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Praxis und Beratung im Dialog – Teil 3: Konzeption & Umsetzung

 

Der Kunde

Tim Verhoeven, Leiter Personalmarketing & Recruiting, BearingPoint

Der Berater

Michael Eger, Partner für das Themengebiet Talent Attraction & Recruiting, Promerit

Phase 3: Die Konzeption
Nachdem wir eine belastbare Datenbasis und sehr viele O-Töne aus der Analysephase gesammelt hatten, ging es um die Priorisierung und die ersten Vorschläge, wie eine spätere Umsetzung aussehen könnte.

Ein großer Vorteil lag in den sehr klaren Analyseergebnissen. Diese deckten sich sehr gut mit unseren Erwartungen und unserer Sicht – nicht nur bei den Stärken, sondern auch bei den Schwächen.

Bei der Priorisierung hat es sehr geholfen, rechtzeitig alle Stakeholder in die Diskussion einzubinden. Jeder vertrat zwar eine etwas andere Sicht – aber so konnte man dennoch schnell auf einen gemeinsamen Nenner kommen.

Phase 4: Umsetzung
Nun war die strategische Beratung mit Promerit quasi abgeschlossen – es ging in die Umsetzung mit Weigert Pirouz Wolf. Ein sensibler Punkt, wenn man sich gegen ein Modell aus einer Hand entscheidet. Denn gerade wenn man sich mit dem ersten Dienstleister richtig eingespielt hat, geht alles wieder zurück auf null, und man beginnt von vorne.

Auch ein kultureller Wechsel ist programmiert – von einer projektorientierten Beratung zu einer kreativen Agentur.

So schön es ist, mal in die kreativen Prozesse einer Agentur einzutauchen – als Unternehmensberatung ist es bei uns wahrscheinlich schon in der DNA verankert, dass wir besser mit der Arbeitsweise von Beratungen zurechtkommen.

Insbesondere bei Kreativprozessen kann es jedoch sehr förderlich sein, wenn man zusätzliche Impulse durch andere Ansichten bekommt. So konnten wir sehr gute Ergebnisse erzielen – und sogar das ein oder andere umsetzen, das wir vorher nicht auf der Agenda hatten.

Empfehlungen für die Praxis: So gelingt die Zusammenarbeit mit Beratern

  1. Machen Sie Ihre Vorgaben und Erwartungshaltungen klar: Damit helfen Sie beiden Seiten immens, auf einen Nenner zu kommen. Trotzdem muss man flexibel bleiben und Puffer einbauen – zeitlich und gedanklich.
  2. Seien Sie ehrlich zu sich selbst: Je realistischer man seine eigenen Stärken und Schwächen einschätzt, desto einfacher (und berechenbarer) wird der spätere Prozess.
  3. Binden Sie rechtzeitig alle Stakeholder ein: Kümmern Sie sich um die Schnittstellen. Die Zeit, die Sie hier anfangs sinnvoll investieren, ist nicht verloren! Denn Sie sparen sie später um ein Vielfaches wieder ein.

Phase 3: Die Konzeption
In der Konzeptionsphase geht es vor allem um das Herausarbeiten der Arbeitgeberpositionierung und der Employer Value Proposition (EVP). Für uns ist immer wichtig, dass wir die EVP gemeinsam mit dem Kunden entwickeln.

In einem zentralen Workshop haben wir analysiert, welche Eigenschaften das Unternehmen tatsächlich hat (“authentisch”) und welche davon für die Zielgruppe überhaupt wichtig sind (“relevant”). Dabei müssen mitunter Themen losgelassen werden, von denen man immer dachte, sie seien relevant. Dann erfolgte die Herausarbeitung von differenzierenden Aspekten (“besonders”) und die Arbeit an der Frage: “Was ist das Besondere an Bearingpoint als Arbeitgeber?”

Die Abstimmung mit den Entscheidungsträgern im Unternehmen war dann tatsächlich sehr leidenschaftlich und schnell erfolgreich, weil nicht nur “Agenturvorschläge” präsentiert wurden: Wir haben gemeinsam ein Ergebnis entwickelt.

Phase 4: Umsetzung
Wir hatten bei Bearingpoint als Anbietergemeinschaft mit Weigert Pirouz Wolf angeboten – eine Konstellation, die es durchaus häufiger gibt. So kommt einerseits unser HR-Knowhow als Berater zum Tragen, andererseits die Kreativität der Markenagentur. Natürlich birgt der Wechsel des Dienstleistungsschwerpunkts einen Knackpunkt für die Umsetzung. Agenturen arbeiten anders als Berater, zudem kommt in der Kreativumsetzung oft ein schwierig zu kontrollierender Aspekt zum Tragen: persönlicher Geschmack. Und: Häufig verschiebt sich auch beim Kunden die Verantwortlichkeit von HR hin zu Marketing und Kommunikation. Wichtig war daher für uns, aus der Projektleitung heraus weiter präsent zu bleiben und den Abstimmungsprozess mit der Agentur zu moderieren. Dabei agierten wir an der Seite von HR und “verteidigten” zum Beispiel die ursprüngliche Positionierung gegen allzu kreative Ideen. Und wir waren entscheidend involviert bei der Frage, welche Aspekte noch Teil des Projekts sind – und wo das Projekt aufhört.

Learnings aus der Beratung: Was Berater leisten müssen

  1. Trauen Sie Beratern, die sich etwas trauen: Sowohl bei der Angebotsabgabe als auch im Projekt ist ein mutiger Berater wichtig, der dem Kunden ehrlich die eigene Sicht vermittelt.
  2. Berater sollen mit dem Kunden arbeiten, nicht für den Kunden: Der Kunde sollte direkt in die Konzeption eingebunden werden – das hilft bei der Entwicklung eines guten gemeinsamen Ergebnisses und es stärkt dessen Akzeptanz.
  3. Berater dürfen nicht zu früh loslassen: Eine Strategie ist nur so viel wert wie das zugehörige Kreativkonzept. Strategen und Kreative müssen an einem Strang ziehen und mit sauberen Übergaben am gemeinsamen Endergebnis arbeiten. Koordination und Moderation sind wichtig.