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Machen Vorurteile und Diskriminierung krank?

Die Studienverfasser fanden heraus: Je mehr eine Person diskriminiert wird, desto höher ist ihr Risiko, krank zu werden. (Foto: Pixel-Shot_Adobe Stock)
Die Studienverfasser fanden heraus: Je mehr eine Person diskriminiert wird, desto höher ist ihr Risiko, krank zu werden. (Foto: Pixel-Shot_Adobe Stock)

Wenn ein Mensch Vorurteilen und Diskriminierung ausgesetzt ist, wirkt sich das negativ auf seine Gesundheit aus. Zu dieser Erkenntnis ist eine aktuelle repräsentative Studie der Krankenkasse IKK Classic und der Marktforschungsagentur Rheingold Institut gekommen. Demnach erhöhte sich die Wahrscheinlichkeit physisch und mental zu erkranken, je mehr und je intensiver eine Person diskriminiert wird.

Für die Studie wurden 1527 Menschen Multiple-Choice-Fragen gestellt und 40 Personen mittels längeren Einzelinterviews zum Thema befragt. Das Ergebnis: Gaben Befragte an, im Alltag diskriminiert zu werden, litten sie 3,4 Mal so oft an Zusammenbrüchen und oder einem Burnout als Nicht-Diskriminierte. Zudem haben sie dreimal häufiger Kopfschmerzen und Migräne. Angststörungen und Phobien treten 2,8 Mal so häufig auf als bei Nicht-Diskriminierten. Unter Depressionen leiden Diskriminierte 2,5 Mail so häufig, Schlafstörungen und Magen-Darm-Probleme beklagen sie 2,3 Mal mehr.

Das Gefühl, rundum gesund zu sein, ist bei Diskriminierten außerdem bis zu dreimal niedriger als bei Menschen, die in ihrem Leben noch nicht aufgrund von Vorurteilen minderwertig behandelt wurden. Zudem sagen die Befragten mit Diskriminierungserfahrungen siebenmal häufiger, dass sie mit ihrem Leben im Allgemeinen unzufrieden sind.

Diskriminierung als medizinisches Problem

Dies sei laut den Studienverfassern vor allem ein Problem, da mehr als jeder zweite Mensch in Deutschland Vorurteilen und Diskriminierung ausgesetzt sei – oftmals auch im Arbeitskontext. “Diskriminierung ist ein großes Problem – ein gesellschaftliches und ein medizinisches”, sagt Frank Hippler, Vorstandsvorsitzender der IKK Classic. Selbst Vorurteile zu haben, geben dahingegen nur 38 Prozent der Befragten an. Der Mangel an Selbstreflexion könne Diskriminierungen noch bestärken. “Vorurteile sind zunächst natürlich und das Eingeständnis, dass man selbst Vorurteile hat, ist eine wichtige Erkenntnis”, sagt Stephan Urlings, Managing Partner beim Rheingold Institut und Studienautor. “Die Selbsterkenntnis ist der erste Schritt, um daraus kein diskriminierendes Verhalten gegenüber anderen entstehen zu lassen.”

Als weitere Präventionsmaßnahme gegen Diskriminierung und einem damit verbundenen erhöhten Krankheitsrisiko nennen die Studienverfasser den Kontakt und die Interaktion mit anderen Personen und sozialen Gruppen. Generell gelte: Mindestens fünf Kontaktmenschen sind nötig, um einzelne Personen nicht als Ausnahme zu sehen und ein eigenes Vorurteil abzubauen.

 

Ist Redakteurin der Personalwirtschaft. Ihre inhaltlichen Schwerpunkte sind die Themen Diversity, Gleichberechtigung und Work-Life-Balance.