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„Offenheit und Aufgeschlossenheit entscheiden“

Foto: Königsteiner Agentur
Foto: Königsteiner Agentur

Personalwirtschaft: Wir gratulieren zum Jubiläum. Sie haben am Wochenende mit der Königsteiner Agentur Ihr 50-jähriges Bestehen gefeiert – an der Ostsee, mit über 250 Mitarbeitern.

Ralf Kuncser: Das war ein absolutes Highlight in unserem Jubiläumsjahr. Es gehört für uns dazu, schöne Erlebnisse zu teilen und Erfolge gemeinsam zu feiern. Das ist eine Frage der Wertschätzung, und diese Wertschätzung  kommt zurück.

Wolfgang Weber: Viele unserer Kolleginnen und Kollegen sind schon seit über zehn, fünfzehn, zwanzig Jahren dabei, oder gar länger. Darauf sind wir stolz, denn das geht nicht von allein.

Herr Kuncser, Sie selbst gehören zu diesen altgedienten Mitarbeitern: Seit 1993 sind Sie bei Königsteiner, haben also fast die Hälfte der Agenturhistorie miterlebt.

Kuncser: Das stimmt, und es passt zu unserem Haus. Ich glaube, dass sich die Menschen bei uns wohlfühlen, weil wir auf allen Ebenen wertschätzend miteinander umgehen. Unser Gründer Dr. Peter Schulz hat von Anfang an einen nachhaltigen Wachstumskurs verfolgt. Solides Wirtschaften ist fest in unserer Unternehmenskultur verankert. Diese Strategie hat auch unser nach 50 Jahren noch kontinuierliches Wachstum ermöglicht – und uns notwendige Spielräume für wichtige Investitionen eingeräumt.

Solche Kontinuität ist gerade in der Agenturbranche selten – wie schaffen Sie es, gleichzeitig für Innovation und Kreativität zu stehen?

Weber: Unser Grundsatz ist: Wissen wird mehr, wenn man es teilt. Wir setzen auf Offenheit und Dialog – in den Teams untereinander, aber auch mit vielen Branchen-Experten und nicht zuletzt mit unseren Kunden. Wir entwickeln beispielsweise Software-Lösungen im engen Austausch mit den Kunden. Mit den Jobbörsen sind wir im ständigen Kontakt, um Neuerungen im Sinne unserer Kunden zu optimieren. Und auch wissenschaftlich betätigen wir uns, führen mit der Hochschule Koblenz regelmäßig Recruiting-Studien durch. Aufgeschlossenheit gegenüber Neuem ist entscheidend – das ist auch unser wichtigster Rat den Kunden gegenüber.

Als Sie einstiegen, Herr Kuncser, war Recruiting ein analoges Geschäft. Müssen Sie sich manchmal kneifen, dass Sie diese Zeit tatsächlich noch live mit bekommen haben?  

Kuncser: Das Recruiting-Geschäft hat sich rasant verändert – und unsere Agentur ebenfalls. Der Schwerpunkt lag seinerzeit auf der Veröffentlichung von Stellenanzeigen in Tageszeitungen und Fachzeitschriften. Das war damals der zentrale Weg, um Bewerber anzusprechen. Heute hat sich das Geschäft um zahlreiche digitale Möglichkeiten und Marktplätze erweitert. Zwar kann die Veröffentlichung in einem Print-Medium unter bestimmten Voraussetzungen immer noch sinnvoll sein. Sie ist aber in der Regel in eine crossmediale Kampagne mit Traffic-optimierten Online-Anzeigen und Social-Media-Ads eingebettet.

Neben der Digitalisierung haben Sie beide das Aufkommen der Begriffe “Fachkräftemangel” und “demografischer Wandel” hautnah miterlebt. Wie prägen diese Faktoren Ihre Arbeit?

Kuncser: Der Markt hat sich gedreht. Als unser Gründer vor über 50 Jahren als Personalberater damit begann, für Kunden Anzeigen zu schalten und die Kandidatenkorrespondenz zu übernehmen, hat er regelmäßig Wäschekörbe voller Bewerbungen durchgearbeitet. Für viele Jobs ist ein solcher Bewerberansturm heute nicht mehr vorstellbar. Im Gegenteil.

Der Job des Recruiters wird also komplexer und damit anspruchsvoller?

Weber: Die Anforderungen sind deutlich gestiegen, und die Konkurrenz um die besten Köpfe hat zugenommen. Heute werden viel mehr Spezialisten gesucht als vor 50 Jahren, insbesondere im MINT-Bereich. Arbeitgeber brauchen eine klare Strategie. Gleichzeitig sind die die verfügbaren Recruiting-Methoden deutlich besser als früher. Wir nutzen inzwischen eine Fülle von Methoden und Technologien, um Kampagnen zu planen, auszuwerten und zu optimieren.

Dann könnten diesen Job ja vielleicht auch bald Roboter übernehmen?

Weber: Nein. IT-gestütztes Targeting ist wichtig – aber wertlos, wenn die Bewerberansprache nicht stimmt. Jeder Personaler muss sich noch stärker an den Bedürfnissen der verschiedenen Zielgruppen orientieren. Kommen die Botschaften wirklich bei den richtigen Kandidaten an? Oder redet man in der Bewerberkommunikation
vor allem über sich selbst – und damit an den Bewerbern vorbei? Letzteres passiert immer noch ziemlich häufig.

Sicher haben Sie Ihr Jubiläumsjahr nicht nur zum Feiern reserviert. Welche Neuerungen haben Sie zum Jubiläum in petto?

Kuncser: Wir präsentieren einige technische Neuerungen, vereinfachen die Anzeigenverwaltung für unsere Kunden, binden ihre Bewerbermanagementsysteme noch besser an und stellen umfassende Möglichkeiten zur Erfolgsmessung bereit. Langfristig verfolgen wir weiterhin unsere übergreifende Strategie, Lösungsanbieter für alle Fragen des Recruitings zu sein, von der Anzeigenschaltung über Personalmarketing-Kampagnen bis hin zum Bewerbermanagement.

Interview: Redaktion Personalwirtschaft