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Wenn der Algorithmus den Bürohund auswählt…

Christoph Athanas, Geschäftsführer der meta HR Unternehmensberatung und
Miterfinder der HR BarCamps, wirft einen Blick auf zwei Beiträge der
kommenden Ausgabe. Sein Fokus: Der Bürohund als HR-Thema und automatisierte Bewerbungsanalyse.

Frau mit Hund im Buero
Bild: chika_milan/Fotolia

Laut einer 2016 veröffentlichten GfK-Studie sind Hunde die zweitbeliebtesten Haustiere in Deutschland, gleich nach Katzen. Was die Situation in deutschen Büros angeht, dürfte der Wauwau allerdings klar vorn liegen: Gleich in zwei Beiträgen wird in der kommenden Ausgabe der Personalwirtschaft dem zeitgeistigen Phänomen “Bürohund” Rechnung getragen.

Eine These ist dabei, dass mehr Technologie am Arbeitsplatz (digital und so, Sie wissen schon) umso mehr den Kontrapunkt des Natürlichen – zum Beispiel in der Form eines Vierbeiners – im Office braucht. Die Überlegung wird in dem Beitrag “Gesund durch Gassi gehen” entwickelt und dann gleich wieder kritisch hinterfragt. Uff: Doch keine Hunde-Propaganda, sondern eine ausgewogene Betrachtung! Das gefiel mir, gehöre ich doch eher zu denen, die auf die Allgegenwart von Hunden nicht so sehr viel Wert legen. Bürohunde – insbesondere im Plural – sind für mich persönlich nicht unbedingt ein so erstrebenswertes Benefit am Arbeitsplatz.

Aber es gibt viele Menschen, die das anders sehen. Und in unserer flexiblen Arbeitswelt ist offenbar auch die Situation der alleinerziehenden Hunde-Mamas/-Papas etwas, was bis in die Betriebe vordringt und Teil des Personalmanagements werden kann. Hier leisten die beiden Artikel in der Personalwirtschaft 10/2017 gute Dienste. Ich hatte das Bürohunde-Thema bisher nicht so im Blick und muss sagen, wieder etwas gelernt zu haben.

Auswahl nur noch per Software? Ja, das geht – bald

Bleibt die Frage, wie man die Entscheidung trifft, welche Hunde am Arbeitsplatz eine Bereicherung darstellen. Das Thema Vorauswahl liegt somit in der Luft. Wie passend, dass sich ein weiterer Artikel in der neuen Ausgabe findet, welcher sich der spannenden Frage nach der autonomen Bewerbungsanalyse in der Personalrekrutierung widmet.
Der Bericht bezieht sich auf aktuelle Studienergebnisse aus der Wissenschaft. Soviel gleich vorweg: Die Anwendbarkeit der Methode auf die Bürohunde-Frage wird nicht beantwortet. Wohl aber stellt der Beitrag dar, dass mittlerweile intelligente Software in etwa gleich gut die Vorauswahl von Bewerbern anhand schriftlicher Lebensläufe vornehmen kann, wie das menschliche Recruiter können.

Sollte sich die automatisierte Vorauswahl zukünftig als überlegen erweisen, wäre der Weg geebnet, viel Zeit für Bewerbungssichtung einzusparen und gleichzeitig Urteilsverzerrungen zu vermeiden. Alters-, geschlechts- oder altersspezifische Diskriminierung würde in einer solchen vom Algorithmus vorgenommenen Bewerbervorauswahl nicht mehr vorkommen. Eine schöne Vision.

Allerdings zeigt der Forschungsbericht auch die (noch) vorhandenen Grenzen dieser Technologie auf: Während etwa Führungskompetenz sowohl von der Software, wie auch von den Recruitern mit hoher Treffsicherheit aus den Bewerbungsunterlagen beurteilt werden konnte, funktioniert selbiges beispielsweise mit Kommunikationsfähigkeit oder Verantwortungsbewusstsein bisher eher schlecht. Vielleicht liegt das auch daran, dass für die Studie nicht in jedem Fall Kriterien ausgewählt wurden, welche sich aus Bewerbungsunterlagen besonders gut herauslesen lassen. Beim Kriterium Kommunikation habe ich da zum Beispiel Zweifel.

Als Fazit muss man daher augenblicklich noch konstatieren, dass da, wo eine Software dem menschlichen Urteil nicht deutlich und nachhaltig überlegen ist, deren Einsatz noch zu früh käme. Das Thema bleibt spannend, bedarf aber wie so viele Ansätze des “Roboter-Recruitings” des Feintunings. Ich erwarte hier in Zukunft jedoch einiges. Wenn dann irgendwann über einen intelligenten Algorithmus auch die Bürohunde-Auswahl organisiert werden kann, wird alles gut – oder so ähnlich.

Unser Sneak-Previewer

Christoph Athanas, meta HR Unternehmensberatung

 Christoph Athanas ist Gründer und Geschäftsführer der › meta HR
Unternehmensberatung
GmbH mit Sitz in Berlin. Unter seiner Beteiligung
entstanden seit 2014 mehrere wissenschaftlich begleitete
Recruiting-Studien. Er ist zudem Mitinitiator der jährlichen HR
BarCamps, einem nicht-kommerziellen, innovativen HR Konferenzformat.
Seit 2009 schreibt er im › meta HR Blog zu aktuellen HR-Themen und
Recruiting-Trends. 


+++ Weiterlesen zum Thema Bürohund und Bewerberauswahl per Software:
› Beitrag: Vier Pfoten für besseres Klima
› Beitrag: Autonome Bewerbungsanalyse in der Personalrekrutierung
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