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Umworben, aber mit neuen Anforderungen

Vor allem in der Altenpflege wird immer mehr und speziell qualifiziertes Personal gebraucht.
Foto: © Kzenon/Fotolia.de
Vor allem in der Altenpflege wird immer mehr und speziell qualifiziertes Personal gebraucht.
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Das Berufsbild von Pflegekräften hat sich in den letzten Jahren verändert. Inzwischen ist neben der Grund- und Behandlungspflege auch die Dokumentation der Pflege eine zentrale Aufgabe geworden, bei der es auf eine gute Beobachtungsgabe, Erfahrung und Sorgfalt ankommt. Sie findet sich in dreimal so vielen Stellenangeboten wie vor fünf Jahren. Auch die Beratung von Patienten und Angehörigen und die Anleitung bei der Behandlung in der Kranken- und Altenpflege wird von Arbeitgebern heute wesentlich öfter als Aufgabe genannt. Außerdem beinhaltet aktuell fast jedes fünfte Aufgabenprofil die interdisziplinäre Zusammenarbeit, zum Beispiel mit Anästhesisten oder Therapeuten, während diese Anforderung 2011 nur in jedem neunten Stellenprofil zu finden war. Das geht aus dem DEKRA Arbeitsmarkt-Report 2016 hervor. Dafür wurden vom 22. Februar bis 6. März dieses Jahres 350 Stellenanzeigen für Pflegefachkräfte in der Kranken-, Alten- und Kinderpflege in elf deutschen Tageszeitungen, zwei Online-Jobbörsen und einem sozialen Netzwerk ausgewertet.

Spezialkenntnisse in Intensiv- und Altenpflege vermehrt gesucht

Mehr als drei Viertel (77,1 Prozent) der Job-Offerten erwarten von Bewerbern den Abschluss einer Berufsfachschule und bei Pflegehelfer-Positionen die 200-Stunden-Basisqualifikation. Drei von vier Stellenanzeigen führen Tätigkeiten an, für die Kandidaten idealerweise spezielle Berufserfahrung oder entsprechende Weiterbildung mitbringen. Am häufigsten erwähnen sie die Intensivpflege (21,1 Prozent) und die Altentherapie (20 Prozent). Letztere beschränken sich nicht auf Mitarbeiter in der Altenpflege, sondern finden sich auch in Job-Angeboten für Gesundheits- und Krankenpfleger, denn angesichts immer älterer Patienten, die auch dement sein können, benötigen Kliniken ebenfalls speziell qualifiziertes Personal. Gefragt sind außerdem Kandidaten mit einer Fachweiterbildung für Anästhesie und einer Weiterbildung zum Pflegedienstleiter.

Fachkräfte in den Pflegeberufen müssten heute sehr viel breiter qualifiziert sein als früher, kommentiert Dr. Peter Littig, Bildungspolitischer Berater der Geschäftsführung bei der DEKRA Akademie, die Ergebnisse. Infolge der demografischen Entwicklung verschwimme die klare Trennung zwischen den einzelnen Fachrichtungen, daher sei es nur konsequent, die Reform der Pflegeberufe anzugehen.

Gefragt: Lernbereitschaft, Motivation und Eigeninitiative

Die Arbeitgeber legen inzwischen mehr Wert auf Soft Skills des Pflegepersonals im täglichen Umgang mit schwerkranken oder dementen Menschen: In gut vier von fünf Stellenangeboten sprechen sie persönliche Eigenschaften an, auf die sie bei Mitarbeitern Wert legen; 2011 waren es erst 59,3 Prozent. Dabei stehen Lernbereitschaft, eine hohe Motivation und Eigeninitiative an vorderster Stelle. Weitere Eigenschaften beziehen sich auf die hohe Verantwortung, die Pflegekräfte haben. Darüber hinaus erwarten 12,3 Prozent der Stelleninserate von den Bewerbern Kreativität, vermutlich, so der Report, um in kritischen Situationen schnell eine Lösung erarbeiten zu können oder über individuelle Ansätze einen Zugang zu Menschen mit Demenz oder Behinderung zu finden.

Viele Unternehmen bieten flexible Arbeitsbedingungen und Benefits

Um qualifiziertes Pflegepersonal zu finden, zeigen sich die Arbeitgeber sehr flexibel, sowohl bei den Vertragsverhältnissen als auch den Arbeitszeiten. Zwar sind 82,3 Prozent der angebotenen Positionen Vollzeitstellen, die Bewerber können jedoch oft wählen, ob sie in Teil- oder Vollzeit arbeiten möchten. Jedes vierte Inserat erwähnt außerdem die Möglichkeit eines “Wunschdienstplans”. Neben Zusatzleistungen zum Gehalt wie betriebliche Altersvorsorge oder Weihnachts- und Urlaubsgeld bieten Unternehmen oft weitere Benefits. Sie reichen von der betriebseigenen Kindertagesstätte über gesundheitsfördernde Angebote, private Krankenversicherung bis hin zur Nutzung betriebseigener Ferienhäuser.

Der Arbeitsmarkt-Report steht > hier als Blätterkatalog zur Verfügung.