingegen verringerte sich die Kluft zwischen Planung (57 Tage) und Arbeitsantritt (83 Tage) von 32 auf 26 Tage. Eine Erklärung für diese Entwicklung könnte sein, dass dem Arbeitsmarkt durch den krisenbedingten Anstieg der Arbeitslosigkeit mehr Jobsuchende zur Verfügung standen.

Die Daten von 2010 bis Ende 2020, unter anderem aufgeschlüsselt nach Wirtschaftszweigen und Unternehmensgrößen, stehen > hier als interaktive Grafiken bereit.

Ute Wolter ist freie Mitarbeiterin der Personalwirtschaft in Freiburg und verfasst regelmäßig News, Artikel und Interviews für die Webseite.