Aktuelle Ausgabe

Newsletter

Abonnieren

So finden Sie IT-Freelancer für Ihr Unternehmen

Frage an die HR-Werkstatt: “Für anstehende Digitalisierungsprojekte benötigen wir temporär Unterstützung. Inwiefern ist die Zusammenarbeit mit Freelancern eine Möglichkeit und wie finden wir geeignete IT-Experten für unsere Projekte?”

Es antwortet: David Lauber, Country Manager Deutschland bei Malt

Der “War for Talent” – also der Wettbewerb um die besten Talente – ist für viele Unternehmen herausfordernd. Bei der Vielzahl von Angeboten, die gerade Tech-Talente über Business-Netzwerke bekommen, haben Unternehmen, die nicht aus dem IT-Umfeld kommen, häufig das Nachsehen. Der Wettbewerb um IT-Freelancer ist zwar ebenfalls herausfordernd, jedoch sind diese eher bereit, im Rahmen eines Projektes für kleinere oder zunächst weniger attraktiv erscheinende Unternehmen zu arbeiten. Darüber hinaus sprechen noch weitere Aspekte für den Einsatz von Freelancern. Zum Beispiel spielen die notwendige Expertise, die intern vorhandenen Kapazitäten, die Dringlichkeit des Projektes, aber auch die strategische Relevanz des Projektes eine wichtige Rolle – vor allem dann, wenn die eigene IT-Abteilung eher klein ist.

Holen Sie die richtigen Experten an Bord

Steht ein Digitalisierungsprojekt an, sollte die erste Frage zunächst lauten: Habe ich den oder die Spezialisten dafür im Betrieb? Doch auch wenn grundsätzlich personelle Ressourcen verfügbar sind, kann es sich lohnen, Freelancer zu engagieren – nämlich dann, wenn das Projekt nicht im Kompetenzbereich der eigenen IT-Abteilung liegt. Viele Digitalisierungsexperten – ob es nun um die Ideenfindung, die Konzeptentwicklung, das Design oder die technische Implementierung geht – entscheiden sich heute als Freelancer zu arbeiten. Sie sind häufig stark spezialisiert und bringen langjährige Erfahrung in einem Bereich mit, die sich interne Mitarbeiter erst aneignen müssten. Gerade in solchen Fällen sind Freelancer der Weg zu einem erfolgreichen Projekt und können gleichzeitig noch wertvolle neue Kompetenzen vermitteln.

Gehen Sie kritische Themen zeitnah an

Für besonders dringende Projekte eignen sich Freelancer – auch dann, wenn das Thema langfristig intern verantwortet werden soll. Aufgrund des akuten Fachkräftemangels im IT- und Digitalisierungsumfeld können Einstellungsprozesse gerne ein halbes Jahr oder länger dauern. Freelancer sind dagegen oftmals innerhalb von ein bis zwei Wochen verfügbar, häufig sogar noch schneller. In einem solchen Fall können Freelancer das Projekt starten, die internen Mitarbeiter später einarbeiten und das Projekt an sie übergeben.

Wichtig bei der Entscheidung für oder gegen einen Freelancer ist auch die Frage nach der Projektdauer. Wenn die konkrete Projektlaufzeit noch nicht exakt feststeht, lohnt es sich, einmal genauer zu kalkulieren. Die Faustformel besagt: Je länger die Laufzeit des Projektes, desto teurer wird ein Freelancer im Vergleich zu festangestelltem Personal – häufig aufgrund der vergleichsweise höheren Tagessätze. Für besonders dringliche Projekte über einige Monate hinweg, dürften Freelancer trotzdem die kostengünstigere Wahl sein.

Nutzen Sie die zusätzliche Manpower

Natürlich ist der Personalaufwand eines Digital-Projektes nicht von vornherein im Detail bekannt. Offenkundig ist aber: Wenn die angestellten IT-Spezialisten mit den alltäglichen Aufgaben im Betrieb ausgelastet sind, so ist es wenig aussichtsreich, mit eigenem Personal umfangreiche Digitalisierungsprojekte anzugehen. Bei der Entscheidung für einen oder mehrere Freelancer sollten Unternehmen einen interner Ansprechpartner bereitstellen, der die bestehende Systemlandschaft kennt, Zielsetzungen erläutert und den Arbeitsfortschritt mit den Freelancern bespricht. Dadurch kann das Projekt kontinuierlich begleitet und im Anschluss erfolgreich fortgesetzt werden.

Nutzen Sie die Motivation von Freelancern

Neben den harten Faktoren kann die Arbeitsmotivation oder Erfahrung im Projektmanagement für Freelancer sprechen. Freelancer müssen immer wieder aufs Neue überzeugen, um sich die Chancen auf weitere Aufträge offen zu halten. Daher sind sie bestrebt ein erfolgreiches Projektergebnis zu erzielen. Freelancer sind häufig Experten in Bezug auf Projektarbeit – sei es agiles Arbeiten, der Umgang mit Deadlines, Projektmanagement und Kommunikation oder flexible Arbeitszeiten. Motivation oder Erfahrung im Projektmanagement kann aber eines nicht ersetzen: Die persönliche Chemie. Daher lernen Sie die Kandidaten unbedingt vorher kennen. Denn ein harmonisches Team arbeitet nicht nur gerne zusammen, sondern auch besser.

Suchen Sie an der richtigen Stelle

Ist die Entscheidung für Freelancer gefallen, eine aussagefähige Projektbeschreibung und ein Anforderungsprofil erstellt, stehen die Personalplaner vor der nächsten Herausforderung: Wo finde ich geeignete Spezialisten und wie kann ich mir ihrer Eignung und Qualifikation sicher sein? Die Suche über Karrierenetzwerke wie Linkedin und Xing oder die klassische Stellenanzeige kann sehr mühsam sein. Schließlich zielt dieses Vorgehen nicht explizit auf Freelancer ab. Früher oder später sollten IT-Verantwortliche, Manager im Einkauf und HR-Verantwortliche ein eigenes Netzwerk an Freelancern aufbauen, um Projekte schnellstmöglich angehen zu können.

Als Ausgangspunkt eignen sich Marktplätze für Freelancer, wo sie ihre Arbeitserfahrung, Spezialgebiete und Kundenbewertungen von vorherigen Projekten präsentieren. Mit einer einfachen Suchfunktion kann man Fähigkeiten oder Erfahrungen suchen und nach verschiedenen Kriterien filtern, bis der richtige Kandidat gefunden ist. Neben der Möglichkeit ein Projekt vorzuschlagen, bieten gute Marktplätze auch integrierte Zahlungsabwicklung und digitalisierte Administration. Auf einigen Marktplätzen können sich Unternehmen als Auftraggeber eine Reputation erarbeiten, die es sukzessive einfacher macht, Talente für Projekte zu gewinnen.

Achten Sie auf die richtige Vertragsgestaltung

Unternehmen sollten sich auch über potenzielle Risiken von verschiedenen Vertragsformen im Klaren zu sein. So nutzen einige Serviceprovider komplizierte Dreiecksverträge mit Freelancern, um die Kontrolle über Auftraggeber und Freelancer zu behalten sowie die eigene Marge zu verstecken und zu maximieren. Diese komplexen Strukturen beschränken aber die unternehmerischen Freiheitsgrade des Freelancers, was zu einem erhöhten Risiko der Scheinselbstständigkeit sowie potenziell dem Risiko einer illegalen Arbeitnehmerüberlassung führen kann. Direkte Verträge zwischen Unternehmen und Freelancer stattdessen kommen eher den Interessen des Freelancers und des Unternehmens entgegen. So kann das Unternehmen zum Beispiel die eigenen AGB zur Anwendung bringen und auf diese Weise Wissen und sonstige Eigeninteressen schützen.

✓ Werkstatt-Check: Wie Sie IT-Experten gewinnen
Beauftragen Sie einen Experten, der sich auf Projekte wie Ihre spezialisiert hat.
Recruiting-Prozesse dauern oft lang; planen Sie daher genügend Zeit dafür ein.
Stellen Sie einen internen Ansprechpartner für den oder die Freelancer ein.
Achten Sie darauf, dass die Chemie zwischen Freelancer und den Mitarbeitern stimmt.
Suchen Sie Ihre IT-Experten an der richtigen Stelle, z.B. auf digitalen Marktplätzen.
Schließen Sie Verträge direkt mit den Freelancern ab, um Transparenz zu schaffen.

Autor