Aktuelle Ausgabe

Newsletter

Abonnieren

Unternehmen ziehen reifere Azubi-Bewerber vor

Auch zwei Jahre nach dem Schulabschluss gute Chancen auf eine Ausbildungsstelle.
Foto: © Alexander Raths/Fotolia.com
Auch zwei Jahre nach dem Schulabschluss gute Chancen auf eine Ausbildungsstelle.
Foto: © Alexander Raths/Fotolia.com

Das Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB) hat ein Feldexperiment durchgeführt, um Rekrutierungskriterien auf dem Ausbildungsmarkt zu testen. 2012 und 2013 schickte es in zwei Wellen 714 fiktive Bewerbungen an deutsche Unternehmen mit mehr als 30 Mitarbeitern, die eine Ausbildung zur Bürokauffrau und zur Kauffrau für Bürokommunikation anboten. Eine Gruppe der fiktiven Bewerberinnen stand kurz vor dem Realschulabschluss oder einem auf andere Weise erreichbaren mittleren Schulabschluss. Eine weitere Gruppe hatte die Schule vor fast zwei Jahren abgeschlossen, danach ein Jahr lang eine berufsvorbereitende Bildungsmaßnahme angeschlossen und jobbte zum Zeitpunkt der Bewerbung. Die dritte Gruppe hatte die Schule ebenfalls vor fast zwei Jahren abgeschlossen, keine berufsvorbereitende Maßnahme hinter sich und jobbte ebenfalls zum Zeitpunkt der Bewerbung. Alle Bewerberinnen hatten denselben Notendurchschnitt.

Altbewerber punkten bei Personalern mit berufsvorbereitenden Maßnahmen

Das Experiment ergab, dass Personalchefs Altbewerberinnen vorziehen, die sich über eine berufsvorbereitende Maßnahme im Übergangssystem weiterqualifiziert haben. Diese Bewerberinnen haben eine um 13 Prozent höhere Chance, zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen zu werden als Bewerberinnen, die sich gleich nach der Schule um einen Ausbildungsplatz bemühen. Wer allerdings nach der Schule nur gejobbt hat, landet auf dem letzten Platz: Diese Altbewerberinnen haben gegenüber jenen mit berufsvorbereitender Maßnahme eine um 16 Prozent geringere Chance, zum Vorstellungsgespräch eingeladen zu werden

Keine Angst vor Lücken im Lebenslauf

Fazit: Auch zwei Jahre nach dem Schulabschluss haben Bewerber gute Chancen auf einen Ausbildungsplatz.

Viele Personalchefs bevorzugen Bewerberinnen, die zwei Jahre älter sind, sich weiterqualifiziert haben und damit mehr Ausbildungsreife mitbringen.

So lautet die Folgerung der Studienautorinnen Dorothea Kübler und Julia Schmid. Damit scheine der Druck auf die jungen Leute, keine Lücke im Lebenslauf entstehen zu lassen, weniger groß als häufig angenommen. Sie hätten Zeit für die Stellensuche oder um sich zu orientieren, etwa im Rahmen einer berufsvorbereitenden Maßnahme.

Das Feldexperiment ist Teil des WZB-Brückenprojekts “Rekrutierungsverhalten von Unternehmen auf Ausbildungs- und Arbeitsmärkten”. Die Studie ist als Discussion Paper “Take your time to grow: A field experiment on the hiring of youths in Germany” erschienen.

Das Discussion Paper steht > hier zum Download bereit.