Aktuelle Ausgabe

Newsletter

Abonnieren

Quoten und Herumdoktern reichen nicht

Der Zug Richtung Management fährt oft noch ohne die Frauen ab; Bild (CCO): pexels.com
Der Zug Richtung Management fährt oft noch ohne die Frauen ab; Bild (CCO): pexels.com

In Europa werden bis 2025 voraussichtlich nur 37 Prozent der Fach- und Managementpositionen von Frauen besetzt sein. Dies entspricht dem Stand 2015, wäre also gleichbedeutend mit einer zehnjährigen Stagnation. Weltweit wird der Anteil im selben Zeitraum von 35 auf 40 Prozent steigen. Dies sind Ergebnisse der neuen Mercer-Studie “When Women Thrive”, für die weltweit fast 600 Unternehmen und Organisationen befragt wurden, davon 21 Prozent in Europa.

Auf das Top-Management begrenzte Lösungen sind nicht nachhaltig

Nach Ansicht von Achim Lüder, Geschäftsführer von Mercer in Deutschland, Österreich und der Schweiz, reichen die bislang verfolgten Maßnahmen zur Förderung von Frauen in Unternehmen nicht aus:

Die größten Fortschritte wurden bis dato in den oberen Führungsebenen erzielt, vor allem dank verschiedener politischer Initiativen und Diskussionen in den Medien. Doch auf Ebene der Fachkräfte und Spezialisten passiert in den Unternehmen kaum etwas – gerade diese sind aber entscheidend für eine langfristige und nachhaltige Verbesserung der Situation.

Weltweit sind laut Studie durchschnittlich 40 Prozent der Gesamtbelegschaft eines Unternehmens weiblich. Schaut man jedoch in der Hierarchie nach oben, nimmt der Frauenanteil mit jeder Stufe ab. Im Management liegt er bei 33 Prozent, im Senior Management bei 26 Prozent und auf Ebene der Executives bei 20 Prozent. 17 Prozent der in europäischen Unternehmen tätigen Frauen haben GuV-Verantwortung – das ist der geringste Wert weltweit. In Lateinamerika liegt der Anteil bei 47 Prozent, in Asien bei 27 Prozent, in Australien und Neuseeland bei 25 Prozent und in Kanada und den USA bei 22 Prozent; der weltweite Durchschnitt beträgt 28 Prozent.

Arbeitgeber müssen geeignete Rahmenbedingungen schaffen

Und obwohl global 50 Prozent mehr Frauen als Männer auf Vorstandsposten berufen werden, verlassen sie diese Positionen zu 30 Prozent häufiger wieder. Unternehmen müssten die nötigen Rahmenbedingungen schaffen, um Frauen zu halten, fordert Lüder. Es sei nicht damit getan, politisch oder unternehmensintern getriebene Quoten zu erfüllen und dann abzuwarten, was passiert und es reiche nicht, nur an Symptomen herumzudoktern.

Derzeit gibt nur etwas mehr als die Hälfte (57 Prozent) der befragten Unternehmen an, dass ihr Top-Management sich in Diversity- und Inklusionsmaßnahmen engagiert. Die Beteiligung von Männern an derartigen Initiativen ist seit 2014 sogar von 49 auf 38 Prozent gesunken. In Europa haben nur 28 Prozent der Unternehmen formelle Prozesse zur Behebung von Lohnungerechtigkeit etabliert, verglichen mit 40 Prozent in Kanada und den USA und 25 Prozent in Asien. Der weltweite Durchschnitt liegt bei 34 Prozent.

Stärken von Frauen werden zu wenig berücksichtigt

Die Studie verweist auch darauf, dass Frauen und Männer verschiedene Stärken und Bedürfnisse hätten, mit denen sich Unternehmen auseinandersetzen müssen. So glauben 39 Prozent der Unternehmen, dass Frauen besonders flexibel und anpassungsfähig sind; nur 20 Prozent schreiben Männern diese Eigenschaften zu. Auch integratives Teammanagement (43 Prozent Frauen, 20 Prozent Männer) und emotionale Intelligenz (24 Prozent Frauen und fünf Prozent Männer) werden eher als Stärken von Frauen gesehen. Nur 29 Prozent der Unternehmen führen jedoch Performance Ratings durch, die geschlechtsspezifische Stärken und Entwicklungspotenziale berücksichtigen.

Eine Zusammenfassung der Studie in englischer Sprache kann > hier heruntergeladen werden.