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Was Frauen von Karrieren in der ITK-Branche abhält

Frau reitet auf einer Datenwelle
Dass nicht mehr Frauen souverän auf der Datenwelle surfen und Karriere in der IT machen, hat mehrere Ursachen.
Foto: © Konstantin Hermann/StockAdobe

Warum gibt es hierzulande in der IT- und Telekommunikations-branche so wenige Frauen in Führungspositionen? Der Digitalverband Bitkom suchte bei Personal- verantwortlichen der Unternehmen nach Antworten. Danach ist die schwierige Vereinbarkeit von Beruf und Familie der wichtigste Grund. Allerdings stellen die Arbeitgeber auch fest, dass gar nicht genügend qualifizierte Frauen zur Auswahl stehen.

Was viele weibliche Karrieren ausbremst, die ungenügende Vereinbarkeit von Job und Familie, gilt für die ITK-Branche erst recht: Sechs von zehn Personalverantwortlichen (62 Prozent) in deutschen Digitalunternehmen denken, dass die mangelnde Infrastruktur der Kinderbetreuung ein Grund für den geringen Frauenanteil in Führungspositionen ist. Rund jeder Zweite (52 Prozent) nennt ungünstige Arbeitszeiten und die vorherrschende Präsenzkultur als entscheidende Faktoren. Genauso viele Befragte sehen Hürden beim Wiedereinstieg wie zum Beispiel fehlenden Kontakt während der Elternzeit als Grund. Immerhin 45 Prozent sind der Ansicht, es gäbe die sogenannte gläserne Decke in ihren Unternehmen und glauben, dass Männer gegenüber ebenso leistungsfähigen Frauen bevorzugt werden – damit stellen sich die Unternehmen selbst ein schlechtes Zeugnis aus. Das sind Ergebnisse einer repräsentativen Befragung im Auftrag des Digitalverbands > Bitkom, an der 504 Unternehmen der ITK-Branche teilgenommen haben. Befragt wurden HR-Manager, Diversity-Verantwortliche, Frauen-/Gleichstellungsbeauftragte und Geschäftsführer.

Wirtschaft und Politik sind gefragt, eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu ermöglichen. Dazu zählen flexible Arbeitszeitmodelle wie etwa Jobsharing und der weitere Ausbau von Kinderbetreuungseinrichtungen,

kommentiert Bitkom-Präsident Achim Berg die Befragungsergebnisse.

Schülerinnen in MINT-Fächern zu wenig gefördert

Abgesehen von der schlechten Work Life Balance, die offenbar vor allem Frauen abschreckt, in der ITK-Branche Karriere zu machen, liegen die Ursachen nach Ansicht der Befragten bereits in der Ausbildung: 46 Prozent finden, dass Mädchen in MINT-Fächern (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) in der Schule nicht ausreichend gefördert werden. Es sei wichtig, Schüler für digitale Technologien zu begeistern und dabei keine Unterschiede zwischen den Geschlechtern zu machen, findet Berg. Die Erfahrung zeige, dass selbst talentierte Mädchen ihr Interesse an technischen Themen verlieren, wenn sie nicht gezielt gefördert werden, sagte Berg anlässlich des Girls‘ Day am 28. März.

Zu wenig weiblicher Nachwuchs für IT-Karrieren

Bereits bedingt durch das immer noch geringere Interesse von Mädchen an MINT-Themen ergreifen auch nur wenige Frauen Berufe in der ITK-Branche. Jeder vierte Befragte (25 Prozent) denkt, die Branche sei für Frauen weniger attraktiv. Fast zwei Drittel der Studienteilnehmer (61 Prozent) stellen fest, dass die Anzahl qualifizierter weiblicher Kandidaten für Führungsposition schlicht zu gering ist. Rund jeder Fünfte (22 Prozent) sieht die Ursache für den geringen Anteil weiblicher Führungskräfte in der Branche in traditionellen Rollenbildern. Auch denkt rund jeder achte Personaler (13 Prozent), dass fehlende Netzwerke für Frauen eine Rolle spielen. Darüber hinaus findet knapp jeder Zweite (47 Prozent), dass Frauen sich schlechter vermarkten.

Ute Wolter ist freie Mitarbeiterin der Personalwirtschaft in Freiburg und verfasst regelmäßig News, Artikel und Interviews für die Webseite.