Aktuelle Ausgabe

Newsletter

Abonnieren

Jobsuche: Mittelstand bei Bewerbern Verlierer der Krise

Rote Ampel hinter Verkehrsschild mit Aufschrift
In der Corona-Krise büßen mittelständische Arbeitgeber bei den meisten Jobsuchenden an Beliebtheit ein. Foto: © hkama-stock.adobe.com

Sowohl Young Professionals als auch angehende Berufseinsteiger drängt es momentan nicht zu mittelständischen Arbeitgebern. Stattdessen werden Konzerne attraktiver, die vor allem bei Absolventen ohnehin schon beliebt waren. Lediglich Schüler liebäugeln etwas derzeit stärker mit KMU als vorher. Das zeigt der aktuelle HR Monitor von Trendence, für den monatlich im Schnitt 2000 Deutsche befragt werden.

Jeder Dritte Jobsuchende ändert Präferenzen in Bezug auf künftige Arbeitgeber

Die Teilnehmer wurden dabei gefragt, welchen Unternehmenstypen sie am ehesten zutrauen, durch die Krise zu kommen und sich in einer digitaler werden Arbeitswelt am besten aufzustellen. Die Antworten zeigen, dass sich bei durchschnittlich jedem Dritten – von Schülern bis zu Fachkräften mit Berufserfahrung – seit dem letzten Sommer die Präferenzen verschoben haben. Dabei zeigt die Tendenz, dass kleine und mittelständische Unternehmen auch hinsichtlich der Attraktivität als Arbeitgeber die Verlierer der Krise sind.

Überdurchschnittlich viele dieser Betriebe mussten wegen den Auswirkungen der Corona-Pandemie bereits Insolvenz anmelden und die Menschen gehen offenbar davon aus, dass die Existenz des Mittelstands längerfristig gefährdet ist. Gerade jetzt dürfte also das Thema Employer Branding für mittelständische Unternehmen noch wichtiger.

Mittelständische Arbeitgeber sinken vor allem in der Gunst von Hochschulabsolventen

Derzeit am meisten an Beliebtheit eingebüßt haben KMU beim akademischen Nachwuchs: Während sich im Juni 2020 noch rund 44 Prozent der Absolventen dort bewerben wollten, sind es jetzt lediglich 25 Prozent. Auch zu Familienunternehmen zieht es nur noch 20 Prozent gegenüber 28 Prozent Mitte des letzten Jahres. Profiteure sind die Konzerne: Dort würden aktuell gern 58 Prozent arbeiten gegenüber noch 44 Prozent im Vorjahr.

Konzerne legen auch bei Fachkräften und Young Professionals zu

Auch Young Professionals finden den Mittelstand zunehmend uninteressanter: Bei ihnen sank die Attraktivität von 34 auf 27 Prozent. Insgesamt verloren bei dieser Gruppe aber alle Unternehmensgrößen an Beliebtheit bis auf die vorher schon begehrten Konzerne, die knapp ein Prozent hinzugewannen und auf 49 Prozent kommen. Bei den nichtakademischen Fachkräften setzen noch 22 Prozent auf KMU, während es im Juni noch 28 Prozent waren. Auch wollen acht Prozent weniger als vor einem Dreivierteljahr in Familienunternehmen arbeiten – das ist der größte Rückgang aller vier untersuchten Arbeitsmarktgruppen. Für nichtakademische Fachkräfte wurden Konzerne ebenfalls attraktiver.

Konzernen wird vielfach eine große Jobsicherheit als Attraktivitätsmerkmal zugeschrieben. Und die liegt derzeit besonders hoch im Kurs,

kommentiert Robindro Ullah, Geschäftsführer von Trendence. Die Daten ließen darauf schließen, dass die Sicherheit Anfang dieses Jahres das Gehalt als Hauptkriterium bei der Arbeitgeberwahl abgelöst hat. Konzerne würden in Krisenzeiten als deutlich resilienter wahrgenommen.

Pharmaunternehmen gehören zu den beliebtesten Branchen

Darüber hinaus wirkt sich die Corona-Krise auch darauf aus, in welcher Branche die Befragten die besten Perspektiven für sich sehen: Als Arbeitgeber besonders gefragt sind Pharma-, IT- und Beratungsfirmen. Die Menschen scheinen zu erwarten, dass die Pharmaindustrie nicht nur jetzt, sondern auch weiterhin einen besonders guten Stand hat und dass es im Zuge der zunehmenden Digitalisierung einen großen Bedarf an entsprechenden Experten geben wird.

Ausreißer: Nur bei Schülern wird der Mittelstand begehrter

Eine Ausnahme hinsichtlich der Beliebtheit nach Unternehmensgröße bilden die Schüler: Bei ihnen hat sie Attraktivität von Konzernen im letzten halben Jahr um gut drei Prozent abgenommen, während die Beliebtheit von mittelständischen Betrieben ein Plus von sieben Prozent verzeichnet. Der öffentliche Dienst als Arbeitgeber hat seit Juni noch einmal um elf Prozent zugelegt und erreicht 45 Prozent. Das zeigt, dass auch die jüngste angehende Arbeitsmarktsituation sehr sicherheitsorientiert ist, sich für den Einstieg aber nicht unbedingt ein Großunternehmen wünscht.

In einem eigenen Beitrag haben wir aufgeschrieben, welche Chancen Personaler haben, im Mittelstand Karriere zu machen.

Ute Wolter ist freie Mitarbeiterin der Personalwirtschaft in Freiburg und verfasst regelmäßig News, Artikel und Interviews für die Webseite.