Aktuelle Ausgabe

Newsletter

Abonnieren

Auf welche Akzeptanz Assessments bei Bewerbern stoßen

Frau im Bewerbungsgespräch.
Welche Personalauswahlverfahren bevorzugen Kandidatinnen, Kandidaten und HR-Verantwortliche? Foto: LeslieAnn/AdobeStock

Klassisches Gespräch? Online-Fragebogen? Oder doch lieber
Assessment, ob nun face-to-face oder im virtuellen Raum? In der Printausgabe
8/21 der Personalwirtschaft hat Prof. Dr. Stephan Weinert von der Hochschule
für Wirtschaft und Gesellschaft Ludwigshafen die Ergebnisse einer Erhebung zur
Akzeptanz von Personalauswahlverfahren vorgestellt. Wesentliches Detail: Anders
als in den meisten Studien zu diesem Thema wurden die fraglichen
Auswahlverfahren – je sieben Online- und Präsenzformate – nicht von
HR-Verantwortlichen bewertet, sondern durch potenzielle Bewerberinnen und
Bewerber: Azubis, Studierende sowie Mitarbeitende mit und ohne
Führungsverantwortung, insgesamt 650 Personen.

Dass die Haltung der Anwenderinnen und Anwender zu den
verschiedenen Auswahlmethoden in Zeiten wie diesen wichtig ist, liegt auf der
Hand: Angesichts eines Arbeitsmarkts, der den Jobsuchenden oft mehr Optionen eröffnet
als den Anbietern einer Stelle, können es sich Unternehmen nicht leisten, möglicherweise
geeignete Kandidatinnen und Kandidaten zu verlieren, bevor es um die Sache
selbst – den Job – geht. Lehnen diese das Auswahlverfahren ab, “ist das Risiko
groß, dass sie sich gar nicht erst bewerben oder den Prozess vorzeitig
abbrechen”, wie Stephan Weinert in seinem Betrag betont.

Gut also für HR zu wissen,
dass Bewerberinnen und Bewerber laut Untersuchung am liebsten ein klassisches
Einstellungsinterviews führen: Auf einer Skala von 1 bis 3 kommt es auf eine Durchschnittsnote
von 2,45 in der Face-to-Face-Variante und von 2,41 in der Online-Form. In
anderen Fällen erreicht das jeweilige E-Verfahren höhere Akzeptanz als das
entsprechende Präsenz-Format, so beim Biografischen Fragebogen (Online 2,20,
Präsenz 1,83), beim Assessment-Center (2,10 versus 1,78) oder beim Persönlichkeitstest
(2,04 versus 1,80). Weitere Ergebnisse der Befragung finden Sie – auch
aufgeschlüsselt nach Berufserfahrung der Befragten – hier.

HR-Verantwortliche überschätzen Bewerberakzeptanz

Ebenso spannend wie die Frage, ob Bewerberinnen und Bewerber
ein auf sie angewandtes diagnostisches Verfahren akzeptieren oder ablehnen, ist
allerdings die, wie sich ihre Meinungen zu den Einschätzungen von
Personalverantwortlichen verhalten. Auf den Punkt gebracht: Hat HR stimmige
Vorstellungen davon, wie akzeptiert ein bestimmtes Auswahlverfahren bei den
Anwenderinnen und Anwendern ist?

Um das abzugleichen,
stellte Stephan Weinert die Ergebnisse seiner Untersuchung denen einer
Befragung unter 140 Personalerinnen und Personalern gegenüber, die 2020 in der Zeitschrift
für Arbeits- und Organisationspsychologie publiziert wurden. Zusammengefasst
ergibt sich daraus eine eher verneinende Antwort, wie die Abbildung zeigt.

Quellen: Armoneit, C., Schuler, H. und Hell, B.: Nutzung, Validität, Praktikabilität und Akzeptanz psychologischer Personalauswahlverfahren in Deutschland 1985, 1993, 2007, 2019. // Stephan Weinert, 2021
Quellen: Armoneit, C., Schuler, H. und Hell, B.: Nutzung, Validität, Praktikabilität und Akzeptanz psychologischer Personalauswahlverfahren in Deutschland 1985, 1993, 2007, 2019. // Stephan Weinert, 2021

In den meisten Fällen haben Personalentscheiderinnen und
-entscheider also eine bessere Meinung vom jeweiligen Verfahren als potenzielle
Jobsuchenden – und zwar meist eine deutlich bessere. Auffällig ist darüber
hinaus, dass sie entgegen dieser generellen Tendenz mehrere Online-Assessments
unterschätzen. Beides könnte dann ins Gewicht fallen, wenn sie sich bei der
Auswahl von Assessment-Formen von ihrem subjektiven Gefühl leiten lassen statt von
der “prognostischen Validität” (Weinert) des gewählten Verfahrens sowie – als
nachgeordnetem, aber ebenfalls wichtigen Faktor – den jeweiligen Einschätzungen
durch die Kandidatinnen und Kandidaten.

+++ Dieser Beitrag ist ein Zusatz zum Beitrag "Assessments im Test", der in unserer August-Ausgabe erschienen ist.+++

+++ Tipp: Wer gute HR-Arbeit liebt, hat die Personalwirtschaft im vergünstigten Team-Abo! +++

Ist freier Mitarbeiter der Personalwirtschaft.