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Verunsicherte Generation Z

 

Verunsicherte Generation Z
Foto: © snedorez / stock.adobe.com

Die Corona-Krise trifft verschiedene Zielgruppen unterschiedlich stark: Ob Unternehmen und deren HR-Abteilungen oder Talente und Hochschulen – die mittelfristigen Auswirkungen dieser Krise sind in vielen Bereichen noch unklar. Jobteaser hat in den letzten Wochen mehrere Tausend Studierende sowie zahlreiche Unternehmen und Bildungseinrichtungen im Netzwerk befragt. Ziel war, die neuen Gegebenheiten und aktuellen Auswirkungen zu analysieren und die Sichtweise von Akteuren zu beleuchten, die bei der Rekrutierung eine entscheidende Rolle spielen.

Große Unterschiede im Recruiting von Unternehmen

Fakt: Die 237 befragten HR- und Recruiting-Verantwortlichen aus acht verschiedenen EU-Ländern des Jobteaser-Netzwerks sind unterschiedlicher Ansicht, was Einstellungsstopps und das Einfrieren von HRBudgets angeht: Knapp ein Drittel rekrutiert aktuell weiter junge Talente. 76 Prozent rekrutieren zumindest teilweise weiter. Doch die Verunsicherung ist spürbar: 25 Prozent der befragten Unternehmen haben die Rekrutierung junger Talente vorerst komplett eingefroren. Auch Praktikanten- und Werkstudentenstellen sind betroffen: 44 Prozent der Unternehmen verschieben die Einstellung derzeit auf einen späteren Zeitpunkt. Gut ein Viertel (24 Prozent) der Unternehmen rekrutiert Praktikanten weiter online. Bei 42 Prozent der Unternehmen bleibt das Budget trotz der aktuellen Situation unverändert. Etwa jeder dritte Personalmanager (35 Prozent) hat mit einer Kürzung des Budgets zu kämpfen, bei 23 Prozent ist das Budget bis auf Weiteres sogar gänzlich eingefroren.

Transfer: Die Umfrageergebnisse zeigen, dass Einstellungen derzeit schleppend verlaufen und der Markt rückläufig ist. Je nach Branche gibt es große Unterschiede, ob junge Talente weiter eingestellt werden. Viele Unternehmen aus den Branchen Transport, Logistik und Digitalwirtschaft setzen die Suche nach jungen Talenten fort, um mittelfristig gestärkt aus der Krise hervorzugehen. Die Sektoren Tourismus, Verkehr und Vertrieb sind stark betroffen und verzeichnen hohe Budgetkürzungen für Personal. Das bedeutet, es herrscht eine gewisse Zurückhaltung, was die Einstellung von neuen Mitarbeitern angeht. Zudem sind die wirtschaftlichen Auswirkungen für viele der befragten Unternehmen noch nicht final abzuschätzen und damit ungewiss. Problematisch ist einerseits die Verschiebung der Einstellungen durch Unternehmen und andererseits der Bedarf an sofort verfügbaren Jobs für Studierende nach der akademischen Ausbildung.

Zuversichtliche HR-Teams trotz anspruchsvoller Reorganisation

Fakt: Auf die Frage, welche die größte Herausforderung für Personaler in der aktuellen Corona-Krise sei, wird vor allem die interne Neuorganisation (43 Prozent) gesehen, etwa in Form von Remote-Arbeit. Auf den Plätzen zwei und drei folgen die Sichtbarkeit auf dem Arbeitgebermarkt (24 Prozent) und das Remote-Recruiting (11 Prozent). Trotz der neuen Herausforderungen sind 41 Prozent der HR-Abteilungen in Bezug auf ihre Aktivitäten zuversichtlich gestimmt, verspüren Optimismus und stellen sich schnell auf neue Prozesse ein. Lediglich 13 Prozent der Personaler sind derzeit nicht zuversichtlich.

Transfer: Für viele Unternehmen gehört die Kommunikation und Organisation über virtuelle Tools mittlerweile zum neuen Standard. Die Reorganisation von Abläufen genießt bei den Unternehmen höchste Priorität, um einen neuen Rhythmus in Zeiten des Social Distancing zu finden. Auch Vorstellungsgespräche und Auswahlverfahren laufen digital ab, ebenso wie das Onboarding neuer Mitarbeiter. Die Zuversicht der HR-Teams zeigt, dass trotz vieler neuer Herausforderungen die Stimmung positiv ist, da die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Zusammenarbeit schnell geschaffen wurden. Und auch die Beschleunigung der Digitalisierung im Bereich von HR-Prozessen kann von Unternehmen als Chance wahrgenommen werden. Wer jetzt agil und schnell neue Tools und Möglichkeiten adaptiert, geht mittelfristig gestärkt aus der Krise hervor.

Junge Talente streben nach beruflicher Orientierung und Unterstützung

Fakt: Nahezu ein Drittel der Talente hat infolge der Krise die eigene berufliche Orientierung überdacht, und 40 Prozent der jungen Absolventen sind hinsichtlich ihrer beruflichen Perspektiven eher oder sogar sehr verunsichert. Junge Talente wünschen sich Unterstützung von ihrer Universität oder Hochschule: 79 Prozent wünschen sich Hilfe der jeweiligen Bildungseinrichtung im Bereich der Karriereplanung und -orientierung durch beispielsweise ein Jobportal oder virtuelle Beratungsangebote. Hier treibt den Hochschulnachwuchs vor allem die Sorge nach der finanziellen Grundlage um. Fast zwei Drittel der Studierenden (63 Prozent) berichten, dass sie aktuell Schwierigkeiten bei der Arbeitssuche haben. Während in Frankreich angesichts der Krise nur ein Viertel der jungen Talente ihre berufliche Orientierung anpasst, trifft dies auf 37 Prozent der deutschen Studierenden zu. Besonders auffällig sind die Unterschiede in der Erwartungshaltung in Bezug auf eine Unterstützung bei der Orientierung. Während im Nachbarland lediglich vier Prozent Ratschläge seitens ihres Career Service erwarten, sind es an deutschen Hochschulen mit 42 Prozent zehnmal so viele.

Transfer: Der Eintritt einer neuen Generation in einen instabilen Markt bringt das Risiko mit sich, dass sich Ängste, Spannungen und Ungleichheiten verstärken. Gleichzeitig müssen Studierende mehr Zeit für die Suche nach beruflichen Möglichkeiten aufwenden. Und das tun sie bereits: Die Hälfte der befragten Studierenden wendet mehr Zeit als zuvor für die Suche nach Berufsmöglichkeiten auf. Karrierenetzwerke, digitale Weiterbildungen für den Kompetenzausbau und virtuelle Beratungsangebote gewinnen für die Generation Z wieder stärker an Bedeutung. Die Generation zukünftiger Fachkräfte muss sich wieder mehr mit der eigenen beruflichen Zukunft auseinandersetzen. Im Gegenzug benötigt sie Unterstützung in Form von Orientierungsangeboten. Bildungseinrichtungen und Unternehmen sind hier gefordert, um die Rahmenbedingungen für einen erfolgreichen Praxistransfer zu gewährleisten.

Bildungseinrichtungen in der Pflicht

Fakt: Von den befragten Bildungseinrichtungen sind 94 Prozent der Auffassung, dass die Beschäftigungsfähigkeit ihrer Studierenden auf dem Arbeitsmarkt durch die Einschränkungen der Corona-Krise stark oder teilweise beeinträchtigt wird. Entsprechend hoch stufen sie die Beratung über digitale Plattformen und in Echtzeit ein. So hat der erfolgreiche Praxistransfer für Studierende in Form von Praktika, Werkstudentenstellen oder Einstiegsjobs für die Bildungseinrichtungen derzeit höchste Priorität (49 Prozent). Was die wirtschaftlichen Auswirkungen der Krise auf den Arbeitsmarkt und den Rekrutierungsbedarf betrifft, tappen die Hochschulen und Universitäten allerdings im Dunkeln: Fast neun von zehn Befragten (87 Prozent) haben nur eine unklare oder unvollständige Vorstellung davon.

Transfer: Die Beratungsanfragen von Studierenden steigen durch Corona. Career Center von Hochschulen und Universitäten sind jetzt gefordert, ihre Expertise allen Studierenden gleichermaßen zur Verfügung zu stellen. Interaktive Online-Formate sind in der Krise unerlässlich. Nur so wird es gelingen, die Beschäftigungsfähigkeit der Studierenden zu fördern und der zunehmenden Orientierungslosigkeit entgegenzuwirken.

Fazit: Die aus der Umfrage gewonnenen Erkenntnisse machen deutlich, dass diese Krise alle Bereiche betrifft: Unternehmen, Talente wie auch Bildungseinrichtungen stehen vor neuartigen Herausforderungen, die es zu meistern gilt. Es muss ein neues Modell zwischen Unternehmen, Bildungseinrichtungen und den Talenten konzipiert werden, damit Werte und Visionen geteilt, Orientierung vermittelt und Chancen in dieser unsicheren Lage identifiziert und kommuniziert werden können.

Die Studie
Jobteaser hat im Zeitraum vom 1. bis 17. April 7041 Studierende aus
zehn Ländern, 175 Hochschulen und Universitäten aus 14 Ländern sowie 237
Unternehmen aus acht Ländern aus dem eigenen Netzwerk online zu den
Auswirkungen der Corona-Krise befragt.

Dieser Beitrag erschien in der Hauptausgabe 07/2020 der Personalwirtschaft. Sie können das gesamte Heft in unserem › Shop bestellen
 
Quelle: Jobteaser, 2020

Die 237 befragten HR- und Recruiting-Verantwortlichen aus acht verschiedenen EU-Ländern sind gespalten, was Einstellungsstopps und das Einfrieren von HR-Budgets angeht: knapp ein Drittel rekrutiert aktuell weiter junge Talente, 76 Prozent rekrutieren zumindest teilweise weiter, 25 Prozent der befragten Unternehmen haben die Rekrutierung junger Talente vorerst komplett eingefroren.

Quelle: Jobteaser, 2020

Bei 42 Prozent der Unternehmen bleibt das Budget trotz der aktuellen Situation unverändert.

Quelle: Jobteaser, 2020

Etwa jeder dritte Personalmanager (35 Prozent) hat mit einer Kürzung des Budgets zu kämpfen.

Quelle: Jobteaser, 2020

Bei 23 Prozent der befragten Personaler ist das Budget bis auf Weiteres sogar komplett eingefroren.

Quelle: Jobteaser, 2020

Die interne Neuorganisation etwa in Form von Remote-Arbeit sehen Personaler als größte Herausforderung in der aktuellen Situation (43 Prozent). Auf den Plätzen zwei und drei folgen die Sichtbarkeit auf dem Arbeitgebermarkt (24 Prozent) und das Remote-Recruiting (11 Prozent).

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