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Brigitte-Studie hat die besten Arbeitgeber für Frauen gesucht

Eine Frau sitzt im Homeoffice
Insbesondere flexiblere Arbeitsmodelle, wie die Arbeit aus dem Homeoffice, sollen Unternehmen zu attraktiven Arbeitgebern für Frauen machen. Foto: Fotolia/Weedezign

Um Frauen bei der Jobsuche eine Orientierungshilfe zu geben, rief die Frauenzeitschrift Brigitte gemeinsam mit Territory Embrace bundesweit Betriebe auf, anzugeben, wie engagiert sie Frauen vom Berufseinstieg bis in die höchste Führungsebene fördern, welche Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie sie anbieten und wie flexibel die Arbeit gestaltet werden kann. Mit dem Ergebnis, dass 91 der 157 teilnehmenden Unternehmen eine gute Bewertung erhalten haben.

In der Topgruppe finden sich bekannte Unternehmen wie BASF, Daimler, Commerzbank oder die Deutsche Bahn, aber auch kleine Arbeitgeber wie die Stadt Wedel oder die Arbeitsagentur Hildesheim. Zu berücksichtigen ist hier, dass wahrscheinlich eher Unternehmen im Bewusstsein eines guten Angebots an der Befragung teilgenommen haben. Insgesamt wurden zwischen März und Juni 2018 rund 15.000 Unternehmen angeschrieben.

Erster Ansatz häufig mehr Flexibilität und Familienzeit

In dem Onlinefragebogen wurde abgefragt:

• Wie engagiert fördern die Betriebe Frauen vom Berufseinstieg bis in die höchste Führungsebene?

• Welche Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie bieten sie an?

• Wie flexibel und selbstbestimmt kann man bei ihnen arbeiten?

Am meisten punkten möchten die Unternehmen mit dem Aspekt Familienfreundlichkeit. 61 Prozent von ihnen haben die Förderung der Vereinbarkeit von Job und Familie im Unternehmensleitbild verankert, jede zweite Firma sensibilisiert ihre Führungskräfte dafür in Schulungen. 

Der beliebteste Weg zu einer besseren Vereinbarkeit von Job und Familie ist die Flexibilisierung der Arbeit. Mit Teilzeitarbeit, Homeoffice, dem Wiedereinstieg mit reduzierter Stundenzahl in der Elternzeit sowie Sabbaticals und dem Teilen einer Stelle mit Kollegen wird die volle Bandbreite angeboten. Hier spielt auch der generelle und geschlechterübergreifende Wunsch jüngerer Arbeitnehmer nach mehr Leben in der Work-Life-Balance eine Rolle.

Keine Überraschung ist indes, dass viele Befragungsteilnehmer mehr anbieten als der Durchschnitt: So ermöglichen 86 Prozent ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern Arbeiten im Homeoffice. Der Durchschnitt in Deutschland liegt hier sonst bei nur 39 Prozent. Auch bei den ganz konkret unterstützenden Maßnahmen für Eltern halten einige der Unternehmen Lösungen bereit: Mehr als jeder dritte Studienteilnehmer hat eine subventionierte Betriebskita oder zahlt Zuschüsse zur Kinderbetreuung.

Die Frage ist, ob diese Angebote auch angenommen werden und, falls ja, diese tatsächlich nicht hinderlich für die Karriere sind. Ein Aspekt, den die Brigitte-Studie herausgefunden hat, gibt Anlass zum Zweifel: Die Väter-Elternzeiten bei den Studienteilnehmern sind mit 2,6 Monaten kürzer als bei deutschen Durchschnittsvätern mit immerhin 3,4 Monaten. Ein möglicher Grund: Zu wenig Unterstützung durch die Leitungsebene?

Je größer ein Unternehmen, desto weniger Frauen im Vorstand

Auch die Frage, wie die Chancen für Frauen stehen, in Vorstands- oder Führungspositionen aufzusteigen, wurde betrachtet. Hier fällt auf, dass insbesondere bei größeren Unternehmen mit über 2.000 Mitarbeitern die Vorstandsposten eher in Männerhand sind. Der Frauenanteil liegt hier, auch bei den überdurchschnittlich engagierten Teilnehmern der Befragung, nur bei 13 Prozent in der obersten Führungsebene. Etwas besser sieht es bei den gesamten Führungspositionen aus: Der weibliche Anteil beträgt 29 Prozent.

Deutlich besser ist die Situation in kleinen Unternehmen bis 200 Mitarbeitern. Hier liegt der Anteil der Frauen in Führungspositionen mit 54 Prozent sogar höher als der der Männer. In der obersten Führungsebene sind es immerhin noch 43 Prozent Frauen. Hierfür dürfte die größere Flexibilität der kleineren Unternehmen verantwortlich sein. Dies lässt zumindest der Blick auf die Führungskräfte in Teilzeit vermuten: Gut ein Viertel der Führungskräfte in kleinen Unternehmen arbeitet mit reduzierter Stundenzahl. In den Unternehmen mit über 2.000 Mitarbeitern ist es lediglich jeder 14. Mitarbeiter.

Auch hier klafft eine große Lücke zwischen Angebot und Nachfrage. In 87 Prozent der Unternehmen ist es auch für Managerinnen und Manager möglich, weniger als 80 Prozent zu arbeiten. Doch nur jede siebte Führungskraft nimmt diese Möglichkeit wahr.

Unternehmen setzen sich ambitionierte Ziele

Ein positives Signal der großen Unternehmen: Das Problem ist erkannt, ambitionierte Lösungen liegen auf dem Tisch. Im Schnitt möchten die Unternehmen mit über 2.000 Mitarbeitern eine Frauenquote von 25 Prozent in den Führungsebenen erreichen. In Anbetracht des mit 59 Prozent höheren Männeranteils der gesamten Belegschaft, könnte dies auf den ersten Blick überambitioniert wirken. Ein relativierender Faktor könnte die Quote der weiblichen Hochschulabsolventen sein. Diese liegt bei über 50 Prozent.

Konkret geplante Maßnahmen sind Mentoring-Programme, Frauennetzwerke oder standardisierte Bewerbungsprozesse. In den meisten Unternehmen gibt es zudem ohne Nachfrage der Mitarbeiterinnern und Mitarbeiter regelmäßig Gehaltsgespräche. Hintergrund dafür ist, dass Frauen oft davor scheuen, von sich aus mehr Gehalt zu fordern.

Handlungsbedarf gibt es bei hingegen noch bei den Altersgruppen der Berufseinsteigerinnen und erfahrenen Arbeitnehmerinnen. Sie werden von den meisten Studienteilnehmern noch vernachlässigt. Spezielle Maßnahmen zur Förderung von Berufsanfängerinnen bieten nur knapp elf Prozent an. Nur rund jede vierte Firma hat Weiterbildungen für Beschäftigte über 50 im Angebot – und dann kaum mit spezieller Ausrichtung auf Frauen.

Welche Unternehmen insbesondere für Eltern attraktiv sind, hat die Zeitschrift Eltern ebenfalls mit Territory Embrace erfragt. Die News dazu lesen sie › hier.

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