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Rezession lässt Fachkräftemangel nur leicht sinken

Der Anteil der Unternehmen, die sich durch fehlendes Fachpersonal in ihrer Geschäftstätigkeit beeinträchtigt fühlen, ist im Vergleich zum Herbst leicht gesunken. Gaben im dritten Quartal 2022 noch rund 50 Prozent der Arbeitgeber im Dienstleistungssektor, verarbeitenden Gewerbe, Handel und im Bau an, unter dem Fachkräftemangel zu leiden, waren es im vierten Quartal mit knapp 46 Prozent etwas weniger. Das geht aus dem aktuellen Fachkräftebarometer der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) und dem Institut für Wirtschaftsforschung (ifo) hervor.

Laut den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern hängt dies mit der Rezession zusammen, deutet aber keinesfalls eine zukünftige Abschwächung des Fachkräftemangels an. Vielmehr handele es sich um eine aktuelle Entwicklung, die dem baldigen Ausscheiden der älteren geburtenstarken Generationen aus der Arbeitswelt nur sehr wenig – wenn überhaupt – entgegenwirken könne.

Wer am stärksten betroffen ist

Besonders litten im vierten Quartal 2022 Unternehmen der Steuer- und Rechtsberatung sowie Wirtschaftsprüfer unter dem Fachkräftemangel (68 Prozent). Am wenigsten stark beklagten dahingegen Arbeitgeber der Chemieindustrie sowie Papier- und Papphersteller einen Personalmangel (20 Prozent). „Dies liegt daran, dass sich in diesen Wirtschaftszweigen die Ertragslage besonders verschlechtert hat. In der heimischen Industrie wurde die Produktion aufgrund sinkender Nachfrage und hoher Materialkosten und Energiepreise stark gedrosselt“, heißt es im Studienbericht.

Wie ernst der Fachkräftemangel ist, zeigt sich aber nicht nur an der Anzahl der offenen Stellen, sondern auch an der Zeit, die Unternehmen brauchen, bis sie eine geeignete Fachkraft für den ausgeschriebenen Job gefunden haben. Aktuell brauchen Arbeitgeber immer länger, bis sie diese offenen Stellen besetzen. Auch das ergibt sich aus Daten der Bundesagentur für Arbeit, die KfW und ifo analysiert haben. 2022 betrug die Vakanzzeit durchschnittlich fünf Monate. Dies bedeutet einen starken Anstieg, brauchten Recruiterinnen und Recruiter 2021 doch rund 4 Monate und 2010 rund zwei Monate, um eine Stelle zu besetzen.

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Doch nicht nur die wirtschaftliche Lage beeinflusst den Fachkräftemangel (wenn auch nur gering), sondern auch der kleiner werdende Pool an Arbeitskräften wirkt sich auch auf den Wohlstand in Deutschland aus. Der Personalmangel wird laut den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern von KfW und ifo auch auf das Bruttoinlandsprodukt prägen.

Beschäftigte in Deutschland arbeiten weniger lang

Vor allem in Kombination mit einer weiteren Entwicklung: Die Zahl der Arbeitsstunden von Erwerbstätigen sinkt seit rund einem Jahrzehnt – und hat sich besonders mit dem Ausbruch der Corona-Pandemie weiter verringert. Im vierten Quartal 2022 arbeitete ein durchschnittlicher Beschäftigter rund 320 Stunden (knapp 25 Stunden pro Woche). 2010 waren es noch rund 370 Stunden (gut 28 Stunden). Hält diese Tendenz an, so befinde sich Deutschland laut KfW und ifo in drei bis vier Jahren in einer Phase eines dauerhaft schrumpfenden Bruttoinlandsprodukts.

Lena Onderka ist redaktionell verantwortlich für den Bereich Employee Experience & Retention – wozu zum Beispiel auch die Themen BGM und Mitarbeiterbefragung gehören. Auch Themen aus den Bereichen Recruiting, Employer Branding und Diversity betreut sie. Zudem ist sie redaktionelle Ansprechpartnerin für den Deutschen Human Resources Summit.