Aktuelle Ausgabe

Newsletter

Abonnieren

Mehr als jeder dritte Student ist skeptisch

Die meisten Studierenden, die bereits mindestens einmal ein Bewertungsportal besucht haben, nehmen die dort bereitgestellten Informationen als ziemlich hilfreich (47 Prozent) oder sehr hilfreich (16 Prozent) wahr. Doch immerhin mehr als ein Viertel (29 Prozent) empfindet die Angaben auf diesen Plattformen als wenig hilfreich und acht Prozent halten sie für gar nicht hilfreich. Über die Hälfte (59 Prozent) hat so ein Portal bei der Suche nach einem Job noch nie genutzt. Auch hat nur gut jeder Zehnte (zwölf Prozent) bereits selbst eine Bewertung über einen Arbeitgeber verfasst. Das zeigt der aktuelle > Unicensus kompakt von Univativ. Im Januar und Februar 2016 befragte der Personaldienstleister dafür 1.034 Studierende in Deutschland.

Zweifel an der Vertrauenswürdigkeit

Die Zurückhaltung im Hinblick auf Bewertungsportale für Arbeitgeber lässt laut Studie darauf schließen, dass die Studierenden der Glaubwürdigkeit der Angaben von Unternehmen und Nutzern nicht vertrauen. Attraktivere Informationsquellen seien Karrierewebseiten der Unternehmen, der Besuch von Jobmessen sowie persönliche Empfehlungen, kommentiert Olaf Kempin, Gründer und Co-Geschäftsführer von Univativ, die Umfrageergebnisse. Dabei böten Bewertungsportale auch Studenten auf der Suche nach einem Praktikum oder einem Studentenjob nützliche Informationen, so Kempin.

Bewertungen mit Bedacht lesen

Doch wie sollten Jobsuchende mit den Informationen aus Arbeitgeberbewertungsportalen umgehen? Die Stellenausschreibung sieht vielleicht nach Traumjob aus, aber das Unternehmen hat schlechte Bewertungen bekommen. In einer Expertenrunde ging Olaf Kempin mit Wissenschaftlern dieser und anderen Fragen auf den Grund. Grob könne man sich auf sein Bauchgefühl verlassen, so die Experten. Ansonsten gelte grundsätzlich: Je konkreter eine Aussage, desto glaubwürdiger und hilfreicher ist sie. Besonders pauschale, unspezifische Kritik sollte man mit Bedacht würdigen.

Auch lassen sich die Nutzer von negativen Bewertungen eher beeinflussen als von positiven, sie werden stärker gewichtet als positive Angaben, vermuten die Forscher. Wenn etwa zwei, drei zu Recht gekündigte Mitarbeiter Dampf ablassen wollten, könne das schon ein falsches Bild erzeugen, sagt Roland Kretzschmar, Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl Marketing der Uni Gießen und Dozent an der FOM – Hochschule für Ökonomie und Management in Frankfurt am Main. Grundlegend sind sich alle Experten einig: Wie belastbar eine Aussage wirklich ist, bestimmt der Einzelfall.

Ob positiv oder negativ – je mehr Bewertungen geschrieben werden, desto eher lassen sich auch verlässliche Rückschlüsse ziehen, von denen wir am Ende alle früher oder später profitieren können,

sagt Kempin, schränkt aber ein, dass zum Beispiel sehr viele Bewertungen bei einem kleinen Startup Raum zur Spekulation ließen. Das Verhältnis von Anzahl der Bewertungen zu Zahl der Mitarbeiter sollte realistisch und auch der Zeitraum, seit wann das Unternehmen auf der Plattform bewertet wird, müsse beachtet werden.

Trend zu mehr Transparenz

Mittlerweile fordern Unternehmen vermehrt ihre Mitarbeiter auf, sie öffentlich zu bewerten. Dieser Trend hin zu mehr Transparenz sei positiv, sagt Armin Trost, Professor für Human Resource Management an der Hochschule Furtwangen. Er gibt aber zu bedenken, dass Unternehmen diesen Schritt nur wagen, wenn sie das Risiko abwägen können, also insgesamt eine große Zufriedenheit unter den Mitarbeitern herrscht.

Konkrete Angaben an eigenen Vorstellungen messen

Wonach gilt es also zu achten? Oberflächliche Aussagen, etwa, der Arbeitgeber sei cool, bringen nichts. Da seien explizite Angaben dazu, ob Arbeiten im Homeoffice erlaubt ist oder es Firmenwagen erst ab der Führungsebene gibt, mehr wert. Als Jobsuchender sollte man sich ganz konkret auf die Suche nach den Aspekten gehen, die einem tatsächlich wichtig sind, um ein Bild davon zu bekommen, ob man sich im zukünftigen Unternehmen wohlfühlen kann.

Die wichtigsten Kriterien zur eigenen zukünftigen Zufriedenheit stecken leider in den Arbeitsaufgaben, also in der Tätigkeit selbst. Hier lässt sich nur in wenigen Fällen von den Angaben anderer auf die eigenen Tätigkeiten schließen,

so Kretzschmar. Aussagen zur Handlungsfreiheit, Entscheidungsfreiheit, zur Aufgabenvielfalt, Anforderungsvielfalt und zur Sinnhaftigkeit der Arbeitsinhalte seien aber gute Indikatoren für die Herangehensweise an die Arbeitsgestaltung – und damit für die eigenen zukünftigen Tätigkeiten.

Ansonsten, so die Experten, sollten Jobsuchende sich nicht ausschließlich auf die Aussagen in Bewertungsportalen verlassen, sondern sie vor allem als erste Informationen bewerten. Bei Zweifeln an der Authentizität der Bewertungen sollten sie in ihrem persönlichen Umfeld nach einem Mitarbeiter des Unternehmens suchen, der ihnen aus eigener Erfahrung berichten kann. Auch Kontakte über Netzwerke wie LinkedIn und XING Kontakte können den ersten Eindruck abrunden.

Kununu liegt vorn

Im Rahmen des Unicensus kompakt wurde auch die Relevanz der existierenden Bewertungsportale untersucht. Danach liegt Kununu auch bei Studenten bei der Jobsuche mit 23 Prozent an erster Stelle, gefolgt vom 2006 gegründeten deutschen Pionier “Jobvoting” (acht Prozent) und dem 2010 eingeführten Portal “meinChef” (sechs Prozent). Auf den weiteren Rängen folgen Bizzwatch mit drei und der jüngste Marktteilnehmer Glassdoor mit zwei Prozent. Glassdoor wurde 2007 in den USA ins Leben gerufen und besitzt seit Anfang 2015 einen deutschen Ableger.

Wie Unternehmen am besten mit Arbeitgeberbewertungsportalen umgehen sollten, dazu hat Olaf Kempin von Univativ ein paar > Tipps zusammengefasst.