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Geänderte Nachfragestruktur im Zeitarbeitsmarkt

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In der Corona-Krise erwarten Zeitarbeitsunternehmen Umsatzeinbußen.
Foto: © vegefox.com-stock.adobe.com

In Deutschland gehen 87 Prozent der Zeitarbeitsunternehmen von einer negativen Umsatzentwicklung im laufenden Geschäftsjahr aus. Drei Viertel der Dienstleister rechnen für 2020 mit einem Umsatzrückgang von mehr als 20 Prozent. Für das kommende Jahr erwartet rund die Hälfte (53 Prozent) eine Erholung. Vier von zehn Unternehmen (39 Prozent) prognostizieren für 2021 ein Wachstum von mehr als zehn Prozent. Das sind Ergebnisse einer Blitzumfrage von > Lünendonk zu den Auswirkungen der Corona-Krise auf Business-to-Business-Dienstleistungsunternehmen.

Zeitarbeitsmarkt steht vor Neuorientierung

Laut Lünendonk steht der Zeitarbeitsmarkt derzeit vor einer Neuorientierung. Die Gründe dafür seien veränderte Anforderungen an flexibles Personal durch die Transformation der Industrie hin zu CO2-Neutralität, die Digitalisierung und der strukturelle Fachkräftemangel sowie zunehmende Regulierung.

Fast neun von zehn Dienstleistern erwarten Umsatzeinbußen

Die aktuelle Blitzumfrage aktualisiert bisherige Prognosen und Erwartungen führender Unternehmen. Danach rechnet mehr als die Hälfte (57 Prozent) der Unternehmen für dieses Jahr mit einem Umsatzrückgang. Bei Personaldienstleistern sind es sogar 87 Prozent. Knapp 70 Prozent davon erwarten Umsatzabweichungen von über 20 Prozent zum Plan. Ähnlich pessimistisch sind nur noch Instandhaltungsdienstleister. Sowohl die Zeitarbeit als auch externe Instandhaltungsdienstleister wirken laut den Befragungen als Flexibilisierungsinstrument für den Wirtschaftsstandort Deutschland. Andere B2B-Service-Märkte seien weniger konjunkturabhängig und agierten in längerfristigen Projekten und Vertragsbeziehungen, heißt es.

Trotz der zu erwartenden geringeren Nachfrage an flexiblem Personal verzeichnen viele Dienstleister weiter eine Nachfrage an externen Mitarbeitern. Vor allem Unternehmen aus der systemrelevanten Industrie, Logistik und Lebensmitteleinzelhandel, sind bei Leistungsspitzen auf Zeitarbeit angewiesen,

kommentiert Thomas Ball, Partner bei Lünendonk und Autor der Zeitarbeitsstudie, die Befragungsergebnisse. Zeitarbeitsunternehmen hätten vielerorts zudem den spontanen Personalbedarf aufgrund hoher Krankenstände kompensiert, so Ball. Für die Studie “Zeitarbeitsunternehmen in Deutschland” wurden 71 Unternehmen befragt, die zusammen rund 261 000 Zeitarbeitnehmer beschäftigen. Sie zeigt außerdem, dass vor allem diejenigen Firmen überdurchschnittlich erfolgreich sind, die auf intensive Partnerschaft mit ihren Kundenunternehmen setzen. Merkmale hierfür seien zum Beispiel lange Kundenbeziehungen, ein detailliertes Verständnis der Anforderungen und eine zuverlässige Überlassung von qualifizierten Kräften.

Personalvermittlung und Beratungsleistungen werden wichtiger

Ein weiteres Ergebnis der Studie: Neben der klassischen Arbeitnehmerüberlassung gewinnen für die Teilnehmer andere Leistungsangebote an Bedeutung. So sei es eine Folge des strukturellen Personalmangels, dass Kundenunternehmen stärker Personalvermittlungs- und Beratungsleistungen nachfragen. Der Bereich Personalvermittlung legte leicht um 0,6 Prozent zu und macht jetzt 3,2 Prozent des durchschnittlichen Leistungsspektrums der befragten Unternehmen aus. Zwei der befragten Dienstleister haben diese Leistung letztes Jahr neu in ihr Portfolio aufgenommen. Im Mittelpunkt der Personalvermittlung stehen Bürokräfte (sechs Prozent), wobei Finanzservices gesondert betrachtet werden. Die Umsätze mit der Vermittlung von IT-Kräften stiegen von 5,6 Prozent im Vorjahr auf neun Prozent. Auch bei Pflegeservices nahmen die Umsätze von 2,7 auf 5,7 Prozent zu.

Ute Wolter ist freie Mitarbeiterin der Personalwirtschaft in Freiburg und verfasst regelmäßig News, Artikel und Interviews für die Webseite.