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Wie ein Podcast als Recruiting-Tool eingesetzt werden kann

Schriftliche Stellenanzeigen reichen in Zeiten des Fachkräftemangels oftmals nicht mehr aus, um als Unternehmen Aufmerksamkeit von Talenten zu erhalten und sich von der Masse abzuheben. Neue Lösungen müssen her. Die Parship Group, zu der etwa die Dating-App Parship und die Online-Partnervermittlung ElitePartner gehören, hat deshalb einen Recruiting-Podcast mit dem Titel „Jobstories“ als Pilotprojekt gestartet. Für Positionen, die traditionell schwer zu besetzen sind, befindet sich neben den schriftlichen Stellenbeschreibungen auf der Karriereseite des Hamburger Unternehmens eine Audiodatei, die circa zehn Minuten lang ist. Das ist beispielsweise bei Stellenanzeigen für SEA-Manager (Experten für Suchmaschinenwerbung) oder dem Mitarbeiter oder der Mitarbeiterin im Kundenservice Inbound der Fall.


Hörtipp: Der Personalwirtschaft-Podcast „Vorstellungsgespräch“

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Wer auf den jeweiligen Playknopf drückt, hört ein kurzes Interview, das eine Mitarbeiterin aus dem Kommunikationsteam als Moderatorin mit zwei Beschäftigen aus dem Fachbereich geführt hat, für den ein neues Talent gesucht wird. Dort erzählen die jeweiligen Teammitglieder von ihren täglichen Aufgaben, berichten, was sie fachlich an ihrer jetzigen Stelle überrascht hat, und beschreiben die Zusammenarbeit mit den anderen Kollegen und Kolleginnen.

Dass es die Recruiting-Podcasts bei Parship gibt, ist auch der Corona-Pandemie zu verdanken. „Wir haben nach Alternativen für die Außenwerbung von Stellenanzeigen gesucht“, sagt Monika Strotmann, Senior Vice President Human Resources, ParshipMeet Group, „denn Menschen waren in der Pandemie nicht so viel unterwegs und konnten weniger häufig auf unsere Kampagnen treffen.“ 

Was gibt es zu beachten?

Bei der Suche nach einer Person im Unternehmen, der oder die sich für die Moderationsrolle im Podcast eignet, ist das Parship-HR-Team auf eine Kollegin aus der Kommunikationsabteilung gestoßen. Im zweiten Schritt sei die geeignete Technik, wie ein Mikrofon und ein Aufnahme- und Schnittprogramm, angeschafft worden.

Katharina Wolf, Recruiter, ParshipMeet Group, hat das Podcast-Recruiting gemeinsam mit ihren Kollegen und Kolleginnen getestet. (Foto: ParshipMeet Group)

„Danach haben wir uns einzelne Stellen herausgesucht, für die wir einen Podcast aufnehmen möchten“, sagt Katharina Wolf, Recruiter, ParshipMeet Group. Die Suche nach Teilnehmenden aus den jeweiligen Fachbereichen folgte. „Es ist entscheidend, geeignete Kolleginnen und Kollegen zu finden, die sich wohlfühlen, bei einer Audioaufnahme zu sprechen und zugleich in der Lage sind, relevante Inhalte anschaulich und authentisch zu vermitteln.“ Was den Inhalt des Podcasts betrifft, sei es wichtig, den Hörerinnen und Hörern einen echten Mehrwert zu bieten. Dabei habe sich das Parship-HR-Team folgende Fragen gestellt: Was interessiert die Bewerbenden wirklich? Welche Informationen gehen über die schriftliche Stellenbeschreibung hinaus?

Fachbereiche vorbereiten

Auf Basis dieser Überlegungen wurde von HR ein grober Gesprächsleitfaden für die Podcast-Episoden vorbereitet. „Es war dem Fachbereich jedoch freigestellt, die Fragen der Gesprächssituation anzupassen“, sagt Wolf. Das wurde auch im Kick-Off-Meeting betont, welches vor jeder Aufnahme zur inhaltlichen und organisationalen Abstimmung mit der jeweiligen Abteilung diente.

In diesem Rahmen wurde den Fachbereichsvertreterinnen und -vertretern auch ein kleines Regelwerk mit Dos and Don’ts für die Aufnahme an die Hand geben. Dieses enthielt Tipps zur Sprechgeschwindigkeit, Ausdrucksweise – beispielsweise der Vermeidung von Füllwörtern – und einer authentischen Kommunikation. „Wir empfehlen auch, die Antworten nicht vorzuskripten, sondern sie während der Aufnahmen spontan entstehen zu lassen – das macht sie authentischer“, sagt Wolf. „Uns war es dennoch wichtig, inhaltlich eine gute Balance aus Team- und Unternehmenskultur, fachlichen Themen aber auch persönlichen Anekdoten dazustellen.“

Die Aufnahme fand unter Einhaltung der Pandemie-Hygienemaßnahmen in den jeweiligen Büros statt. Dafür wurden lediglich ein gutes Mikrofon sowie ein Smartphone verwendet. Im Nachgang erfolgte der Schnitt der aufgenommenen Datei mit einem Audio-Bearbeitungsprogramm durch HR. „Insgesamt haben wir inklusive Vorbereitung, Durchführung und Nachbearbeitung etwa dreieinhalb Stunden pro Folge an Arbeitsaufwand eingeplant“, sagt Wolf. Ihre Kollegin Monika Strotmann ergänzt: „Da es sich um ein Inhouse-Programm handelte, verläuft die Produktion nicht nur schnell, auch die Kosten waren gering.“

Mögliche Stolperfallen

Ganz ohne Herausforderungen läuft so ein Projekt aber nicht ab. Es sei nicht immer leicht gewesen, die richtigen Teilnehmenden aus den Fachabteilungen zu finden und inhaltlich Schwerpunkte in den recht kurzen Episoden zu setzen. Auch die Entscheidung über die Länge einer Folge wollte gut überlegt sein. Schließlich habe man sich für circa zehn Minuten entschieden, um ausreichend Raum für alle relevanten Themen zu haben, aber das Format dennoch möglichst kompakt zu halten. „Viele Herausforderungen haben wir bereits vorab lösen können, etwa indem wir recherchiert, Feedback eingeholt und eine Probeaufnahme produziert haben“, sagt Strotmann. „Wie bei vielen anderen Projekten sind eine gute Vorbereitung und der Mut, auch mal etwas zu machen, was vielleicht nicht im Handumdrehen das optimale Ergebnis garantiert, wichtig. Nur so lernt man.“

Monika Strotmann, Senior Vice President Human Resources, ParshipMeet Group, sagt: Es sollte nicht vergessen werden, sich eine Einverständniserklärung von den Teilnehmenden unterschreiben zu lassen. (Foto: ParshipMeet Group)

Wenn all dies beachtet werde, könne ein Podcast-Projekt nur noch daran scheitern, dass rechtliche Vorgaben nicht eingehalten wurden. Deshalb hat das HR-Team der Parship Group alle Teilnehmenden eine Einverständniserklärung für die Nutzung des aufgenommenen Materials auf allen involvierten Kanälen unterschreiben lassen.

Ob die bisher acht veröffentlichten Recruiting-Podcasts bereits Talente dazu bewogen haben, sich bei der Parship Group zu bewerben, ist noch unklar, denn eine detaillierte Erfolgsmessung steht noch aus. Ein Tracking, bei dem die Klicks auf die Audiodateien mit denen auf den Bewerbungsbutton in Verbindung gebracht werden können, sei aber zukünftig geplant, so Katharina Wolf.

Daran hängt auch die Entscheidung, ob die Recruiting-Podcasts ein Pilotprojekt oder eine Marketingaktion für die Corona-Zeit bleiben. „Wir werden in einem nächsten Schritt die Performance unserer Jobstories evaluieren“, sagt Wolf. „Je nachdem, wie diese ausfällt, können wir uns vorstellen, die Podcasts langfristig zu einem Recruiting-Standard zu machen.“ Innerhalb des Unternehmens seien die Aufnahmen gut angekommen, fügt Strotmann hinzu: „Durch die Teilnahme am Podcast haben unsere Kolleginnen und Kollegen aus den Fachbereichen auch eine Form der Wertschätzung für ihre Arbeit erfahren.“

Ist Redakteurin der Personalwirtschaft. Ihre inhaltlichen Schwerpunkte sind die Themen Diversity, Gleichberechtigung und Work-Life-Balance.