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Verbände fordern mehr unternehmerische Freiheit

Die Diskutanten auf dem BAP-Kongress 2019
BAP-Kongress mit Sebastian Lazay, Christian Baumann, Anke Plättner (Moderatorin) und Jasmin Arbabian-Vogel (von links nach rechts). Fotocredits: Florian Gaertner/photothek.de

Vor dem Hintergrund konjunktureller Eintrübung, Personalengpässen und Strukturwandel ging es auf dem Arbeitsmarktkongress 2019 des Bundesarbeitgeberverbands der Personaldienstleister e. V. (BAP) um aktuelle Herausforderungen aus Unternehmenssicht. Am Gespräch nahmen folgende Wirtschaftsvertreter teil: BAP-Präsident Sebastian Lazay, Jasmin Arbabian-Vogel, Präsidentin des Verbands deutscher Unternehmerinnen e. V. (VdU), und Christian Baumann, Bundesvorsitzender des Interessensverbands Deutscher Zeitarbeitsunternehmen e. V. (iGZ). Die Wirtschaftsvertreter schauen insgesamt optimistisch in die Zukunft, heißt es in der Pressemitteilung, allerdings werde der Arbeitsmarkt der Zukunft anders aussehen als heute. Man müsse sich lösen von den klassischen Verhältnissen “Von der Wiege bis zur Bahre ein Arbeitgeber” und die Sozialversicherungssysteme an die modernen Beschäftigungsformen anpassen.

Wunsch der Unternehmensvertreter: Zeitarbeiter weltweit rekrutieren

Auf das Thema Fachkräftemangel haben die Unternehmensvertreter die Antwort der weltweiten Rekrutierung. Baumann betonte, dass eine “grenzenlose Rekrutierung” notwendig sei. Dafür brauche man die entsprechenden Gesetze, eine offene Gesellschaft und Unternehmen, die Diversity Management nicht nur kosmetisch, sondern strategisch angehen, sagte Arbabian-Vogel. Es wurde betont, dass die Zeitarbeitsunternehmen in der Lage seien, weltweit Personalrekrutierung zu betreiben. “Wir dürfen nur nicht. Weil es politisch nicht gewollt ist, Arbeitskräfte aus Drittstaaten zu beschäftigen”, monierte Lazay, und weiter:

Wenn die Charité Pflegekräfte aus den Philippinen rekrutiert, wird die Erlaubnis erteilt, aber nicht, wenn es ein Zeitarbeitsunternehmen machen will. Das ist geradezu paradox, dass man einer Branche, die sich auf Rekrutierung spezialisiert hat, das Recruiting gesetzlich untersagt.

Überhaupt erfülle Zeitarbeit auch den gegenwärtigen Wunsch von Gesellschaft und Unternehmen nach flexiblen Arbeitszeitregelungen. Gleichzeitig biete sie jungen Menschen auch Sicherheit durch eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigungsform, lobten die Gesprächspartner das Modell Leiharbeit.

Politik wird als Bremsklotz gesehen

Die Politik hinke Unternehmen und Gesellschaft jedoch hinterher, sie sei oft ein “Bremsklotz” für die Unternehmen, die Diskutanten beklagten eine zunehmende und überbordende Bürokratie und “Unbeweglichkeit” auf politischer, gewerkschaftlicher und unternehmerischer Ebene. Agilität sei notwendig, um auf Veränderungen rechtzeitig zu reagieren, meint Jasmin Arbabian-Vogel, und Christian Baumann ergänzte, dass mangelnde Agilität letztlich auch auf gesetzliche Regelungen zurückzuführen sei, die die unternehmerische Freiheit einengten und so Platz für Visionen und Investitionen hemmten. Dazu komme noch, dass Deutschland im Ausbau einer modernen, wettbewerbsfähigen Infrastruktur massiv hinterherhinke, so Sebastian Lazay.

Ute Wolter ist freie Mitarbeiterin der Personalwirtschaft in Freiburg und verfasst regelmäßig News, Artikel und Interviews für die Webseite.