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Skepsis gegenüber datengesteuerter Rekrutierung

PC-Tastatur, darüber menschliche Symbolfiguren, die Kandidaten beim Recruiting darstellen
Automatisierte Kandidatensuche ja, Personalauswahl eher nicht, so das Urteil vieler Unternehmen.
Foto: © Travis/StockAdobe

Personalleiter in Deutschland wurden nach ihren Erfahrungen mit internet- basierter Kandidatensuche und automatisierter Bewerberauswahl sowie nach ihrer Einschätzung dazu befragt. Vor allem die großen Unternehmen sehen in solchen digitalen Anwendungen Potenzial, äußern jedoch einige Bedenken.

27 Prozent der Unternehmen und 39 Prozent der Großunternehmen in Deutschland denken, dass ihnen der Einsatz datengesteuerter Rekrutierungsmethoden ein modernes Image verschafft. Auch ist ein Viertel aller Betriebe (25 Prozent) der Meinung, dass dadurch die Effizienz des Auswahlverfahrens gesteigert werden kann; von den großen Firmen ab 500 Mitarbeitern denkt das sogar die Hälfte (50 Prozent). Dennoch nutzen 96 Prozent aller Unternehmen keine datengesteuerte Rekrutierungs-maßnahmen. Von den Großunternehmen wenden sie nur neun Prozent an. Bei ihnen kommen neben Chatbots, Sprachanalyse-Tools bei Telefoninterviews und Gamification-Strategien besonders Matching Algorithmen beim Vergleich von Bewerberprofilen zum Einsatz. (4,8 Prozent). Lediglich sieben Prozent aller Firmen können sich vorstellen, ihre Auswahlverfahren mittelfristig durch künstlich intelligente Systeme zu ergänzen. Das sind Ergebnisse der aktuellen > Randstad-ifo-Personalleiterbefragung, an der rund 1000 Personalverantwortliche teilgenommen haben.

Bewerbungsgespräch bleibt beliebteste Auswahlmethode

Bislang wirbt mehr als ein Drittel der befragten Unternehmen (37 Prozent) neue Mitarbeiter nur offline an. 30 Prozent kombinieren analoge und digitale Methoden. Die beliebteste Auswahlmethode ist nach wie vor das klassische Bewerbungsgespräch, sowohl bei den Firmen, die keine datengestützte Rekrutierung betreiben (84 Prozent), als auch bei jenen, die sie bereits anwenden (49 Prozent).

Automatisierung wertet Soft Skills von Kandidaten ab

Viele Personalleiter betrachten automatisierte Ansätze kritisch, wenn es um die individuelle Beurteilung der Bewerber geht. Fast jeder Zweite (49 Prozent) sieht die Gefahr, dass die Soft Skills von Kandidaten abgewertet werden. Von den Großunternehmen befürchten dies sogar drei Viertel (75 Prozent). Mehr als ein Drittel aller befragten Betriebe (35 Prozent) und rund ein Viertel der großen Firmen (26 Prozent) gehen davon aus, eine Auswahl von schlechteren Kandidaten zu bekommen. Insgesamt machen sich 43 Prozent der Personalleiter Sorgen, dass selbstlernende Algorithmen unerwünschte Auswahlmuster erzeugen.

Persönlichkeitsbildende und fachübergreifende Kompetenzen könnten mit automatisierten Auswahlverfahren zwar nicht beurteilt, aber besser erfasst werden, sagt Andreas Bolder, Director Group Human Resources bei Randstad. Dass in 66 Prozent der befragten Unternehmen datengesteuerte Methoden bei der Suche nach Personal eingesetzt werden und nicht bei der Auswahl, bestätige, dass die Zukunft des Rekrutierens beides verbinden könne: die effiziente Kandidatenrecherche und ihre zwischenmenschliche Einschätzung.

Ute Wolter ist freie Mitarbeiterin der Personalwirtschaft in Freiburg und verfasst regelmäßig News, Artikel und Interviews für die Webseite.