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Erfahrungen von Mitarbeitern bei der Jobsuche und beim Onboarding

Onboarding
Die Mehrheit der deutschen Arbeitnehmer hat zuletzt positive Erfahrungen mit dem Onboarding gemacht. Foto: © Carlo-stock.adobe.com

Social-Media-Kanäle spielen für Jobsuchende immer noch eine untergeordnete Rolle. Das zeigt eine Umfrage von SD Worx, an der 5.000 Arbeitnehmer aus Deutschland, Belgien, Frankreich, Großbritannien
und den Niederlanden teilgenommen haben. Mit den Bewerbungsprozessen bei den Unternehmen ist die Mehrheit der Mitarbeiter recht zufrieden und das Onboarding schneidet noch etwas besser ab. Verbesserungsbedarf ist dennoch vorhanden.

Persönliche Beziehungen führen am häufigsten zum Job

Die meisten Deutschen haben ihren aktuellen Job durch persönliche Kontakte bekommen: knapp jeder Vierte (24 Prozent) kam über die eigene Familie, Freunde der Bekannte an seine derzeitige Arbeitsstelle. Länderübergreifend liegt dieser Anteil nur bei durchschnittlich rund 18 Prozent. Das sogenannte Vitamin B scheint also hierzulande eine größere Rolle zu spielen als in den anderen untersuchten Nationen. Am zweithäufigsten – mit 14 Prozent – haben die deutschen Befragten ihre Beschäftigung über Stellenangebote auf den Karriereseiten der Unternehmen gefunden. Fast ebensoviele (13 Prozent) wurden von Arbeitgebern persönlich angesprochen. Weitere 13 Prozent waren durch einen Besuch von Karrieremessen erfolgreich – dieser Anteil ist ebenfalls deutlich höher als in den anderen vier Ländern. Über eine Jobbörse gelangte jeder Elfte an seine aktuelle Stelle. Andere Kanäle folgen mit Abstand. So gaben knapp sechs Prozent die staatliche Arbeitsvermittlung an. Noch etwas weniger relevant sind soziale Medien: Lediglich rund fünf Prozent fanden ihren Arbeitgeber über Facebook, drei Prozent über Linkedin und zwei Prozent über Twitter. Außerdem wurden circa vier Prozent der Mitarbeiter online oder per E-Mail vom Unternehmen kontaktiert.

Dass Social Media im Vergleich zu anderen Rekrutierungskanälen schlechter abschneiden, findet Cathy Geerts, Chief HR Officer bei SD Worx, bemerkenswert. Allerdings kamen laut Befragung viele Mitarbeiter schon vor über 20 Jahren zu ihrem Arbeitgeber – zu einer Zeit, als soziale Medien noch kaum verbreitet waren. Was die Gegenwart betrifft, empfiehlt Geerts den Unternehmen, das vorhandene Potenzial von Linkedin & Co zu nutzen und mehr in diese Medien sowie das > Employer Branding zu investieren, um neue Kandidaten zu entdecken.

Drei Viertel der Deutschen erlebten Bewerbungsprozess positiv

Der Bewerbungsprozess, der zur letzten Einstellung führte, verlief für die meisten Befragten im Rückblick überwiegend gut: Gut drei Viertel (77 Prozent) der Deutschen bewerten ihn als positiv oder sehr positiv – das sind etwas weniger als im Länderdurchschnitt (78,5 Prozent). Das beste Bewerbungserlebnis bescheinigen die Niederländer ihren Arbeitgebern; dort empfanden rund 88 Prozent ihre Bewerbungserfahrung positiv oder sehr positiv. Von den hiesigen Befragten beurteilt ein Fünftel (20 Prozent) ihren Bewerbungsprozess als eher neutral und drei Prozent erlebten ihn als negativ bis sehr negativ.

Gute Bewertung von Bewerbungsgespräch und Kommunikation

Was die Schritte des Bewerbungsprozesses betrifft, so fanden sie im letzten Jahr wegen Corona in allen untersuchten Ländern häufiger digital statt als vorher. Dennoch, so die Studie, blieb es überwiegend bei Kontakten vor Ort. Vielleicht ist das der Grund, dass einzelne Aspekte des Verfahrens weitgehend auf Anerkennung stießen, allerdings gibt die Studie keine Auskunft darüber, wie hoch der Anteil der Befragten ist, die 2020 neu eingestellt wurden. 85,5 Prozent der Teilnehmer bewerten ihr Bewerbungsgespräch positiv bis sehr positiv. Die Kommunikation vor und nach dem Gespräch kam bei etwa 80 Prozent so gut an und jeweils 75 Prozent beurteilen den Auswahltest  und die Dauer des Bewerbungsprozesses im Nachhinein positiv oder sehr positiv. Trotz aller vorhandenen Routine sollten Unternehmen ihren Rekrutierungsprozess aber regelmäßig anpassen, rät Geerts, um ihre Chancen zu erhöhen, geeignete Mitarbeiter zu gewinnen.

80 Prozent der Arbeitnehmer waren mit dem Onboarding zufrieden

Und wie verlief nach geglückter Bewerbung das Onboarding? Im letzten Jahr fand die erste Begrüßung der neuen Mitarbeiter trotz Corona bei fast zwei Dritteln (63 Prozent) der Befragten hierzulande komplett persönlich statt. Das weitere Onboarding erfolgte bei mehr als jedem Zweiten (57 Prozent) durch direkte Zusammenarbeit im Unternehmen. In 62 Prozent der Fälle halfen Kollegen bei der Einarbeitung und bei 38,5 Prozent standen der Arbeitgeber oder ein Supervisor unterstützend zur Seite. Außerdem kümmerte sich bei 14 Prozent ein Mentor oder Buddy um die frisch Rekrutierten. Immerhin jeder Zehnte allerdings war auf sich selbst angewiesen. Solange noch von einem Fachkräftemangel die Rede ist, besteht hier seitens der Arbeitgeber also durchaus Handlungsbedarf. Insgesamt kommen die Unternehmen beim Onboarding aber noch etwas besser weg als beim Bewerbungsprozess: 80 Prozent der Befragten gaben eine positive oder sehr positive Beurteilung ab. Ein Sechstel (16 Prozent) erlebte die erste Phase neutral und vier Prozent sagen, sie hätten eine negative bis sehr negative Erfahrung damit gemacht.

Ute Wolter ist freie Mitarbeiterin der Personalwirtschaft in Freiburg und verfasst regelmäßig News, Artikel und Interviews für die Webseite.