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Personaler unterstützen Geflüchtete als Mentoren

Mit dem Ausbruch des Ukraine-Kriegs mussten zahlreiche Ukrainerinnen und einige Ukrainer ihren Job in ihrem Heimatland aufgeben und das Land verlassen. Manche von ihnen sind nun in Deutschland und sehen sich mit einer Arbeitsumgebung konfrontiert, die ihnen neu ist. Damit sie sich dort besser zurechtfinden, möchte die Non-Profit-Organisation hr_integrate Geflüchtete mit HR-Experten und -Expertinnen sowie Führungskräften zusammenbringen. Erfahrungen mit dem Mentoring von Geflüchteten konnte die gemeinnützige Organisation seit ihrer Gründung 2015 machen.

Ihr Ziel: Personalspezialisten helfen Menschen, die nach Deutschland kommen, eine ihren Qualifikationen entsprechende Festanstellung zu finden – danach bleibt der Coach meist noch etwa sechs bis zwölf Monate für seinen Mentee ansprechbar. Für die Geflüchteten sei es nicht immer leicht, eine qualifizierte Arbeit in Deutschland zu finden, denn das Arbeitssystem hierzulande unterliegt anderen Regeln als denen in ihrem Heimatland, sagt Thomas Batsching, Initiator von hr_integrate und Berater für internationales Personalmanagement.

Momentan bereiten er und die bei hr_integrate registrierten Mentoren und Mentorinnen sich auf die Geflüchteten aus der Ukraine vor – und suchen noch Unterstützung von anderen Personalern und Personalerinnen. Um als Mentor oder Mentorin geeignet zu sein, sollten Interessierte ein gutes Verständnis des deutschen Arbeitsmarkts, des Bildungssystems und von Bewerbungsprozessen haben, sowie gut darin sein, andere Menschen zu beraten und zu coachen.

Eine Nähe zur Kultur des Mentees oder Kenntnisse von dessen Muttersprache seien nicht nötig. „Wir haben Deutsch und Englisch bei uns als Austauschsprache – wobei die Duos eigentlich Deutsch miteinander sprechen sollten, denn das ist auch die Sprache auf dem Arbeitsmarkt hierzulande“, sagt Batsching. „Sollte das Deutsch- oder Englischlevel der Mentees dafür noch nicht ausreichen, bitten wir sie darum, Sprachkurse zu machen und in ein paar Monaten wieder in den Austausch mit uns zu gehen.“

Mentoren als Unterstützer und nicht als treibende Kraft

Das Mentoren-Programm baue auf die Eigeninitiative der Mentees. „Die Kraft muss aus den Geflüchteten heraus kommen“, sagt Batsching. Dieses Motto präge den kompletten Austausch, der über Jahre hinweg oder nur über wenige Monate stattfinden könne. Im Detail heißt das für den Prozess: Die Mentees sagen, welchen Job sie gerne in Deutschland ausüben möchten. Daraufhin schätzen die Mentorinen ein, welche Qualifikationen dafür hierzulande erforderlich sind, ob der Bildungsabschluss der Mentees anerkannt wird und ob sich ihre Schützlinge eine unter Umständen nötige Weiterbildung leisten können. Braucht es eine Fortbildung, gehe es zunächst darum, einen Ausbildungs-, Studiums- oder Praktikumsplatz zu finden.

Auch im weiteren Prozess machen die Geflüchteten den ersten Schritt: Ist eine berufliche Orientierung gefunden, schreiben die Mentees ihren Lebenslauf zunächst selbst und suchen für sie interessante Unternehmen heraus. „Hierzu können sie im Internet recherchieren“, so der Initiator der gemeinnützigen Organisation. „Die Mentoren korrigieren dann und schlagen weitere Unternehmen oder auch Bildungseinrichtungen vor und aktivieren ihr Netzwerk.“

Seit der Gründung von hr_integrate 2015 war das Mentorenprogramm in rund 70 Fällen erfolgreich – wobei Erfolg bei hr_integrate als mindestens dreijähriger Arbeits- oder Ausbildungsvertrag oder die Aufnahme eines Studiums definiert wird. Insgesamt wurden bisher rund 350 Geflüchtete betreut. Welcher Mentor mit welchem Mentee zusammengebracht wird, entscheiden Vertreterinnen und Vertreter von hr_integrate händisch auf Basis von Kompetenzen, beruflichen Erfahrungen sowie Branchenzugehörigkeit. Diese Faktoren spielten eine Rolle, damit die Mentoren möglichst viel Wissen von der deutschen beruflichen Szene ihres Mentees haben, und nicht, damit sie die Geflüchteten bei sich im Unternehmen unterbringen können.

Ist Redakteurin der Personalwirtschaft. Ihre inhaltlichen Schwerpunkte sind die Themen Diversity, Gleichberechtigung und Work-Life-Balance.

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