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Mehr als Bewachen und Saubermachen

Security-Mann mit verschränkten Armen
Bild: SENTELLO/Fotolia.de

Wenn Volker Hofmann von den Problemen seiner Branche spricht, spricht er nicht vom Fachkräftemangel, sondern gleich vom Arbeitskräftemangel. Der Prokurist und Leiter der Personalabteilung bei Kötter, einem Dienstleister mit Schwerpunkten in den Bereichen Security und Cleaning, kämpft bereits seit Jahren gegen sinkende Bewerberzahlen. Der schlechte Ruf der Branche und oftmals falsche Vorstellungen der Bewerber machen es der Firma in Essen nicht leicht.

Sicherheitsfachleute: Hier braucht es mehr als Muskeln

Gleichzeitig steigen die Anforderungen für die Mitarbeiter stetig. Schon jetzt erfordern auch einfache Jobs in der Sicherheitsbranche mehr und mehr technisches Know-how, etwa zur Bedienung von Sicherheitsanlagen. Die Sicherung von sensiblen Einrichtungen, wie etwa Flüchtlingsunterkünften, erfordere zudem eine erhöhte Qualifikation der Mitarbeiter. Hierzu gehöre etwa der Umgang mit traumatisierten Flüchtlingen, wofür die Mitarbeiter gerade im Bereich der Deeskalation geschult werden müssen.

Einfacher macht es das für Kötter nicht. Sie müssen Bewerber finden, die entweder eine solche Qualifikation schon haben oder sie weiterbilden. Besonders die Suche nach qualifizierten Mitarbeiter auf diesem Gebiet sei schwierig, da die Zahl der Mitarbeiter mit entsprechender Qualifikation gering ist. Dementsprechend gefragt sind sie in der ganzen Branche. Der andere Weg: Sie werden geschult. Das aber kostet Geld und auch Zeit, wie Hofmann erklärt. Zwar habe man eine eigene Akademie für Fortbildungen, doch dauere es, die nötige Zahl an Mitarbeitern weiterzubilden. Die kurzfristigen Engpässe könne das nicht lösen.

Wer will schon Reinigungsfachkraft werden?

Die Probleme beginnen für Hoffmann oft schon früher. “Viele Interessenten haben teils immer noch falsche Vorstellungen von unseren Branchen und bewerben sich deshalb erst gar nicht auf einen Job bei uns”, sagt Hofmann. Als Beispiel führt er den Bereich Kötter Cleaning an: “Bewerber stellen sich unter Reinigung oftmals ausschließlich die klassische Büroreinigung vor. Es ist ihnen nicht bewusst, dass gerade hier auch modernste Technik eingesetzt wird und komplexe Tätigkeiten auf unsere Mitarbeiter warten”, sagt er. In bestimmten Reinigungsbereichen müssen die Mitarbeiter gar mit Trockeneis arbeiten. “Das ist alles andere als lapidar”, so Hofmann. Um die falschen Vorstellungen aus der Welt zu schaffen und das Berufsbild besser darzustellen, arbeitet Kötter immer wieder mit den Branchenverbänden zusammen und nimmt an Kampagnen teil.

Eine Website ist Pflicht, nicht die Kür

Sehr viel direktere und auch kurzfristig wirksame Maßnahmen hat Kötter im eigenen Recruiting umgesetzt. Bei der Ansprache stellt sich der Familienbetrieb gezielt breit auf. Neue Mitarbeiter und auch Auszubildende sucht Kötter unter anderem über Online-Stellenbörsen, Social Media, klassische Printanzeigen, Plakatkampagnen, Radio-Spots oder auch in Kooperation mit der Arbeitsagentur. Frei nach dem Motto: Mehr ist mehr. Hofmann sagt dazu: “Wir machen Dampf.”

Zusätzlich dazu setzt das Familienunternehmen auf seinen Auftritt im Internet. “Machen wir uns nichts vor: Das ist die Pflicht, nicht die Kür.” Deshalb versuche man sich von anderen Unternehmen abzuheben, habe die Seite modern gestaltet und ein eigenes Karriereportal aufgebaut. Zusätzlich hat die Firma einen “Job Alarm” eingerichtet. Interessierte bekommen eine E-Mail, sollte ein Stelle frei werden. So will Hofmann die Bewerber direkt ansprechen statt darauf zu hoffen, dass sie von sich aus auf der Seite von Kötter suchen.

Doch selbst wenn viele Bewerbungen eingehen, ist noch lange kein Mitarbeiter gefunden. “Wir finden nicht immer die passenden Bewerber”, sagt Hofmann. Häufig seien Mitarbeiter verwundert, dass die Arbeit kein klassischer Nine-to-five-Job sei. Wenn er ihnen erzählt, dass auch nachts, in den Morgenstunden oder am Wochenende gearbeitet wird, schrecken sie zurück. “Für viele Mitarbeiter sind ungewöhnliche Arbeitszeiten, also solche außerhalb der klassischen Bürozeiten, natürlich nach wie vor ein Hindernis”, sagt er. Um dem entgegenzuwirken, geht das Unternehmen in Gesprächen sehr offen mit diesem Thema um. Den Bewerbern soll klargemacht werden: Ihr könnt Beruf und Privatleben bei uns trotzdem unter einen Hut bringen. Das zu vermitteln, klappt aber nicht mehr. 

Hohe Löhne, um Mitarbeiter zu binden

Umso wichtiger ist es, gute Mitarbeiter zu binden. Kötter spielt hier die Geldkarte aus und bezahlt eigenen Angaben zufolge übertariflich. Je nach Stelle erreichen die Mitarbeiter so einen Monatslohn von 2.200 Euro brutto für einfache Dienste oder über 3.000 Euro brutto für anspruchsvollere Aufgaben. Ein Gehalt, welches dem eines Polizeibeamten gleichkommt. 

Darüber hinaus bietet das Unternehmen eigenen Angaben zufolge “sichere und krisenfeste Arbeitsplätze”, sowie einige Aus- und Weiterbildungsangebote. Auszubildende und Mitarbeiter werden in speziell eingerichteten Kötter-Akademien ausgebildet und geschult. Das Angebot reicht von einfachen Maßnahmen, wie etwa einem Englisch-Kurs oder der Bedienung von Microsoft Office, über die Schulung zu neuer Technik im Sicherheitsbereich,  bis hin zu Schulungen in der Deeskalation oder dem Konfliktmanagement, die beispielsweise bei der Sicherung von Flüchtlingsunterkünften wichtig sind. Zudem können Mitarbeiter sich individuell weiterbilden. Das Ziel: Die Fluktuation so gering wie möglich halten. Hofmann: “Jeder Prozentpunkt, den die Fluktuationsrate sinkt, lindert den Rekrutierungsdruck.” 

Von: Nils Wischmeyer, freier Journalist

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