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Mal hell, mal ganz dunkel: Wie man Absolventen für Gespräche begeistert

Messehallen bestechen in der Regel durch helles Licht, freundliche Farben, Vier-Augen-Gesprächen zwischen Besuchern und Firmenvertretern. So auch beim diesjährigen Absolventenkongress in Köln. Doch ein Unternehmen ist mal einen ganz anderen Weg gegangen – und überraschte die junge Zielgruppe sehr.

Blackbox Absolventenkongress
Beim “Interview in the dark” wussten die Bewerber nicht, mit welchem Unternehmen sie sprechen und umgekehrt konnten die Recruiter sich voll auf das Gespräch konzentrieren. Bild: © Fotograf Marc Thürbach für Staufenbiel Institut

Überall gleißendes Licht: 250 Unternehmen buhlten auf dem Absolventenkongress 2017 in Köln um die Aufmerksamkeit der Top-Studenten und Absolventen aus der Republik. Nur an einem Ort drang kein Lichtstrahl durch, hier war es stockdunkel: die Recruiting-Blackbox. Durch eine Lichtschleuse gelangt man als Bewerber ins Innere. Ein Handlauf führt den Weg bis zum Stuhl. Der Recruiter sitzt gegenüber – jetzt zählt nur noch das Wort, auf beiden Seiten. “Wir haben nicht gesehen, welcher Kandidat uns gegenüber saß, das Outfit spielte keine Rolle, die Frisur war egal. Es kam einfach nur auf die Persönlichkeit an. Das hat völlig neue und spannende Gesprächssituationen geschaffen”, erläutert Anamaria Preuss, Sprecherin bei Aldi Süd. Das Discountunternehmen hatte diese neue Form der anonymen Bewerbung auf dem Kongress getestet.

Die Mehrzahl der Kandidaten neugierig machen

Das Feedback der Studenten und Absolventen war positiv. “Nahezu alle Bewerberinnen und Bewerber waren überrascht, dass sich Aldi Süd hinter der Blackbox befindet”, sagt Preuss. “Viele Interessenten sagten uns, dass sie das Unternehmen bis dato nicht als attraktiven Arbeitgeber wahrgenommen hatten. Wir haben auf diese Weise unser Ziel sehr gut erreichen können, die Mehrzahl der Kandidaten auf den Lebensmitteleinzelhandel neugierig zu machen.”

Neue Form des Recruiting

Mit der Blackbox als neue Form des Recruiting und der Ansprache von Hochschulabsolventen wollte das Unternehmen auch demonstrieren, dass es großen Wert auf Vielfalt und Diversity legt. Chancengleichheit, ein offener und respektvoller Umgang seien grundlegende Elemente der Unternehmenskultur. “Auch das ist ein wichtiger Faktor für Studenten bei der Berufswahl”, ist Anamaria Preuss überzeugt. Dass in der Blackbox Personaler von Aldi Süd sitzen, weiß am ersten Messetag noch keiner der Besucher. In der Einladung hieß es lediglich: “Du führst ein Vorstellungsgespräch in völliger Dunkelheit und weißt dabei nicht einmal, um welches Unternehmen es geht.”

Ansprache der Generation Y

Nicht nur die Recruiter von Aldi Süd lassen sich neue Konzepte einfallen, um Talente für ihr Unternehmen anzusprechen und zu begeistern. Viele Arbeitgeber experimentieren mit der optimalen  Ansprache der Generation Y. Auf dem überregionalen Absolventenkongress, der dieses Jahr mit neuem Claim und neuem Auftritt neu erfunden hat, gab es neben der Blackbox auch eine Start-up-Zone, auf der die Gründer nicht nur neue Mitarbeiter, sondern auch Mitstreiter für ihre Ideen suchten und so zur Mitarbeit in ihrem Start-up eingeladen haben. Neben Klassikern wie CV-Checks oder kostenlosen Bewerbungsfotos, gab es an den Ständen mehrerer Unternehmen auch Coachings, etwa bei MLP oder Hays.
Ergänzt wurde das Programm durch “Topmanager-Speeches”, Insider-Talks zum Beispiel zum Thema Künstliche Intelligenz oder Trainee-Programme und Direkteinstieg (“Was passt zu wem?”). Immer diskutierten erfahrene Personaler und Nachwuchsmanager mit und gewährten einen Blick hinter die Kulissen. Das kam gut an. Studenten und Absolventen nutzten neben den vielen Gelegenheiten, mit Arbeitgebern ins direkte Gespräch über ihre Zukunftsperspektiven zu kommen, auch das Rahmenprogramm der Karrieremesse, das insgesamt aus über 100 Angeboten bestand.
Auch die verschiedenen “Areas” haben sich auf dem Absolventenkongress mittlerweile etabliert. 2017 gab es mehr Areas als je zuvor: unter anderem die Automotive Area mit Speed-Dates und Vorträgen oder die Finance Area mit einem Quizduell. Im Umfeld der Consulting Area gab es den “Hot Seat”. Bei diesem Format konnten Bewerber anonym ihre Fragen einreichen, auch solche, die sie im persönlichen Gespräch so vielleicht nicht stellen würden.

Das direkte Gespräch mit Personalern

Welche weiteren neuen Konzepte sich die Arbeitgeber, die Hochschulabsolventen suchen, einfallen lassen, wird spannend. Eins ist sicher: Die Zielgruppe Studenten und Absolventen, obwohl kaum von Smartphone und Laptop zu trennen, findet das direkte Gespräch mit Personalern gut. Auch wenn es mal im Dunkeln und dann wieder in gleißendem Licht stattfindet.

Autor: Thomas Friedenberger, Karriereberater und Redakteur, Staufenbiel Institut (www.staufenbiel.de),
thomas.friedenberger@staufenbiel.de