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Wichtig, aber bei Neueinstellungen nicht immer beachtet

Ein Hufeisenmagnet zieht stilisierte Menschen an
Wer zieht wen an? Kulturelle Passung von Mitarbeitern und Unternehmen ist den meisten wichtig.
Foto: © blobbotronic/Fotolia.de

Bei der Rekrutierung legen deutsche Arbeitgeber immer mehr Wert auf den sogenannten Cultural Fit, also darauf, dass die neuen Mitarbeiter auch menschlich zum Unternehmen und zum Team passen. Trotzdem achten nur zwei Drittel darauf und noch weniger gehen dabei systematisch vor.

93 Prozent der Personalentscheider hierzulande halten den Cultural Fit im Recruiting-Prozess für wichtig. Die Mehrheit verspricht sich dadurch Vorteile. So denken 76 Prozent, dass Mitarbeiter bei einer guten kulturellen Passung motivierter sind. 66 Prozent glauben, dass eine höhere Mitarbeiterbindung damit einhergeht. 65 Prozent sehen als Vorteil größeres Engagement und 64 Prozent eine höhere Mitarbeiterzufriedenheit. Das sind Ergebnisse einer aktuellen Studie von Stepstone, für die mehr als 4000 Personalentscheider sowie 25 000 Fach- und Führungskräfte befragt wurden.

Für vier von zehn Unternehmen ist die kulturelle Passung ein Muss

Obwohl Unternehmen den Cultural Fit für so wichtig halten, achten nur 65 Prozent bei Neueinstellungen tatsächlich darauf. Und lediglich 41 Prozent machen die Mitarbeiterauswahl im Wesentlichen von der Passung abhängig. Dafür nutzt mehr als ein Drittel aller befragten Unternehmen (36 Prozent) das Vorstellungsgespräch. 16 Prozent verschaffen sich im Rahmen eines Probearbeitstags einen Eindruck und 15 Prozent machen sich anhand der Bewerbungsunterlagen ein Bild von der Persönlichkeit des Bewerbers. Ein systematisches Verfahren zur objektiven Überprüfung des Cultural Fit setzen nur 15 Prozent der Arbeitgeber ein.

Systematische Tests bringen zufriedenere Mitarbeiter

Von den Unternehmen, die bereits systematische Verfahren in den Rekrutierungsprozess integriert haben, setzen zwei Drittel (67 Prozent) und damit die meisten leitfadengestützte Interviews ein. Fast die Hälfte (48 Prozent) nimmt ein Screening der Bewerbungsunterlagen vor und ein Drittel (33 Prozent) führt Online-Persönlichkeitstest/computergestützte Persönlichkeitstests durch. 83 Prozent der Arbeitgeber, die systematische Verfahren im Auswahlprozess einsetzen, sagen, dass sie die Zufriedenheit ihrer Belegschaft dadurch steigern konnten. 70 Prozent konnten damit nach eigener Aussage die Fluktuation verringern. Die Ergebnisse der systematischen Tests stimmen zumeist mit dem persönlichen Eindruck der Recruiter überein, doch immerhin zwei Drittel gaben an, dass sie neue Erkenntnisse über die Kandidaten gewonnen haben, die ihnen sonst verborgen geblieben wären.

Für die meisten Fachkräfte ist der Cultural Fit ebenfalls wichtig

Auch die im Rahmen der Studie befragten Fachkräfte halten viel von einer kulturellen Passung zum Unternehmen. 97 Prozent sagen zunächst, dass ihnen die Unternehmenskultur wichtig ist. Sechs von zehn Kandidaten achten bei der Jobsuche gezielt auf den Cultural Fit, bei den Frauen sind es noch mehr. Von Employer-Branding-Floskeln lassen sich die Fachkräfte allerdings nicht beeindrucken. Auch geben rund 40 Prozent an, im Bewerbungsgespräch schon einmal über die Unternehmenskultur getäuscht worden zu sein, weitere 20 Prozent sogar mehrfach.

Nur jeder Dritte kann sich mit der Kultur seines Unternehmens identifizieren

Aktuell können sich nur 36 Prozent der befragtem Fachkräfte mit der Unternehmenskultur ihres Arbeitgebers identifizieren. 43 können es nicht und der Rest gab an, es nicht zu wissen. Fachkräfte, die mit ihrem Job zufrieden sind, können sich eher mit der Unternehmenskultur identifizieren (59 Prozent) als Unzufriedene (neun Prozent).

Jobsuchende gespalten hinsichtlich Persönlichkeitstests

Gefragt danach, ob sie gern einen IT-gestützten Persönlichkeitstest im Bewerbungsprozess machen würden, stimmten 44 Prozent der Fachkräfte zu. Rund ein Drittel (32 Prozent) findet Persönlichkeitstest allerdings nicht gut und ein Viertel (26 Prozent) würde die Ergebnisse eines solchen Tests nicht mit dem potenziellen Arbeitgeber teilen wollen.

Die vollständigen Studienergebnisse stehen zum > Download zur Verfügung.

Ute Wolter ist freie Mitarbeiterin der Personalwirtschaft in Freiburg und verfasst regelmäßig News, Artikel und Interviews für die Webseite.