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Mehr als jeder vierte Rentner in Deutschland arbeitet

Eine ältere Frau Raumpflegerin mit Putzutensilien sieht erschöpft aus
Arbeiten als Rentnerin – für viele sicher kein Spaß, sondern pure Notwendigkeit. Foto: © Robert Kneschke/Fotolia.de

28 Prozent der männlichen und 31 Prozent der weiblichen Rentner hierzulande sind zumindest in den ersten drei Jahren nach dem Übergang in die Altersrente weiter erwerbstätig. Von jenen, die nicht mehr arbeiten, würden dies jedoch 20 Prozent der Männer und 13 Prozent der Frauen gern tun. Wer bis zum Renteneintritt gearbeitet hat, geht auch danach öfter einer Erwerbstätigkeit nach: Bei den Frauen liegt die Wahrscheinlichkeit bei 41 Prozent gegenüber 26 Prozent der Frauen, die nicht bis zum Rentenalter gearbeitet haben. Bei Männern liegen die Anteile bei 31 beziehungsweise 24 Prozent. Das geht aus einer aktuellen Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), einem Forschungsinstitut der Bundesagentur für Arbeit, hervor. Die Erhebung beruht auf den Angaben von rund 1000 Personen im Alter von 58 bis 69 Jahren.

Von jenen Menschen, die in der Zeit der Berufstätigkeit ein Einkommen von unter 1000 Euro hatten, sind 29 Prozent der Rentnerinnen und 26 Prozent der Rentner erwerbstätig, während bei einem bisherigen Einkommen von 2500 Euro 58 Prozent der Frauen und 59 Prozent der Männer weiter arbeiten. Wie es bei höheren Gehältern aussieht, geht aus der Studie nicht hervor.

Spaß an der Arbeit und soziale Kontakte sind wichtige Motive

Bei den Motiven dafür, auch im Rentenalter zu arbeiten, liegen laut Studie Freude an der Arbeit und soziale Aspekte vorn, gefolgt von finanziellen Gründen. 95 Prozent der Frauen und 94 Prozent der Männer, die neben der Rente weiter erwerbstätig sind oder dies wollen, bewerteten die Aussage “Habe Spaß an der Arbeit” mit “trifft völlig zu” oder “trifft eher zu”. Jeweils 92 Prozent der Männer und Frauen stimmten der Aussage zu, Kontakt zu anderen Menschen zu brauchen.

Vor allem Frauen brauchen neben der Rente zusätzliche Einkünfte

Die Studie hebt vor allem den sozialen Aspekt des Arbeitens als Rentner hervor; das Geld sei “auch” wichtig, heißt es abschwächend. Immerhin gab jedoch mehr als jeder zweite Befragten finanzielle Gründe für den Job im Rentenalter an: Von den Männern sagten 53 Prozent (29 Prozent “trifft völlig zu” und 24 Prozent “trifft eher zu”), sie bräuchten das Geld. Bei den Frauen ist der Anteil derjenigen, die auf einen Hinzuverdienst zur Altersrente angewiesen sind, noch höher: 70 Prozent (42 Prozent “trifft völlig zu”, 28 Prozent “trifft eher zu”) gaben dies an. Eine mögliche Erklärung dafür sei, dass Frauen im Durschnitt über eine geringere Rente verfügten, so das IAB.

Je geringer das Einkommen, umso häufiger ist Erwerbstätigkeit im Alter notwendig

Untersucht wurde auch der Zusammenhang zwischen finanziellen Gründen und dem Haushaltseinkommen. Hier zeigt sich deutlich, dass Menschen mit geringerem Einkommen das zusätzliche Geld eher zur Existenzsicherung benötigen als Rentner mit höherem Haushaltseinkommen. Von den Studienteilnehmern mit einem Einkommen unter 750 Euro geben 89 Prozent finanzielle Motive für die Erwerbstätigkeit im Rentenalter an, bei einem verfügbaren Haushaltseinkommen von 750 bis unter 1250 Euro sind es 70 Prozent, bei 1250 bis unter 1750 Euro sagen dies 56 Prozent. Bei 1750 bis unter 2250 Euro geben es 60 Prozent an, bei 2250 bis unter 3000 Euro sagen dies immerhin noch 51 Prozent und bei mehr als 3000 Euro sind es 37 Prozent. Dabei ist der Anteil jener, die “trifft voll zu” angegeben haben, in den unteren drei Einkommensgruppen erheblich höher als der, die “trifft eher zu” anführen. Bei höherem Einkommen dreht sich dieses Verhältnis um, woraus die Studienautoren schließen, dass der zusätzliche Verdienst als Rentner dort vor allem zur Erhaltung des Lebensstandards und weniger zur Existenzsicherung dient.

Die Studienergebnisse stehen in einem Kurzbericht zum > Download bereit.

Ute Wolter ist freie Mitarbeiterin der Personalwirtschaft in Freiburg und verfasst regelmäßig News, Artikel und Interviews für die Webseite.